Mediencoach Stefan Köneke (v. l.) möchte von Kilian (9), Ida (8), Jule (9) und Sonja (8) wissen, wie sie E-Mail, Suchmaschine und Download erklären. Ihre Lehrerinnen Ulrike Becker (stehend v. l.) und Christa Bethge-Kiefer sind gespannt. - © Dieter Scholz
Mediencoach Stefan Köneke (v. l.) möchte von Kilian (9), Ida (8), Jule (9) und Sonja (8) wissen, wie sie E-Mail, Suchmaschine und Download erklären. Ihre Lehrerinnen Ulrike Becker (stehend v. l.) und Christa Bethge-Kiefer sind gespannt. | © Dieter Scholz

Warburg So gehen Warburger Grundschüler mit dem Handy um

Medienkompetenz: Smartphone und Internet bieten erstaunliche Möglichkeiten, bergen aber auch ungeahnte Gefahren. Das erfahren Warburger Grundschüler am Aktionstag spielerisch

Warburg. An diesem Tag durften die Schüler ihre Handys und Smartphones mitbringen: „Und fast alle haben eins", sagt Schulleiterin Birgitt Vonde. Auf Anregung des Fördervereins hatte die Graf-Dodiko-Schule zu einem Aktionstag unter dem Titel „Mit Netz und doppeltem Boden" die Dritt- und Viertklässler der drei Schulstandorte in Warburg, Daseburg und Ossendorf eingeladen. „Der Aktionstag soll Kinder fit für den Umgang mit dem Medium machen", bringt es Vonde auf den Punkt. An den Schultagen werden die Geräte der Kinder, wenn sie in deren Händen liegen oder klingeln, einkassiert. „Das kommt aber selten vor", sagt Vonde. „Allerdinges aber auch bereits im ersten Schuljahr", fügt sie kopfschüttelnd an. Whatsapp, Instagram, Snapchat, Tiktok: Die Kinder wissen, warum es geht. „Blicken aber nicht weiter", sagt Vonde. Es seien Applikationen auf dem Smartphone, „die der Altersstufe einfach nicht gerecht werden", betont die Grundschulpädagogin. Schnell eingerichtet, stellten sie die jungen Nutzer oft vor Probleme, „die in der Kommunikation auf dem Pausenhof schnell überwunden werden", weil nachgefragt werde. Im Netz aber nicht. „Da stehen dann plötzlich Dinge, die außerhalb der Sozialen Medien so niemals gesagt worden wären", deutet sie beispielsweise auf beleidigende Äußerungen in selbsteingerichteten Whatsapp-Gruppen hin. „Wenn die Kinder in den Klassenzimmern vom Handy erzählen, nennen sie häufig solche Fälle und schildern Probleme, mit denen sie nicht klarkommen", sagt Vonde. Viele Eltern wüssten nicht, was ihre Kinder mit dem Handy anstellten, übt sie Kritik. In einem Brief hatten die Lehrer die Eltern darum gebeten, „Einblicke in die Handys ihrer Kinder zu nehmen". Eine Aufforderung, die Interesse weckt: Am Montagabend hatte es bereits einen Elternabend zum Thema gegeben. „Unsere Räume reichten nicht aus", sagt Schulleiterin. Die Veranstaltung mit 150 angemeldeten Teilnehmern fand im Pädagogischen Zentrum (PZ) statt. „Spiele spielen", sagt Jule auf die Frage, was sie mit dem Handy mache. „Star Stable", nennt sie ein Online-Spiel, bei dem Pferde im Mittelpunkt stehen. Die Neunjährige geht in die dritte Klasse. Beherzt greift sie zum bunten Stift, wendet sich ihrem Plakat zu. In der Mitte kleben kleine Karteikärtchen, darauf Begriff wie „Internet", „Suchmaschine", Joker" oder „Download" stehen. Jule, Kilian, Sonja, Ida und ihre Mitschüler sollen malen und schreiben, was ihnen dazu einfällt. Wie sie die Begriffe anderen erklären würden. Später wird daraus ein Quiz. „Das macht Spaß", sagt Ida. „Regt an und fördert die Kreativität", ergänzt Lehrerin Ulrike Becker. Auf der Datenautobahn Mediencoach Stefan Köneke möchte den Kindern ein Gefühl für die Bedeutung der weltweiten Datenautobahn vermitteln. Dazu werfen sich die Schüler gegenseitig ein Wollknäuel zu, behalten nur den Faden in der Hand. Nach und nach entsteht ein verworrenes Netz, das jeden mit jedem verbindet. Kindgerecht bekommt das Internet eine Form. „Das gespannte Netz macht die Art und Weise des Internets erlebbar", sagt Köneke. Am Tisch werden die bunten Stifte herumgereicht. Fußballfan Kilian (9) mag den Youtube-Kanal, den das Internet biete, sagt er. Ida spricht von den Hörspielen, die sie im Netz findet. Beide sind gespannt auf die Workshops zu einem guten Dutzend Themenbereiche, die in der nächsten Stunde beginnen werden. Köneke gibt ihnen noch den Tipp mit der Kindersuchmaschine „Blinde Kuh". Die Seite sei eigens für Kinder gemacht. „Da achten Mitarbeiter auf die Inhalte", sagt der Willebadessener Experte. Kinder könnten unter blinde-kuh.de schon alleine nach Interessantem suchen. „Wenn ich elf bin, bekomme ich ein Handy", tönt es im Klassenzimmer. „Dann mit Fingerabdruck drauf", nennt die junge Dame eine Besonderheit. „Das ist wie ein gutes Passwort", weiß einer der Jungs in Fragen der Sicherheit Bescheid. Die Grundschüler beschäftigten sich mit Smartphone und Computer, weiß Schulsozialarbeiterin Andrea Dietzel. Doch sie brauchten Hilfe, weil sie das Internet überfordere. Dass es schwierig sei, sich von dem Gerät zu trennen, sei schon ein Thema. „Sie sehen es als selbstverständlichen Begleiter", sagt Dietzel. Das Tempo der Informationsflut sei viel zu schnell. „Da kommen die Kinder nicht hinterher", sagt Dietzel. Eltern sollten aufpassen und sie nicht alleine lassen, sie im gemeinsamen Gespräch auf kindgerechte Seiten aufmerksam machen. „Sicher nicht auf Whatsapp", sagt Markus Wortmann. Gute Vorbilder Der Kriminologe aus Eschborn ist Geschäftsführer des Vereins „Sicheres Netz hilft". Er weist auf die rechtliche Seite hin: „Die Kinder sind nicht geschäftsfähig", warnt er. Whatsapp-User müssten nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der App mindestens 16 Jahre alt sein. Soziale Medien: „Da hängen Fluch und Segen eng zusammen", sagt Wortmann. Es gehe um Persönlichkeits- und Urheberrechte, aber auch um Konsum- und Nutzerverhalten. Doch das wollten Eltern heute nicht unbedingt hören. „Wenn sie ihre Kinder sorglos zur Schule bringen, das Handy am Ohr, ist dies kein gutes Beispiel." Trotz ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages könne die Schule bei weitem nicht alles leisten. Wenn Eltern ihre Kinder mit einem Smartphone ausrüsteten, sollten sie „Medienkompetenz zeigen", sagt der Polizeiwissenschaftler. Je aufgeklärter und kompetenter ein Anwender sei, desto besser könne er Risiken einschätzen und minimieren. Nur einfach ein Handy zu kaufen, sei der falsche Weg. „Klare Regeln zur Nutzung setzen, über die Dauer des Gebrauchs gemeinsame Absprachen treffen", rät er.

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