Zehn Jahre hat der LWL an der Burg geforscht: Dieses Bild aus dem NW-Archiv stammt aus dem dem Jahr 2013 und zeigt die ersten Ausgrabungsfortschritte an der Holsterburg. Im Jahr 2005 hatte der LWL angefangen, sich mit der Grabungsstätte zu befassen. 2010 wurde das Gelände vermessen und mit den Ausgrabungen begonnen. - © Julia Gesemann
Zehn Jahre hat der LWL an der Burg geforscht: Dieses Bild aus dem NW-Archiv stammt aus dem dem Jahr 2013 und zeigt die ersten Ausgrabungsfortschritte an der Holsterburg. Im Jahr 2005 hatte der LWL angefangen, sich mit der Grabungsstätte zu befassen. 2010 wurde das Gelände vermessen und mit den Ausgrabungen begonnen. | © Julia Gesemann

Warburg Holsterburg soll für Besucher erlebbar gemacht werden

Der Rat stimmte in seiner Sitzung am Dienstagabend einstimmig für die teuerste von drei Varianten ab

Warburg. Einmütig hat der Rat der Stadt Warburg am Dienstagabend über die Zukunft der Holsterburg entschieden: Variante 3, die teuerste von insgesamt drei zur Wahl gestellten Alternativen, soll es sein. Demnach soll die Ausgrabungsstätte komplett für die Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar gemacht werden. Kostenpunkt inklusive der Gestaltung der Außenanlagen mit Podesten und Geländern: rund 265.000 Euro. "Das ist eine einmalige historische Chance", hatte Bürgermeister Michael Stickeln gleich zu Beginn der Sitzung für die Lösung geworben, die Ruine zu erhalten. Zehn Jahre lang forschten die Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) an der achteckigen Burg; 2005 begannen die Fachleute des LWL, sich mit der Holsterburg zu befassen. 2010 wurde das Gelände vermessen und die Archäologen begannen mit den Ausgrabungen. Schnell wurden erste Erfolge sichtbar und die Warburger Ruine wanderte als "westfälisches Castel del Monte" durch die europäische Fachpresse. 10.000 Besucher Insgesamt 10.000 Besucher haben laut LWL bei den Tagen der offenen Tür die Chance genutzt, sich die Burgmauern aus nächster Nähe anzusehen. "Heute gilt die Holsterburg als Meilenstein in der Archäologie", machte Hans-Werner Peine, Leiter der Mittelalterarchäologie beim LWL, den Ratsmitgliedern in einem Vortrag glaubhaft. Weil die Holsterburg europaweit bisher die einzige oktogonale, also achteckige Burg sei, die derart umfassend erforscht wurde. "Andere Ruinen wurden lediglich angegraben", erklärte LWL-Archäologe Kim Wegener, der in der vergangenen Saison die Ausgrabungen an der Holsterburg geleitet und diese Ende 2017 beendet hatte. Bereits kurz darauf hatte Bürgermeister Michael Stickeln bei einem namhaften Wissenschaftler der Hochschule Karlsruhe eine Machbarkeitsstudie zur Begehbarmachung der Holsterburg in Auftrag gegeben. Professor Erwin Schwing kam in seiner Expertise zu dem Schluss, dass es machbar sei, die Ruine dauerhaft zu erhalten und sie somit auch für Besucher erlebbar zu machen. Für die Umsetzung kalkulierte der Wissenschaftler einen finanziellen Aufwand von mehr als 250.000 Euro. In einem zweiten Gutachten stellte der Professor eine abgespeckte und preiswertere Variante vor. Die sah vor, dass die Ausgrabungsstätte zwar größtenteils mit Erde bedeckt werden sollte, aber durch zwei "archäologische Fenster" Einblicke in einen Innenraum und auf einen Bereich der Fassade ermöglicht hätte. Kosten: mindestens 110.000 Euro. Die erste und günstigste Variante (50.000 Euro) aller drei Möglichkeiten, die dem Rat vorgestellt wurden, hätte die Öffentlichkeit komplett außen vorgelassen. Hierbei wäre die Burgruine vollständig mit Erde bedeckt, und das Areal als Hügel wiederhergestellt worden. "Das allerdings wäre, wie ich meine, ein regelrechter Frevel", sagte Bürgermeister Stickeln nach dem Vortrag der beiden Experten, wenngleich er zu bedenken gab, dass die Aussichten auf Fördergelder zwar vorhanden, aber noch nicht abgeklärt seien. Hoher Stellenwert "Wir stimmen für die Variante 3 - mit oder ohne Zuschuss", stellte CDU-Fraktionschef Willi Vonde klar. Als "selbstverständlich" bezeichnete Vonde weiter, dass "eine Ausgrabungsstätte von dieser hohen Wertigkeit auch Bestand in unserer Stadt" haben müsse. "Wenn man den historischen und auch den touristischen Wert dieser Burganlage berücksichtigt und den Stellenwert beachtet, den die Holsterburg europaweit inne hat, dann sollte uns das die Investition allemal wert sein", argumentierte Hilla Zavelberg-Simon von der Grünen-Fraktion. Für Wolfgang Gumm von der Bürgerunion sei dies die "einmalige historische Chance, dieses touristische Kleinod zu erhalten und für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen." Der Beschluss fiel einstimmig. "Das wird ein touristisches Highlight", kommentierte Bürgermeister Stickeln.

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