Die Warburger Zuckerfabrik aus der Luft betrachtet. - © Vivien Tharun (Archivbild)
Die Warburger Zuckerfabrik aus der Luft betrachtet. | © Vivien Tharun (Archivbild)

Warburg Trockenheit verhindert Rekordjahr in der Warburger Zuckerfabrik

Der heiße Sommer wirkte sich negativ auf die Rübengröße aus, bescherte aber einen hohen Zuckeranteil im Wurzelgemüse. Auch in Zukunft werden die Kampagnen länger andauern

Warburg. Noch bis vor einigen Tagen stieg aus dem großen Schornstein der Zuckerfabrik Dampf auf und zeigte an, dass im Inneren der Fabrik ein fleißiges Treiben herrschte, um täglich aus tausenden Tonnen Rüben Zucker zu gewinnen. Am 3. Januar wurden die letzten Rüben angeliefert, die bis zum 6. Januar verarbeitet wurden und damit das Ende einer Kampagne setzten, die ganz anders ausfiel als im Vorjahr. „Da hatten wir einen hohen Ertrag und große Rüben, die im Vergleich zu diesem Jahr aber einen geringeren Zuckeranteil enthielten", sagt Rohstoffkoordinator Moritz Vorholzer. Dieser Anteil habe bei der vorherigen Kampagne bei 17,9 Prozent gelegen. Zwar führte der Rekordsommer zu kleinen Rüben auf den Feldern vieler Anbauer, doch durch die hohe Sonneneinstrahlung produzierten sie einen hohen Zuckeranteil, der prozentual deutlich über dem der Kampagne zuvor liegt. Dies habe bei der gewonnenen Gesamt-Zuckermenge zwar nicht den Ertrag der vorherigen Kampagne ausgleichen können, dennoch ist erstaunlich: „Von der reinen Zuckermenge her haben wir dieses Mal gar nicht so viel schlechter abgeschnitten", erklärt Vorholzer. "Das hätte ein Rekordjahr werden können" „So gesehen hatten wir eine super Rübenentwicklung. Das hätte ein Rekordjahr werden können", sagt Vorholzer mit etwas Wehmut in der Stimme. Dann aber habe die anhaltende Trockenheit im Juni und Juli dafür gesorgt, dass das blasse Gemüse nicht nach unten wurzeln, wachsen und so seinen üblichen Ertrag von einem bis eineinhalb Kilo pro Rübe habe bilden können. Die Trockenheit hatte aber auch ihr Gutes: Normalerweise klebt an dem frisch geernteten Wurzelgemüse noch eine Menge Erde, die in der Zuckerfabrik zunächst entfernt werden muss, bevor sie weiterverarbeitet werden kann. Bei dieser Kampagne wurden die Rüben verhältnismäßig sauber angeliefert, so dass ihre Reinigung problemlos funktionierte. Damit die kleinen Rüben bei der Trennung von Mitabgeladenem nicht durchrutschten, musste die Reinigungsanlage anders eingestellt werden – mit dem Ergebnis, dass sich deutlich mehr Blätter und Steine durchmogelten und später im Wasserkanal abgefischt werden mussten. Dies wiederum erschwerte die Reinigung in diesem Jahr. Täglich bis zu 300 Lastwagen Die frisch abgeschlossene Kampagne lief 110 Tage und damit zwei Tage länger als im Vorjahr. Rund um die Uhr arbeiteten 90 Mitarbeiter in der Fabrik. Rund 4.800 Tonnen Rüben wurden täglich von bis zu 300 Lastkraftwagen angeliefert. Die gesamte Zeit über lief die Anlage ohne Störungen oder Ausfälle. Mit wie viel Tonnen Rüben die einzelnen Anbauer die Zuckerfabrik beliefern können, tragen sie neben weiteren Daten wie ihren Standort in ein Programm ein. So kann eine zeitlich genaue Belieferung erfolgen. Zusätzlich informiert ein GPS-System in den Lkw darüber, wo diese sich gerade befinden. Rohstoffkoordinator Moritz Vorholzer und Betriebsleiter Peter Tewes sind mit dem Ergebnis in dieser Kampagne sehr zufrieden. Dass die vergangenen zwei Kampagnen länger als üblich liefen, soll keine Ausnahme gewesen sein. „Durch den Wegfall der Zuckerquote in Europa dürfen wir jetzt so viel Zucker produzieren wie wir es für richtig halten", erklärt Tewes. Die hohen Transportkosten bei weiten Exportstrecken im Blick, sei ein Vertrieb des Zuckers in einem Radius von 200 Kilometern von der Zuckerfabrik aus gesehen jedoch am sinnvollsten.

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