Ambulanter Hospizdienst: Die Hand einer kranken Frau wird von einem Hospizbegleiter gehalten. Wenn todkranke Menschen nicht im Krankenhaus sterben wollen, kann eine gute Betreuung daheim organisiert werden. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Ambulanter Hospizdienst: Die Hand einer kranken Frau wird von einem Hospizbegleiter gehalten. Wenn todkranke Menschen nicht im Krankenhaus sterben wollen, kann eine gute Betreuung daheim organisiert werden. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Warburg Warburger Hospizbewegung möchte das Bewusstsein für das Sterben stärken

Wenn der Tod zum Thema wird

Dieter Scholz

Warburg. "Gutes" Sterben sei nicht eindeutig definierbar, sagt der Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung der Uni Augsburg. Seit den 1980er Jahren habe es aber eine deutliche Entwicklung hin zum Ausbau einer Hospiz- und Palliativversorgung gegeben. "Das gute Sterben meint seither auch: Es soll möglichst würdevoll, schmerzfrei, selbstbestimmt, gut versorgt und bei Bedarf begleitet gestorben werden", so Werner Schneider. Dass das Lebensende von der Gesellschaft als eine mehr und mehr bewusst wahrgenommene Lebensphase angesehen wird, dazu hat in der Region die Warburger Hospizbewegung sicherlich beigetragen. Im vergangenen Jahr erinnerten im Herbst die rund 130 Mitglieder des Vereins mit Musik- und Theaterabenden an das 20-jährige Bestehen. In der Mitgliederversammlung berichtete jetzt der Vorstand, der den Verein weiterhin auf einem guten Weg sieht. Der Tätigkeitsbericht machte das große Engagement der ehrenamtlichen Helfer deutlich. So leisteten 28 Ehrenamtliche im Betreuungsteam im vergangenen Jahr insgesamt knapp 300 Stunden in der Sterbebegleitung. Auch führten die Betreuer etliche Telefongespräche mit Schwerkranken und deren Angehörigen. Keiner bleibt allein: An elf Reflexionsabenden traf sich das Team. Darüber hinaus wurden für die Aktiven Schulungen und Fortbildungen durchgeführt. An den Tagen der Warburger Oktoberwoche informierte der Verein über Angebot und Arbeit an einem Stand im Gewerbezelt. Doch gutes Sterben betreffe nicht nur den, der gehe, "sondern auch die, die noch bleiben", erklärt Schneider. Für Hinterbliebene betreibt die Hospizbewegung an der Sternstraße ein Trauercafé, das im vergangenen Jahr an zwölf Sonntagen geöffnet war. Sogar am Silvestertag waren die ehrenamtlichen Mitarbeiter tätig. Insgesamt wurden für das Feld der Trauerbegleitung mehr als 270 Stunden aufgewandt. Versammlung bestätigt Vorstandsteam Soziologe Werner Schneider sieht aktuellen Handlungsbedarf: Politisch müssten die Weichen für eine Beförderung von bürgerschaftlichem Engagement und Nachbarschaftshilfe gestellt werden und "Verrechtlichungen im ehrenamtlichen Einsatz möglichst vermieden werden". Menschen, die sich in der Sterbebegleitung einbrächten, sollten nicht erst an Versicherungspolicen denken, bevor sie sich auf den Weg zu Schwerstkranken machten. Alle Bürger müssten überlegen, wie die Gesellschaft künftig "Sorgebeziehungen" organisieren wolle oder welchen Stellenwert ein Heim in Wohnortnähe haben solle. Der Augsburger Soziologe fordert eine gesellschaftliche Debatte über "gutes" Sterben. "Senioren- und Pflegeheime entwickeln sich immer mehr von Orten des Lebens zu Orten des Sterbens", sagte er jetzt in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur. Die letzte Lebensphase dauere wegen der besseren medizinischen Versorgung heute oft länger als früher. Schneiders Forderung unterschreiben auch die Vorständler der Warburger Gruppe. Nach dem zufriedenstellenden Bericht des Kassenwartes stand in der Versammlung der Tagesordnungspunkt Vorstandswahlen an. Der langjährige Vorsitzende, Engelbert Berendes erklärte sich bereit, bis ins kommende Frühjahr kommissarisch sein Amt noch weiter auszuüben. Berendes bedankte sich bei allen ehrenamtlichen Helfern, die "als Fundament der Warburger Hospizbewegung ihren nicht immer einfachen Dienst geleistet haben".

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