Warburg Zum 42. Kälkenfest kommt ein neues Bürgerspiel auf die Bühne

Das Volksfests in der Altstadt bringt die Laienspielschar des Heimat- und Verkehrsvereins ein neues Stück auf die Bühne - rund um die Gerberzunft und eine verbotene Liebe

Katharina Engelhardt

Warburg. Diese Zutaten versprechen ein kurzweiliges Vergnügen: Eine Liebesgeschichte, mindestens so herzzerreißend wie Romeo und Julia, verwoben mit dem harten Alltag der Gerberzunft und Spannendem aus der Geschichte von Warburgs Alt- und Neustadt - das neue Stück von Lena und Winnie Wolmert hat alles, was ein gutes Bürgerspiel braucht. "Die Warburger Gerber" ist das inzwischen neunte Stück, das die beiden gemeinsam für das Kälkenfest geschrieben haben. Und endlich macht es jene Protagonisten zum Hauptthema, um die sich das Volksfest ja eigentlich dreht - die Gerber. "Kurioserweise gab es bislang kein einziges Stück, das die Gerber zum Thema hatte", sagt Lena Volmert. "Also wurde es Zeit!" Die zündende Idee zu dem Gerber-Stück kam den Volmerts durch den nachgeholten Festumzug zur 1.000-Jahr-Feier der Ortschaft Hohenwepeler. Bei den Vorbereitungen dazu waren die Hohenwepeler nämlich bei ihren Recherchen in diversen Archiven auf einen Leumundsbrief eines gewissen Johann von Wepelen gestoßen, einem Hohenwepeler Gerbergesellen, der nach seiner Gesellenzeit in Warburg eine Stelle in Lübeck angetreten hatte. Als die Volmerts davon erfuhren, machte es gleich Klick. "Das war die historisch verbriefte Basis für das Stück - perfekt!", erklärt Lena Volmert. Darauf hat das Paar das Stück mit der nötigen "künstlerischen Freiheit" aufgebaut und eine Geschichte rund um Johann von Hohenwepel konstruiert, die zum einen das Gerberhandwerk realistisch darstellt und zum anderen auf die Historie der Hansestadt eingeht. »Gerberhandwerk in der Altstadt galt als unrein« Dass das Stück dabei so ganz nebenbei den Grund für die Animositäten zwischen Alt- und Neustädtern erklären könnte, ist ziemlich spannend: Im 14. Jahrhundert regelte das Zunftwesen das Handwerk. Irgendwann verfügte man, dass die Bereiche Lederherstellung (Gerberei) und Lederverarbeitung nur noch streng getrennt voneinander ausgeübt werden durften. "Das Gerberhandwerk, das in der Warburger Altstadt angesiedelt war, galt als unrein", erklärt Lena Volmert. Auf der Kälkwiese wurden die rohen Tierhäute bearbeitet. Es war ein buchstäblich schmutziges Geschäft: Mit Urin beispielsweise wurde das Leder weichgemacht. Es stank bestialisch. In der ganzen Stadt gab es Urinauffangbecken - eine unappetitliche Angelegenheit, über die die Lederhändler aus der Neustadt die Nase rümpften. Oben in der schickeren Neustadt war das weiterverarbeitende Gewerbe für das Leder angesiedelt. "Und obwohl die Gerber gutes Geld verdienten, sahen die Lederhändler verächtlich auf sie hinab", vermutet die Stückschreiberin. Gesellschaftlich war der dreckige Beruf des Gerbers wenig anerkannt. Im Stück verliebt sich die Tochter eines Neustädter Lederhändlers (Franz Freitag), Marie (Karolina Finis), in den Gerbergesellen Johann von Hohenwepel aus der Altstadt. Die Liebe darf nicht sein und wird von den Eltern verboten. Doch dann tauchen zwei Lederhändler aus der großen Stadt auf, die Gebrüder Melcher (Eric und Felix Volmert) aus Lübeck haben von dem "guten Leder aus Warburg" erfahren und wollen es gern in beträchtlicher Menge kaufen. Doch bevor sie beim Lederhändler oben in der Neustadt tief in die Tasche greifen, möchten sie dorthin, wo das Leder gemacht wird: In die stinkende Altstadt. Und ausgerechnet der feine Lederhändler, Maries Vater, soll sie begleiten, obwohl er seit Jahren den Weg nach unten strikt