In Warburg hängen an drei Stellen Plakate der Aktion "Gewaltlos.de". Helga Niemöller (v. l.), Gertrud Flore und Andrea Küper-Viefhues wollen für das Thema sensibilisieren. Das Schutzhaus im Kreis Höxter mit 18 Betten ist stark frequentiert. - © Hermann Ludwig
In Warburg hängen an drei Stellen Plakate der Aktion "Gewaltlos.de". Helga Niemöller (v. l.), Gertrud Flore und Andrea Küper-Viefhues wollen für das Thema sensibilisieren. Das Schutzhaus im Kreis Höxter mit 18 Betten ist stark frequentiert. | © Hermann Ludwig

Warburg Chat-Beratung für Opfer häuslicher Gewalt

Der Sozialdienst katholischer Frauen macht am Straßenrand auf ein Beratungsangebot im Internet aufmerksam

Hermann Ludwig

Warburg. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) ist erleichtert, dass die Bundesregierung nun endlich seine langjährige Forderung zum Ausbau des Hilfesystems im Gewaltschutz und die Einführung eines Rechtsanspruches als notwendig erkannt hat. "Der Hilfebedarf ist vorhanden, das erfahren wir auch im Kreis Höxter", sagt Gertrud Flore, Geschäftsführerin des SkF Warburg, der sich jetzt an der bundesweiten Plakataktion "gewaltlos.de" beteiligt. An drei Stellen in der Stadt weist ein großes Plakat auf die Aktion hin. Fäller häuslicher Gewalt sind gestiegen "In den vergangenen Jahren sind die Fälle häuslicher Gewalt deutlich gestiegen", sagt Frauenhaus-Leiterin Helga Niemöller. Das Frauenhaus im Kreis Höxter sei mit der gestiegenen Zahl hilfesuchender Frauen Beleg dafür, dass dieses Thema auch in länflichen Regionen Relevanz habe. Lag die Durchschnittsbelegung im Jahr 2009 noch bei 14 Personen, so stieg sie im vergangenen Jahr auf 19 an. In absoluten Zahlen: 61 Frauen und 101 Kinder nahmen das Angebot des SkF im Kreis Höxter wahr. Acht Frauen und zehn bis 23 Kinder im Alter von bis zu 18 Jahren können im Frauenhaus betreut werden. Allein in diesem Jahr wurden bislang 48 Frauen und 78 Kinder aufgenommen. Schutzhaus ist überbelegt "Das Schutzhaus ist bisweilen zu mehr als 100 Prozent belegt", bilanziert Flore. Das sei nur möglich gewesen, weil ein Zimmer provisorisch für eine Frau umgestaltet wurde. Derzeit läuft ein Antrag, diesen neunten Platz dauerhaft einzurichten und gefördert zu bekommen. 2017 gab es 178 Anfragen, die ohne Aufnahme ins Haus gestellt wurden. "Wenn eine Anfrage aus dem Kreis kommt, dann erfüllen wir die auch", betont Niemöller. Bundesministerin Franziska Giffey hat als Ziel erklärt, „dass wir überall in Deutschland Gewaltschutz für Frauen realisieren können und dass es darauf auch einen Rechtsanspruch gibt". Damit greift die Bundesregierung eine lange vom SkF geforderte dringend notwendige Maßnahme auf. Diese würde die Situation für Frauen, die der häuslichen Gewalt entfliehen wollen, deutlich verbessern. "Heute ist es oft schwierig, einen freien Platz in einem Frauenhaus zu bekommen. Viele Frauen brauchen für sich und ihre Kinder schnell eine Notunterkunft und müssen abgewiesen werden. Die Aufnahme in ein Frauenhaus scheitert häufig an übervoller Belegung oder mangelnder Kostenübernahme", so Gertrud Flore. Problematisch sei auch die schwierige Lage am Wohnungsmarkt, ergänzt Helga Niemöller. Im Durchschnitt bleiben von Gewalt betroffene Frauen 45 Tage im Frauenhaus. "Telefonieren ist unter jungen Frauen nicht so verbreitet" Mit der Kampagne "gewaltlos.de" werden Mädchen und Frauen, die von Gewalt betroffen sind, dazu aufgerufen, sich online kostenlos und anonym im Chat zu melden. Eine Auswertung der Nutzer-Daten im März 2018 habe gezeigt, dass die Plakataktion Wirkung zeige. "Insbesondere junge Frauen nutzen die Chat-Möglichkeit, telefonieren ist bei dieser Altersgruppe nicht so verbreitet", weiß Flore. Die Aktion gibt es seit 14 Jahren, seit fünf Jahren unterstützt auch vom SkF in Warburg. Das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen sei auch deshalb stärker in den Fokus geraten, weil sich Fernsehsendungen mit dem Thema beschäftigten, sagt Andrea Küper-Viefhues vom Vorstand des SkF. Damit erhöhe sich auch die Bereitschaft von Betroffenen, sich aus ihrer Lebenssituation zu befreien. "Frauen werden ermutigt, Lösungen zu sichern", sagt Küper-Viefhues.

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