Kooperation gescheitert: Wegen der Schließung der Zuckerfabrik (im Hintergrund) muss das Abwasserkonzept der warburger Kläranlage überarbeitet werden. - © Hubert Rösel
Kooperation gescheitert: Wegen der Schließung der Zuckerfabrik (im Hintergrund) muss das Abwasserkonzept der warburger Kläranlage überarbeitet werden. | © Hubert Rösel

Warburg Das Aus der Zuckerfabrik trifft die Stadt Warburg hart

Innovatives Abwässerbeseitungskonzept durch Schließungspläne gekippt. Die Anlieger befürchten Geruchsemmissionen.

Warburg. Vor neuen Herausforderungen stehen die Stadtwerke bei dem geplanten Umbau der Kläranlage. Nach der durch die Südzucker AG angekündigten Schließung der Warburger Zuckerfabrik mit Ende der Kampagne 2019 muss das Konzept der Kläranlage neu gestaltet werden. Einige der Baumaßnahmen wurden zunächst gestoppt. Zudem gab es Anliegerbeschwerden wegen möglicher Geruchsbelästigungen. „Innovatives Verbund-Abwasserbeseitigungskonzept für das kommunale Abwasser der Stadt Warburg und das Industrieabwasser der Südzucker AG," so hieß das Vorhaben bis zur Bekanntgabe der Schließungspläne. Das Land NRW hatte eine Förderung von 9,8 Millionen Euro zugesagt, 6,4 Millionen Euro der insgesamt 16,2 Millionen Euro Baukosten wollte das Kommunalunternehmen (KUW) Warburg tragen. „Jetzt müssen wir komplett neu rechnen und planen", sagt der Beigeordnete Klaus Braun auf Nachfrage. „Wir sind im engen Austausch mit der Bezirksregierung, die uns großartig bei dem Vorhaben unterstützt", sagte Braun. Mit der absehbaren Schließung der Kläranlage fallen enorme Mengen Industrieabwasser und Klärschlamm weg. Zudem war bei dem ursprünglichen Konzept vorgesehen, das sogenannte Prozesswasser der Zuckerfabrik für die Schlammtrocknung zu verwerten. Die Abwärme des 60 Grad heißen Wassers sollte über Wärmetauscher in den kalten Wintermonaten genutzt werden, um die solare Schlammtrocknung effizienter zu gestalten. Auch das nährstoffreiche Erdetransportwasser spielte in dem ursprünglich angedachten Klärverfahren eine wichtige Rolle. Kläranlage muss neu ausgerichtet werden „Wir hatten in der Vergangenheit mit der Zuckerfabrik in puncto Abwasser für beide Seiten eine gewinnbringende Kooperation", berichtet Braun, der die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Zuckerfabrik in Warburg als vertrauensvoll und zuverlässig bezeichnet. Lange Zeit wurde beispielsweise der Klärschlamm aus der kommunalen Kläranlage in den Schlammteichen der Zuckerfabrik zwischengelagert. Jetzt wurden auf Kosten der Stadt Leitungen für das Prozesswasser gelegt, die nach einer Schließung der Zuckerfabrik nicht mehr gebraucht werden. „Wir müssen die Anlage jetzt ohne die Abwässer und den Klärschlamm der Südzucker AG ausrichten", so Braun. Das Verbund-Abwasserbeseitigungskonzept muss von Planern umgearbeitet werden. Eine mögliche Lösung sei ein kleines Blockheizkraftwerk, dessen Abwärme dann genutzt werden könnte. Einige Altbestandteile des Klärwerks wie der Faulturm sind bei der neuen Anlagenkonzeption abgerissen worden, um Platz zu schaffen für neue Komponenten wie zum Beispiel die MÜSE (Maschinelle Überschussschlamm Entwässerung) oder den neuen Gasbehälter, der 1.000 Kubikmeter Gas speichern kann. Weithin sichtbar ist zur Diemelseite hin die solar-regenerative Trocknungsanlage errichtet worden. „Einige bezeichnen das schon als Gewächshaus", scherzt Abwasserexperte Helmut Schmitz von den Stadtwerken. Die Schlammtrocknungsanlage hat eine Fläche von 2.500 Quadratmeter bei einer Länge von 124 Metern, die mit dazu beitragen soll, den Klärschlamm besser zu verwerten. Noch offen ist, wie in den Wintermonaten die notwendige Wärme in den Verfahrensprozess eingespeist wird. In jedem Fall wird der Klärschlamm abschließend in einer Anlage in Bielefeld verbrannt. Schadensersatzansprüche gegen Südzucker möglich Die Schlammtrocknung sollte eigentlich schon in Betrieb sein. Anlieger machten jedoch Bedenken wegen der zu erwartenden Geruchsbelästigung geltend, zumal die Zufuhr des Klärschlamms in die Trocknung nicht geschlossen, sondern über den offenen Transport mit einem Radlader erfolgen soll. Mit einer Kaminlösung für die Trocknungsanlage wollen die Stadtwerke das Problem lösen. Noch ist das Genehmigungsverfahren dazu nicht abgeschlossen. Ein Anlieger erwartet auch Schwierigkeiten bei Hochwassersituationen. Nicht gelöst sind unterdessen die Schadenersatzansprüche gegenüber der Südzucker AG. „Wir müssen die Schäden durch den Wegfall der Südzucker-Abwässer sondieren", meinte Klaus Braun. „Regress behalten wir uns vor."

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