vermeidet. Derweil bahnt sich an der Diemel ein Unglück an, da Marie ohne ihren Johann nicht mehr leben will... Vier Wochen haben die Volmerts an dem Text für das Stück gearbeitet. Wer welche Rolle später bekommen soll, wissen sie sofort - während des Schreibens. Futter für die Dialoge finden sie überall. So hat es bei einem Besuch in Nürnberg und bei einer Führung in einer ehemaligen Gerbergasse geheißen "Stinkende Häute machen reiche Leute". "Das habe ich mir sofort aufgeschrieben", sagt Lena Volmert und lacht. »Wenn wir Premiere feiern, ist es immer aufregend« Seit drei Wochen laufen die Proben, 13 Laiendarsteller werden auf der Bühne stehen, Winnie Volmert führt Regie und Lena Volmert kümmert sich um alles andere. Vor allem um das möglichst realistische Bühnenbild. Stück für Stück komplettiert es sich. Besonders glücklich ist Lena Volmert, auf der Internet-Handelsplattform Ebay zwei 100 Jahre alte Holzeimer entdeckt zu haben. Denen werden gleich zwei Funktionen zukommen. Zum einen werden sie künftig beim Gerberumzug am Joch hängen, einem Geschirr, das einer der Gerber im Umzug auf dem Rücken trägt. "Bislang hingen da Zinkeimer dran, was aber nicht der Zeit entsprach", verrät die Bürgerspielmacherin. Zum anderen werden die Holzeimer auch auf der Bühne verwendet - daraus wird der Urin ("es wird Kamillentee sein") in einen Bottich gekippt, in dem die Tierhäute liegen. Drei Proben liegen noch vor dem Team. "Wenn wir Premiere feiern, ist es immer aufregend", sagt Lena Volmert. Am Samstag, 12. August wird die Laienspielschar um 20.30 Uhr das Stück uraufführen. Freitag, 10. August 18.30 Uhr: Gerberumzug mit Begleitung des Musikvereins Daseburg 19.30 Uhr: Festproklamation durch den Herold der Hansestadt, Abendkonzert mit dem Musikverein Daseburg 20 Uhr: Eröffnung des Kälkenfestes durch den HVV-Vorsitzenden Klaus Stalze, Grußwort des Bürgermeisters Michael Stickeln 20.30 Uhr: Aufführung des historischen Bürgerspiels „Der Wormelner Klosterkrieg", anschließend musikalische Unterhaltung auf dem Festplatz durch B&G Projäct Samstag, 11. August 11 Uhr: Begrüßung durch den Vorsitzendendes Warburger Bürgerbusvereins anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Vereins, Ansprache des Bürgermeisters, Grußworte 12 Uhr: Erbsensuppe auf dem Marktplatz gekocht vom Männerchor Warburg 13 Uhr: Vorführungen der Jazz-Dance-Gruppe aus Wormeln 13.30 Uhr: Musik und Unterhaltung mit dem Musikverein Ossendorf 15 Uhr: Historisches Bürgerspiel „Die Bierprobe" 15.30 Uhr: Kaffee und Kuchen, kredenzt von der Bäckerei Brechtken 16 Uhr: Angebot einer Führung durch die Stadt 17 Uhr: Warburger Ulkgeschichten mit Lena und Winni Volmert 18 bis 20 Uhr: Musik und Unterhaltung mit dem New Swing Orchestra aus Scherfede 20.30 Uhr: Premiere des historischen Bürgerspiels „Die Warburger Gerber" 21 Uhr: Musik auf dem Festplatz mit 
B&G Projäct Sonntag, 12. August 10 Uhr: Festgottesdienst auf dem Altstadtmarktplatz, Zelebrant ist Dechant Gerhard Pieper, es singt der Männerchor Warburg, es spielt das Warburger Stadt- und Jugendorchester 11 Uhr: Frühschoppenkonzert mit dem Warburger Stadt- und Jugend Orchester 11.30 Uhr: Erbsensuppe auf dem Marktplatz, serviert vom Männerchor Warburg 14 Uhr: Prämierung Wettbewerb „Verschönerung des Stadtbildes" 15 Uhr: Auftritt der Volkstanzgruppe aus Kleinenberg 15.30 Uhr: Auftritt der Jagdhornbläser des Warburger Hegerings 16 Uhr: Auftritt der Volkstanzgruppe aus Kleinenberg 17 Uhr: Historisches Bürgerspiel „Die Wasserwippe" ab 17.30 Uhr: Zum Festausklang gibt es Gitarrenmusik der 1960er bis 1990er Jahre mit 
Peter Fuest

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