Insektenforschung: Der Biologe Patrick Urban (Vierter v. l.) zeigt im Hardehausener Wisentgehege, wie man in der Nacht Insekten anlockt. Forstamtsleiter Roland Schockemöhle (r.) schaut genau hin. - © Hermann Ludwig
Insektenforschung: Der Biologe Patrick Urban (Vierter v. l.) zeigt im Hardehausener Wisentgehege, wie man in der Nacht Insekten anlockt. Forstamtsleiter Roland Schockemöhle (r.) schaut genau hin. | © Hermann Ludwig

Hardehausen Auf Tuchfühlung mit Leitkuh Eglinde

Naturfilmer Ulrich Haufe gibt einen Einblick in den Wald der Wisente. Nächtliche Exkursion mit dem Insektenkundler Patrick Urban

Hermann Ludwig

Hardehausen. Wisente können förmlich aus dem Stand bis zu 70 Stundenkilometer schnell laufen - Hindernisse von zwei Metern sind für sie kein Problem. All das wusste der Naturfilmer Ulrich Haufe (64), als er gemeinsam mit dem Wisentwart Hans-Josef Böning den Wisentwald betrat, um authentische Aufnahmen für sein Filmprojekt "Wald der Wisente" zu bekommen. An sechs Drehtagen ist ein beeindruckender Kurzfilm entstanden, der den Zuschauern die Wildheit dieser Tiere vor Augen führt. Die Leitkuh Eglinde staunte, als sie in ihrem angestammten Reservat auf Menschen traf. Der Naturfilmer musste den Atem anhalten, als sich die tonnenschwere Wisentdame während des Drehs auf das Filmteam zubewegte, um die Eindringlinge zu beäugen. "Da waren nur etwa 25 Meter Abstand zwischen uns", berichtet Ulrich Haufe, "das waren höchstens zehn Meter", korrigiert ihn Wisentwart Böning schmunzelnd, der die Wisente seit mehr als 28 Jahren betreut und ihre Stimmungslage bestens einschätzen kann. Die Bergwisente haben zu diesem Zeitpunkt keinen Nachwuchs, da ist die Atmosphäre im Wisentwald entspannter. In dem Kurzfilm, der ausdrücklich als Appetithappen für das Internet gedacht ist, ist die Urwüchsigkeit der Wisente zu spüren. Die Spuren, die die Wildrinder in dem jetzt 60 Jahre alten Revier hinterlassen, machen das Hardehausener Wisentgehege zu etwas Einzigartigem. Uralte Eichen und Buchen stehen in dem Areal, in dem die einst vom Aussterben bedrohten Tiere dafür sorgen, dass Naturverjüngungen ausbleiben. Seit 60 Jahren wird dieser Wald forstlich nicht genutzt, so dass Totholz und ausgehöhlte Stämme neue Lebensräume bieten. "Ein Paradies für Insektenkundler", erklärt der Biologe Patrick Urban. »Das waren höchstens zehn Meter« Insbesondere Insekten, die an die unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Bäume bis hin zum Totholz gebunden sind, lassen sich dort finden. "Das bietet noch Schätze für weitergehende Untersuchungen", erklärt Urban, der nach der Filmvorführung den mehr als 50 Besuchern bei einer nächtlichen Exkursion am Wisentgehege erläutert, wie man in der Nacht Insekten anlockt und bestimmt. Zusammen mit dem Entomologen Werner Schulze ist auch Urban in Haufes Film zu sehen, als er speziell an den Wisentdung angepasste Käfer bestimmt. Auch seltene Fledermäuse leben im Wald. Die Bechsteinfledermaus ist nur eine von zehn Arten, die bei Untersuchungen in einem Fangnetz landeten. Eine Wildkamera zeigte eine Wildkatze, unlängst konnte sogar ein durchziehender Luchs identifiziert werden. Das kompakte Filmformat, das auch Jugendliche ansprechen soll, wird in Kürze im Internet auf diversen Kanälen zu finden sein. Spontan fragten viele der Premierengäste nach noch mehr Aufnahmen, die einen Einblick in die Natur geben sollen. Forstamtsleiter Roland Schockemöhle und Jan Preller, Leiter des Waldinformationszentrums, deuteten an, dass man, wie beim Schnatgang, das Wisentgehege ab und zu zugänglich machen werde - insbesondere weil man den Aspekt der Umweltbildung weiter herausstellen wolle.

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