Mehr als 300.000 Euro sind für Arbeiten am Gebäude des Amtsgerichts veranschlagt. - © Lieselotte Hasselhoff
Mehr als 300.000 Euro sind für Arbeiten am Gebäude des Amtsgerichts veranschlagt. | © Lieselotte Hasselhoff

Warburg Mauerschäden: Amtsgericht Warburg wird saniert

Das denkmalgeschützte Gebäude soll nach historischem Vorbild erhalten werden. Für die Ziegel wurde deshalb eine Museumsbrennerei beauftragt

Warburg. Das Amtsgericht wird saniert. Im Fokus der Arbeiten stehen derzeit die Ausbesserungen an der Außenfassade. Die Witterung hat Teile der Verfugung und einzelne Ziegel der Ziegelsteinmauer angegriffen. Letztere müssen ausgetauscht und die Verfugung an manchen Stellen erneuert werden. Ebenfalls betroffen ist der Sandsteinsockel des Gerichtsgebäudes. Auch hier müssen Fugen erneuert werden. "Es gehört zu unseren Aufgaben, unsere Liegenschaften regelmäßig einer sogenannten IUEBA-Überprüfung, also einer Ingenieurtechnischen Überwachung baulicher Anlagen zu unterziehen", erläutert BLB-Pressesprecher Carsten Pilz. Die letzte Untersuchung hat ergeben, dass durch den Witterungseinfluss und das Alter des Gebäudes Sanierungen notwendig geworden sind." Da das Haus unter Denkmalschutz steht, gelte zudem das Prinzip "Substanzerhalt vor Neuerung". Deshalb würden auch jetzt ausschließlich Ausbesserungen vorgenommen, die für den Erhalt des Gebäudes und die Sicherheit von Besuchern und Passanten unbedingt erforderlich sind. "Es kann deshalb gut sein, dass wir in drei Jahren weitere dann unerlässlich gewordene Sanierungen vornehmen werden", sagt Pilz.Für die aktuellen Sanierungsarbeiten hat das Warburger Architekturbüro B.+L. Beltz die Fassade genau in Augenschein genommen und sämtliche Schäden dokumentiert. In einer Gebäudezeichnung wurde in unterschiedlichen Farben markiert, wo in der Fassade Steine ausgetauscht und Fugen erneuert werden müssen. "Mit den blau und orange markierten Bereichen fangen wir an, das sind die Stellen, die im Sinne der Sicherheit saniert werden müssen", erklärt Architekt Benjamin Beltz und zeigt auf den Plan. "Wenn im Winter in die schadhaften Fugen Wasser eindringt und gefriert, kann das den Mauerstein zum Platzen bringen." Besonders betroffen ist die dem Wetter ausgesetzte Gebäudeseite Die meisten Neuerungen fallen auf der Wetterseite des Gebäudes an. "Nach Süden hin ist die Fassade besonders stark der Witterung ausgesetzt", sagt Pilz. Deshalb ist diese Gebäudeseite in ein Gerüst eingekleidet. Von dort aus können sich die Arbeiter Stück für Stück an den schadhaften Stellen abarbeiten. Die übrigen Gebäudeseiten werden punktuell mithilfe eines Hubsteigers saniert. Für die Herstellung der neuen Ziegel sei eigens eine Museumsbrennerei beauftragt worden, berichtet Pilz. "Ziegel im sogenannten 'Reichsformat' und in der vielfältigen Farbgebung, wie sie in der Mauer des Amtsgerichts verarbeitet wurden, werden eigentlich nicht mehr hergestellt." Heutige Ziegel sähen viel einheitlicher aus. Neue Ziegel extra hergestellt nach historischem Vorbild Modellhaft ließen die Bauherren einzelne Ziegel, die ausgetauscht werden müssen, aus der Gerichtsmauer entnehmen und nachbrennen. "Die Denkmalschützer müssen jetzt noch entscheiden, ob die neuen Ziegel ausreichend mit den historischen Vorbildern übereinstimmen." Ähnliches gelte für die Verfugung: "Sie besteht aus einer Mischung aus Zement, Wasser und Sanden", erklärt Pilz. Auf die richtige Körnung käme es an und - ebenso wie bei den Ziegeln - auf die richtige Farbgebung. Neben der Ausbesserung der Fassade, stehe auch ein Neuanstrich sämtlicher Fensterrahmen an. Einschließlich der kürzlich ersetzten Haupteingangstür, der nach historischem Vorbild rekonstruierten Sandsteintreppe auf der Vorderseite des Gebäudes, der Fensterrahmen sowie einer sanierten Treppe im Gebäudeinneren, sind für die aktuellen Fassadenarbeiten 327.000 Euro veranschlagt.

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