Die Diemel unterhalb des Heinberges bei Germete - © Hubert Rösel
Die Diemel unterhalb des Heinberges bei Germete | © Hubert Rösel

Warburg Diemel bei Germete soll ihre Auen zurück bekommen

Naturnaher Gewässerausbau: Unterhalb des Heinberges bei Germete wird für die Diemel ein neues, ursprünglicheres Flussbett gegraben. Aktuell liegen zwei Varianten für den Ausbau vor

Dieter Scholz
18.01.2019 | Stand 18.01.2019, 12:45 Uhr

Warburg-Germete. Die Diemel nordöstlich der Ortschaft Germete soll ein neues Bett bekommen. Für die Renaturierungsmaßnahme liegen dem Diemelwasserverband die Pläne, die vom Planungsbüro UIH aus Höxter erarbeitet wurden, vor. „Es geht um den Flussabschnitt, der sich 200 Meter hinter der Diemelbrücke bis zum Segelflugplatz erstreckt", sagt Ulrich Klare vom Diemelwasserverband. An dieser Stelle fließt das Flusswasser, abgesehen von einer einzigen leichten kleinen Biegung, auf rund 850 Metern Länge durch ein schnurgerades Bett. Und das seit knapp 160 Jahren, sagt Klare. 1860 sei der Flussabschnitt unterhalb des Heinberges sowie der Gemarkungen In der Hölle und Köhleranger begradigt worden. Die Bauern wollten durch den Umbau des mäandernden Flussbettes weiteres Ackerland gewinnen. Deshalb zwang man die Diemel in einen schneller fließenden geraden Lauf mit einem Gefälle von gut 2,5 Promille. Was die Landwirte zunächst freute, entpuppte sich nicht nur für die Natur als Nachteil. Beschlüsse zur Renaturierung gibt es schon lange Die Artenvielfalt schwand: Vogelarten und Pflanzen, die an Mittelgebirgsflüssen wie der Diemel vorkommen, zogen sich stark zurück. Auch wurde das Diemeltal anfälliger für Hochwasser, da die Auen ihrer natürlichen Funktion als Überschwemmungsgebiete beraubt waren. „Noch in den 1970er Jahren war es ein Ziel, bei gestreckter Linienführung einen ruhigen Abfluss zu sichern", sagt Klare. Der größte Anteil der Unterhaltungskosten wurde damals für die Ufersicherung (Steinschüttung) ausgegeben. Zur Erosionssicherung wurden ins Flussbett Sohlschwellen eingesetzt. „Heute steht der Naturschutz ganz klar im Vordergrund", sagt Klare. Daher habe der Kreis Höxter bereits in den 1990er Jahren beschlossen, einzelne Flussabschnitte zu renaturieren. „Bis 2025 soll das erledigt sein", hatte Ulrich Klare bei der Vorstellung der aktuellen Pläne im Germeter Ortsbeirat festgehalten. Der „sehr gute ökologische Zustand" nach den Wasserrahmenrichtlinien der EU solle dann erreicht sein. Für die Diemel-Renaturierungsmaßnahme bei Germete sind im neuen städtischen Haushaltsentwurf Mittel für die Plan- und Genehmigungsverfahren eingestellt. Das neue Flussbett solle bis spätestens 2021 gegraben werden, sagt Klare. Zwei Ideen in der Diskussion Zwei Varianten des Ausbaus stehen in der Diskussion. Dabei liegen die geschätzten Kosten der beiden Vorschläge des Höxteraner Planungsbüros mit 400.000 und 730.000 Euro weit auseinander. „85 Prozent der Kosten wird das Land Nordrhein-Westfalen tragen", sagt Stadtmitarbeiter Klare. In der Variante eins wird nur ein schmaler Streifen von rund 50 Meter bis zum bestehenden natürlichen Entwässerungsgrabens südlich des heutigen Flussbettes bearbeitet. Das Flusslauf wird so umgestaltet, dass seine Länge um 120 Meter anwächst. „In der Diemel werden sich dann Kiesbänke, Totholzzonen und tote Nebenarme befinden", sagt Klare. Diese Variante werde vom Diemelwasserverband favorisiert. Auch der Germeter Ortsbeirat votiere für den Plan, berichtet Ortsvorsteher Willi Vonde aus der jüngsten Sitzung. Weil in dem Gebiet verlaufende Strom, Wasser- und Abwasserleitungen nicht angetastet werden müssten. „Außerdem könnten wertvolle Erlen- und Weidenbestände erhalten bleiben", ergänzt Klare. Die Hochspannungsleitung und die Brunnenleitung versorgen vor allem die Firma Germeta, im Abwasserkanal wird Schmutzwasser aus Scherfede, Rimbeck und Ossendorf abgeführt. Bei der zweiten Variante müssten diese verlegt werden, erklärt Willi Vonde. „Das wird teuer", weis der Ortsvorsteher. Die zweite Variante werde mit einer Breite von bis zu 150 Meter deutlich breiter ausfallen und sehe in dem Abschnitt eine mäandernde Flusslänge von insgesamt 1.250 Meter Länge vor. Vonde betont auch den touristischen Aspekt, den die Renaturierung mit sich bringe. „Wir wollen das Gebiet erlebbar machen", sagt der. Info-Tafeln auf Wanderwegen im Naturschutzgebiet Heinberg und dem Radweg sollen Touristen, Radfahrern, Wanderern und Spaziergängern Erklärungen bieten. Welche der beiden Varianten zum Tragen kommen werde, stehe noch aus, sagt Klare. Das Land, das in beiden Fällen für die Renaturierung umgestaltet werde, gehöre der Stadt Warburg. Die Planungsvarianten werden jetzt der Unteren Wasserbehörde beim Kreis Höxter zur weiteren Genehmigung vorgelegt, bevor sie in der Post der Bezirksregierung in Detmold liegen.

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