Die Warburger Zuckerfabrik soll geschlossen werden. - © H. Ludwig
Die Warburger Zuckerfabrik soll geschlossen werden. | © H. Ludwig

Warburg Schließung der Zuckerfabrik in Warburg: Früherer Werkleiter äußert sich

Die Stellungnahme der Bezirksregierung zeichne ein falsches Bild für die Öffentlichkeit, so Voß

Warburg. In der Diskussion um die Kampagnendauer im Zusammenhang mit der geplanten Schließung der Zuckerfabrik Warburg äußert sich der ehemalige Direktor Christian Voß, der für die Werke Warburg und Wabern zuständig war. Das verzögerte Genehmigungsverfahren seitens der Bezirksregierung Detmold hat nach Ansicht von Voß keinen Einfluss auf die Entscheidung des Vorstandes der Südzucker AG gehabt, dem Aufsichtsrat zu empfehlen, Warburg zu schließen. Die Stellungnahme der Bezirksregierung zeichne hierzu jedoch ein falsches Bild für die Öffentlichkeit. „Richtig ist, dass Südzucker schon 2017 das informelle Antragsverfahren zur Erlangung einer verlängerten Kampagne angestoßen hatte. Dabei wird, bevor der Antrag gestellt wird, zwischen Antragsteller und Genehmigungsbehörde abgestimmt, wie substanziell und detailliert der Antrag eingereicht werden muss, damit er genehmigungsfähig wird", so Voß. Die Bezirksregierung habe bei diesen Verhandlungen laufend Nachforderungen aufgestellt, von denen vorher keine Rede war. „Sicherlich spielte hier die Landesregierung in Düsseldorf mit den Fachbehörden im Hintergrund auch eine zeitverzögernde Rolle. Jede Fachbehörde hatte noch zusätzlich zu fordern. Die Folge war ein unverantwortlicher Zeitverzug von zwei Jahren", erklärt Voß. „Natürlich war es sinnvoll, eine gemeinsame Lösung zu suchen" „Es wurde das Signal erzeugt, dass die Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung schwierig ist. So etwas geht negativ in eine Zukunftsbewertung eines Standortes ein", betont Voß. Wegen des sturen Festhaltens der Bezirksregierung „an einen irgendwann ohne sachliche Begründung fixierten Kampagnen-Endtermins", einmalig im Südzucker-Gebiet, „mussten 2017 und 2018 etwa 170.000 Tonnen Rüben zur 70 Kilometer entfernten Zuckerfabrik nach Wabern transportiert werden", berichtete Voß. „Der dabei angefallene erhöhte CO2-Ausstoß war für die Behörde unwichtig. Denn es ging ja um eine heilende Betriebsgenehmigung zum Schutz der Warburger Bevölkerung, als hätte Südzucker im grauen Bereich des Umweltrechtes produziert", ärgert sich Voß, der sich wundert, dass zwei Tage nach dem Vorstandsbeschluss zur geplanten Schließung plötzlich die Genehmigung vorgelegt wurde. Zu den Ausführungen der Bezirksregierung über den Neubau der Kläranlage merkt Voß an, „dass die Bezirksregierung diese Investition forderte und auslöste, weil sie es der Stadt Warburg untersagte, weiterhin den Klärschlamm im Zachariasgrund zu verbringen, was auch heute noch durchaus möglich wäre". Die Zuckerfabrik hätte alleine ihre Abwässer im Aerob-Verfahren behandeln können. Verlängerung der Kampagne „Natürlich war es sinnvoll, eine gemeinsame Lösung zu suchen, die die über 45 Jahre erfolgreiche Kooperation fortsetzen konnte. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Anbindung des Industriegebietes Oberer Hilgenstock, die von den dortigen Anliegern nachvollziehbar gefordert wurde. Die Zuckerfabrik als nachgelagerter Standort hat die Forderung gerne unterstützt, für die Zuckerfabrik ist sie aber nicht lebensnotwendig", erklärt Voß, der anprangert, dass die Bezirksregierung bei ihren Anforderungen gerne EU-Gesetze vorgeschoben habe. „Komisch ist nur, dass nebenan beim RP Kassel die Dinge anders laufen. Die Verlängerung der Kampagne ohne Limit war in Wabern kein Problem", unterstreicht er. Es habe nie Schwierigkeiten zwischen der Zuckerfabrik Wabern und den Genehmigungsbehörden gegeben. Außerdem werde im Gebiet RP Kassel die Klärschlammvererdung in mehreren Kommunen als Stand der Technik betrieben, ähnlich wie es die Zuckerfabrik im Zachariasgrund betrieben habe. „Wieso ist es dort möglich, Kassel ist doch kein Ausland", fragt Voß. „Die Bezirksregierung Detmold hat hervorragend unter Einhaltung aller nur denkbaren und erdenkbaren Vorschriften operiert. Wenn der Patient daran verstirbt, ist er selber schuld", schreibt Voß. Christian Voß hat seinerzeit maßgeblich dazu beigetragen, dass in Warburg Biozucker produziert wurde. Der ehemalige Direktor der Zuckerfabrik wünscht „der bewundernswerten Aktion von Stadt Warburg und BI zum Erhalt der Zuckerfabrik viel Erfolg".

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