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Fachfrau: Verena Arendes (r.) aus Borgentreich weiß die Kraft der Wildkräuter zu schätzen. - © Dieter Scholz
Fachfrau: Verena Arendes (r.) aus Borgentreich weiß die Kraft der Wildkräuter zu schätzen. | © Dieter Scholz

Hardehausen Kochen mit Wildkräutern: Verena Arendes zeigt wie das geht

Eine Wanderung innerhalb des Klostergeländes in Hardehausen bringt viele unterschiedliche Wildkräuter auf den Tisch, die mit Verena Arendes aus Borgentreich im Freien zubereitet und gegessen werden

Dieter Scholz
31.05.2018 | Stand 30.05.2018, 19:23 Uhr

Hardehausen. Brütende Mittagshitze im Hardehauser Talkessel: Die schwarze Wollfilzkappe auf dem Kopf, wollene Schulterkragen und dunkle Tunika, darunter das Untergewand aus Leinen: Trotz sommerlicher Temperaturen gehört das dazu. "Die Falten, die das weite Untergewand auf dem Leib wirft, wirken wie Kühlrippen", sagt der Großmeister des ehrenwert-ritterlichen Lilienordens, Hermann von Uberdissen. Eigentlich heißt er Andreas Habel und kommt aus Bielefeld. Mit den Schwestern und Brüdern vom Ordensstamm Quintus Corax, die ihre Heimat in Ossendorf haben, weilt der Recke zum Speisen auf dem ehemaligen Klostergelände in Hardehausen. In zwei Grillwannen lodern die Feuer. "Ein kleine Jagdgesellschaft auf Jagdausflug", erklärt Habel. Dort, wo einst Zisterziensermönche Fischteiche und Gärten anlegten, hatten sich die beiden Mittelalter-Gruppen aus Ossendorf und Bielefeld auf die Suche nach schmackhaften Kräutern begeben. Gut zwei Stunden entlang der Klostermauern und der Tisch war reich gedeckt. Nun warten eine würzige Bohnensuppe, der Wildkräutersalat mit Blumenblüten zur Deko und Fladenbrot vom Grill auf die Zubereitung. "Wir leben das Mittelalter"  "Wir leben das Mittelalter", sagt Habel beim Blick über die Schüsseln. Um näheres aus den Küchen und Herdstellen dieser Epoche zu erfahren, hatten die Fans der alten Zeiten Verena Arendes gebeten, sie den Vormittag über zu begleiten. Die Kräuterexpertin aus Borgentreich klärte über Gundermann, Giersch, Lauchkraut, Wiesenknopf, Beifuß, Sauerampfer, Taubnessel und Löwenzahn auf und breitete im stillen Winkel einer Wiese an der Landvolkshochschule Rezepte aus. Es wird sortiert, geschnippelt und gerupft, geknetet und in Form gebracht. Salome greift beherzt in die Schüssel mit dem fertigen Fladenteig. In ihren Händen entstehen pflaumengroße Bällchen, die sie sachte auf das Holzbrett legt und mit einem Klaps verabschiedet. Die Oblaten werden später auf dem Grill landen. "Fünf Minuten bei großer Hitze von jeder Seite - ein Genuss", sagt Arendes. An der Seite ihrer Mutter ist die Fünfjährige mächtig aufs Essen gespannt. Derweil beraten sich der Großmeister aus Ubedissen und Elmar Sandten vom Ossendorfer Sprengsel des Templerordens über Pfeilspitzen, die im 12. Jahrhundert in Gebrauch waren. Unter anderem zeige man die Kunst des Waffenbaus auf Mittelaltermärkten, sagt Andreas Habel. An manchen Wochenende verbringt auch das Gefolge um Elmar Sandten die Freizeit auf den beim Publikum sehr beliebten Schaumärkten. Oliver Reumann, der "dienende Geist im Ritterorden", wie er festhält, mischt sich ein. Der Krankenpfleger hat sich bei Kräuterfrau Arendes über die Heilkraft der Wildkräuter erkundet. Jetzt denkt er darüber nach, das Repertoire der kleinen Quintus-Corax-Familie zu erweitern. "Die Kunst eines Wund- und Feldarztes im 12. Jahrhundert", sinniert er. Schnell ist die Runde beim Zahnschmerz und dem Schaudern des Zähneziehens. Auf der Suche nach dem Alltag im Mittelalter  Die Kräuterwanderung in Hardehausen, "ein spontanes Treffen", sagt Sandten. Man telefoniere sich im Vorfeld eines solchen Vorhabens gern zusammen. Der Geselligkeit wird beim Küchendienst gefrönt, denn "man trifft Leute, die man kennt", sagt Sandten. Sie seien Puristen auf der Suche nach dem Alltag im Mittelalter. Jeder recherchiere die Person, die er darstelle nach. Wer Interesse am Kontakt mit der Zeitepoche vor 800 Jahren hat, den lädt Sandten gerne ein. Ein Anruf übers Telefon unter (01 63) 409 83 03 genüge, sagt der 52-Jährige und zieht das Smartphone aus dem Tunikabeutel am Gürtel. Eine E-Mail an elsa.66@gmx.de tue es aber auch. Zum Abschluss gab?s übrigens süße Schokobanane vom rauchenden Grillrost - ganz ohne Kräuter. "Aber mit Löwenzahnwurzel-Kaffee", sagt der Edelmann Hermann von Ubedissen.

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