Mit kräftiger Stimme: Beim "Körpersong", den Nino Carovac (Gitarre) und Nicole Beutèll mit den Kindern singen, rufen die Schüler lautstark im Refrain "Ich will das nicht mehr!". Sie lernen dadurch, sich aus übergriffigen Situation zu entziehen. - © Vivien Tharun
Mit kräftiger Stimme: Beim "Körpersong", den Nino Carovac (Gitarre) und Nicole Beutèll mit den Kindern singen, rufen die Schüler lautstark im Refrain "Ich will das nicht mehr!". Sie lernen dadurch, sich aus übergriffigen Situation zu entziehen. | © Vivien Tharun

Warburg Schüler lernen, Nein zu sagen

Durch die Szenencollage "Mein Körper gehört mir" sollen Kinder lernen, wie sie sich vor Übergriffen schützen. Sponsoren unterstützen das Projekt

Vivien Tharun

Warburg. Eine kleine Theaterszene: Ein Kind spielt auf einer Straße. Ein fremder Mann spricht es an und erzählt, er sei der neue Nachbar. Zu Hause habe er zwei Kinder in ähnlichem Alter und eine moderne Spielekonsole. Er lädt das Kind zu sich ein und dessen Eltern sollen auch gerne vorbei kommen. Zwar klingt die Spielekonsole verlockend, doch weiß das Kind: "Ich muss erst meinen Eltern sagen, wo ich bin". In der von den Theaterpädagogen Nino Carovac und Nicole Beutèll gespielten Szene geht alles gut. Das Kind fragt seinen Vater um Erlaubnis und der Nachbar ist wirklich nur ein netter Mensch mit zwei Kindern. Doch die Szenencollage "Mein Körper gehört mir" will Schülern der dritten und vierten Klasse vermitteln, dass hinter solchen Einladungen auch Gefahren stecken können. Die Johannes-Daniel-Falk-Schule Warburg holt darum das Theaterprojekt alle zwei Jahre für die jeweils drei dritten und vierten Klassen zu sich. "Ich selbst habe "Mein Körper gehört mir" schon während meines Referendariats kennen gelernt", sagt der stellvertretende Schulleiter Lars Friedreich. In all den Jahren habe er immer wieder feststellen können, wie viele Frage Kinder zum Thema Selbstbestimmung haben und dass das Projekt und die Nachbereitung durch die Lehrer viele Antworten auf die Fragen geben können. »Projekt gibt Schülern Antworten im Stillen« Dem stimmt Theaterpädagogin Beutèll zu: "Wir haben über die Jahre den Eindruck erhalten, dass das Stück vor allem im Stillen Antworten für Schüler gibt", sagt sie. Damit diese Antworten gegeben werden können, muss das Projekt auch finanziert werden. In diesem Jahr haben dabei die Warburger Rotarier, die Vereinigte Volksbank und die Abteilung "Soziale Dienste" des Kreises Höxters mit jeweils 500 Euro geholfen. So konnte der Elternbeitrag dazu niedrig gehalten werden. "Meine Frau ist Lehrerin und sagte, das Projekt sei um Gottes Willen zu unterstützen", sagt Helmut Dreier vom Rotarier Club. Daher sei es keine Frage gewesen, sich um Spenden dazu zu bemühen. Das Projekt würde Kinder stärken und das Thema Übergriffe sensibel behandeln. Dieser Meinung schließt sich Heiko Hansmann von der Vereinigten Volksbank an. Der Volksbank sei bei der Spende daran gelegen gewesen etwas "aus der Region für die Region zu machen. "Wir sehen 'Mein Körper gehört mir' als genossenschaftliches Projekt", sagt Hansmann. Die beiden Theaterpädagogen Carovac und Beutèll sind eines von 124 Frau-Mann-Teams, die für die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück unterwegs sind, um Kinder stark zu machen. Carovac und Beutèll besuchen dafür Einrichtungen im Raum des Hochstifts und angrenzende Umgebung. Für die letzten drei Mittwoche im Schuljahr sind sie an der Falkschule und bauen alle Szenen uns Aspekte auf einander auf. So lernen Kinder, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen In der zurückliegenden Woche haben sich die Schüler mit Ja/Nein-Gefühlen auseinandergesetzt. Dabei sollten die Kinder lernen, auf ihr Gefühl in bestimmten Situationen zu hören und entsprechende Worte zu finden. Für manche Kinder ist das schon in scheinbar einfachen Situationen schwer, wenn zum Beispiel Eltern beim Haare kämmen ziepen. Die Theaterpädagogen spielten genau so eine Szene den Grundschülern vor. Einmal sagte das Kind beim Kämmen nichts, ein anderes Mal fand es die richtigen Worte, so dass von da an vorsichtig gekämmt wurde. Weil die Schüler die Darsteller in dieser Woche schon kannten und Vertrauen hatten, konnte diesen Mittwoch ein stärkeres Thema behandelt werden. Dabei ging es um die Definition von Übergriffen: Wie nennt man jemanden, der sich entblößt, um zu erschrecken und kann ich ihn anzeigen? Kann ich beim Chatten im Internet jedem glauben, was er schreibt? Was ist zu beachten, wenn ich mich mit jemandem treffen möchte? Neben diesen Fragen gab es noch drei weitere, die sich Kinder immer stellen sollten: Habe ich ein Ja- oder ein Neingefühl?, Weiß jemand, wo ich bin?, Bekomme ich Hilfe, wenn ich Hilfe brauche? Wenn auch nur eine Antwort auf diese Fragen negativ ausfällt, sollen sich Kinder der entsprechenden Situation entziehen. Die Schulkinder zeigten rege Beteiligung und Interesse an den Fragen und Theaterszenen. Heute werden Carovac und Beutèll zu ihrem letzten Termin in der Falk-Schule sein. Dann werden sie Kinder durch verständliche Theaterszenen zeigen, wie sie sich gegen Gewalt und Übergriffe von Personen in ihrem näheren Lebensumfeld (Familie, Schule, Verein) wehren können.

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