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30 Sekunden, die vorbeugen: Manuela Sommer desinfiziert ihre Hände gründlich. - © Dieter Scholz
30 Sekunden, die vorbeugen: Manuela Sommer desinfiziert ihre Hände gründlich. | © Dieter Scholz

Warburg Klein und gemein: Die Grippeviren sind im Anmarsch

Vorbeugung: Viele Arztpraxen bieten derzeit die Grippeschutzimpfung an. Vor allem ältere, abwehrgeschwächte Menschen sollten sie wahrnehmen

Dieter Scholz
29.09.2018 | Stand 28.09.2018, 12:46 Uhr

Warburg. Die Grippewelle hatte im vergangenen Winter ganz Deutschland hart getroffen. "Bundesweit erkrankten 324.416 Menschen an der Grippe. Davon verstarben 1.287", nennt Maike Hesse, Sprecherin des Helios-Klinikums in Warburg, erschreckende Zahlen. "Die kleinen, gemeinen Grippeviren dringen über die Schleimhaut der Atemwege, des Mundes und der Augen in den Körper ein", erklärt sie die Übertragung. Durch Tröpfcheninfektion, über den Kontakt der Schleimhaut mit Exspirationströpfchen, die beim Niesen, Husten, Sprechen oder Atmen von erkrankten Personen entstünden, gelange der Virus an die Eintrittsorte. "Auch Hautschuppen, Haare, Staub, Speichel und Kotpartikel können den Virus übertragen", so Hesse. Besonders im Alter kann Grippe zum Killer werden. Dass sich bisher nur etwa ein Drittel der Senioren in Deutschland gegen die Grippe impfen lässt, macht das Problem noch größer. "Das Immunsystem altert mit", sagt Silke Buda vom Robert-Koch-Institut . Wer über 60 sei und vielleicht schon andere Krankheiten habe, sei besonders empfänglich für die Viren. Symptome: Nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis Tagen treten die ersten Symptome auf. Die Grippe beginnt immer sehr plötzlich und die Betroffenen klagen über ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl im ganzen Körper. Dazu tritt hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Müdigkeit, Gliederschmerzen, Augentränen, trockener Husten, trockene Kehle, angeschwollene Nasenschleimhaut, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf. Bei schweren Verläufen kann sie gefährliche Erkrankungen wie Mittelohr-, Herzmuskel- oder Lungenentzündungen nach sich ziehen oder im schlimmsten Fall zum Tod führen. Besonders tückisch ist, dass die Viren bereits zwei Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome schon auf andere übertragen werden können. Grippeimpfung: Die Grippeimpfung ist eine vorbeugende Maßnahme ge-gen die Infektionskrankheit Influenza, auch echte Grippe genannt. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt eine jährliche Grippeimpfung im Herbst für Personen ab 60 Jahre und Personen mit erhöhter Gefährdung wie medizinisches Personal. Auch zu einem späteren Zeitpunkt sei die Impfung noch sinnvoll, da der Schutz zwei bis drei Wochen nach der Impfung schon eintrete, so die Experten. Die jährliche Erneuerung sei erforderlich, weil sich einige Influenzavirus-Typen schnell durch Antigendrift verändern, so dass die Impfung des Vorjahres nur noch einen Teilschutz gegen neue Virusstämme biete. Diese Impfung schützt nicht vor sogenannten grippalen Infekten (Erkältungen), die von anderen Erregern hervorgerufen werden. Das Gesundheitssystem finanziert die Vorsorge. Die gesetzlichen Kassen gaben nach Angaben der Apothekenorganisation ABDA zuletzt in einer Grippesaison rund 1,2 Milliarden Euro aus - allein für 35 Millionen Dosen Impfstoff. Der gemeinsame Bundesausschuss hat im April grünes Licht für die Vierfach-Grippeimpfung auf Kassenkosten gegeben. Jetzt haben gesetzlich Versicherte einen Anspruch darauf, mit dem quadrivalenten Influenzaimpfstoff geimpft zu werden. Nebenwirkungen: Typische Beschwerden nach einer Impfung sind Rötung, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle, auch Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Unwohlsein sind möglich. "Diese Reaktionen sind Ausdruck der erwünschten Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff und klingen in der Regel nach wenigen Tagen komplett ab", sagt Maike Hesse.

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