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Plakatmotiv: Für den Erhalt des ehemaligen Schuhauses Pennig an der Marktstraße wirbt die Warburger Denkmalstiftung. - © Dieter Scholz
Plakatmotiv: Für den Erhalt des ehemaligen Schuhauses Pennig an der Marktstraße wirbt die Warburger Denkmalstiftung. | © Dieter Scholz

Warburg Warburger Denkmalstiftung: Bürgermeister tritt vom Vorsitz zurück

Haus Pennig: Der Aufruf der Denkmalstiftung sei eine Provokation, sagt der Bürgermeister

Dieter Scholz
02.05.2019 | Stand 02.05.2019, 21:04 Uhr

Warburg. Als Vorstandsvorsitzender der Warburger Denkmalstiftung ist Bürgermeister Michael Stickeln am Donnerstag von seinem Amt zurückgetreten. Damit reagierte Stickeln auf einen am Wochenende in den Warburger Zeitungen beigelegten Flyer, der aus Sicht der Stiftung über den Stiftungsauftrag informieren und an die Bürger appellieren sollte, sich Denkmalen zu widmen. „Eine Provokation", bewertet Stickeln die Aktion und sieht einer vertrauensvollen Zusammenarbeit jegliche Grundlage entzogen. Aktuell lässt die Denkmalstiftung in der Stadt Plakate verteilen, die sich unter dem Titel „So sieht mein Warburg aus" konkret gegen den Abriss des Hauses Pennig wenden und zur Rettung des Gebäudes aufrufen. Weder das Aktionsplakat noch der Flyer seien mit ihm als Vorstandsvorsitzenden der Warburger Denkmalstiftung abgestimmt worden, sagt Sticklen. „Die Vorgehensweise und besonders die intensive Thematisierung des Hauses Pennig in einem laufenden Verfahren lässt jede Form von Anstand, Professionalität und Objektivität vermissen", macht Stickeln seinem Ärger in einer persönlichen Erklärung Luft. Sie zeuge von „großer Arroganz, fehlendem Willen zur Zusammenarbeit und muss als öffentliche Provokation gewertet werden". Das ehemalige Schuhhaus Pennig an der Marktstraße 18: Erbaut vor rund 160 Jahren, möchte der Eigentümer das in Teilen marode Fachwerkgebäude abreißen und auf dem Grundstück neu bauen. Zehn Eigentumswohnungen sollen entstehen. Strittig ist die Frage nach dem Denkmalwert und der entsprechenden Unterschutzstellung. Während eines laufenden Verfahrens, bei dem mittlerweile der Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtages eingeschaltet sei, brüskiere die Warburger Denkmalstiftung „nicht nur den Bürgermeister als deren Vorsitzenden, sondern Rat, Verwaltung und damit letztlich auch die Bürgerschaft der Stadt", sag Stickeln. Zudem suggeriere der Flyer, Rat und Verwaltung kümmerten sich nicht ausreichend um den Denkmalbestand. Der Inhalt lasse den Eindruck entstehen, „als sei dieser womöglich gefährdet", so Stickeln. Die Vorgehensweise der Stiftungsverantwortlichen sei inakzeptabel und lasse die einfachsten Grundregeln jedweder Zusammenarbeit vermissen, betont der Bürgermeister. Rat und Verwaltung sei es von Anfang an um ein objektives Urteil in der Sachfrage der Unterschutzstellung des Pennigschen Hauses gegangen, hält Stickeln fest. Der Planungsausschuss hatte im September die Bauvoranfrage des Eigentümers für Abriss und Neubau positiv beschieden, dann aber aufgrund der Frage nach der Denkmalwürdigkeit einen Rückzieher gemacht. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) fordert die Unterschutzstellung, die Untere Denkmalbehörde sieht das anders und auch ein von Stadt und Rat eingeholtes externes Gutachten spricht sich dagegen aus. Die Warburger Denkmalstiftung war 2011 als eine von rund 240 Treuhandstiftungen unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) errichtet worden. 500.000 Euro hatte eine Stiftergemeinschaft als Kapitalstock eingebracht. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz springt dort ein, wo die öffentlichen Mittel zum Erhalt von Denkmälern nicht ausreichen. Im Fokus liegen vor allem unter Schutz gestellte historische Baudenkmäler. Zum Vorstand der Warburger Stiftung gehören laut Satzung als geborene Mitglieder neben Vertretern der Stifter der amtierende Bürgermeister, der jeweilige Landeskonservator (LWL, Landesamt für Denkmalpflege) und ein Vertreter der DSD. Habe sich die Zusammenarbeit mit der Leiterin des DSD-Stifter-Service, Nadine Smukal, zunächst konstruktiv und auf Augenhöhe gestaltet, so habe sich dies im Laufe der Zeit geändert, schildert Stickeln seine Sicht. »Die Stadt und Herr Stickeln waren schlechte Sachverwalter für die Stiftung« Er habe den Eindruck gewonnen, dass kritisches Hinterfragen von Projekten und Zuschüssen, „die hauptamtlich Verantwortlichen im Vorstand der Warburger Denkmalstiftung in ihren Plänen und Vorstellungen" störe. Diesen Eindruck betätigt Rainer Ehle, als Fachbereichsleiter auch für die Untere Denkmalbehörde in der Stadtverwaltung zuständig. „Es wurde kein großer Wert auf unsere Mitarbeit gelegt", kritisiert Ehle. Mit Mitarbeiterin Mirjam Altemeier werde er an zukünftigen Sitzungen nicht mehr teilnehmen. „Rückblickend kommen wir zu dem Schluss, dass die Stadt und insbesondere Herr Stickeln als geborenes Vorstandsmitglied und gewählter Vorsitzender schlechte Sachwalter für die Warburger Denkmalstiftung waren", nimmt Nadine Smukal Stellung. Die Stiftung sehe mit Stickeln als Schirmherr auf eine traurige Förderbilanz zurück. Gemeinsam mit der Stadt ins Auge gefasste Förderprojekte seien nicht zustande gekommen, da benötigte Unterlagen nicht vorgelegt, die Stiftung vergessen oder ihre Fördermittel zurückgewiesen worden seien, sagt Smukal. Mit Wissen Stickelns hätten bereits Ende 2017 rund 70.000 Euro brachgelegen, die auf Grundlage der DSD-Förderrichtlinien hätten investiert werden können. Das Haus Pennig sei nach dem Urteil des LWL „ohne Zweifel denkmalwürdig", bekräftigt Smukal. Auch wenn diese Einschätzung mit der Position Stickelns und der aktuellen Mehrheit des Stadtrats nicht vereinbar zu sein scheine, „waren und sind wir an einem offenen, konstruktiven Dialog interessiert". Doch der sei offenbar nicht gewünscht. „Dass wir nun über die Presse erfahren, dass Herr Stickeln sich von der Arbeit der Warburger Denkmalstiftung distanziert, ist ungehörig, aber hinnehmbar", bemerkt Smukal. Es sei aber auch zuvor nicht erkennbar gewesen, dass er die Warburger Denkmalstiftung aktiv vertrete. In der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Pennig-Hauses breche sich ein länger schwelender Konflikt im Vorstand der Stiftung Bahn. „Dies haben wir als DSD kommen sehen und eine Eskalation durchaus in Kauf genommen, um uns für die vorhandenen Denkmalfreunde der Stadt stark und unabhängig zu positionieren", so Smukal.

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