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Enorme Kraft: Sturmtief Friederike wütete insbesondere im Scherfeder Wald, wie Forstamtsleiter Andreas Becker (v. l.) die Förster Uwe Müller und Jürgen Engemann sowie Kämmerer Klaus Weber bei einem Ortstermin bilanzierten. - © Hermann Ludwig
Enorme Kraft: Sturmtief Friederike wütete insbesondere im Scherfeder Wald, wie Forstamtsleiter Andreas Becker (v. l.) die Förster Uwe Müller und Jürgen Engemann sowie Kämmerer Klaus Weber bei einem Ortstermin bilanzierten. | © Hermann Ludwig

Warburger Land Sturmtief Friederike wütet stärker als Kyrill

Schäden im Warburger Stadtwald sind bei Scherfede besonders groß. In Willebadessen sind im Bereich des Fernsehturms 7.000 Festmeter betroffen

Hermann Ludwig
25.01.2018 | Stand 24.01.2018, 19:33 Uhr

Warburger Land. Sturmtief Friederike hat im Warburger Stadtwald größeren Schaden angerichtet als vor elf Jahren Kyrill: 30.000 Festmeter Holz, umgerechnet etwa 20.000 Bäume, wurden am Donnerstag vor einer Woche förmlich umgeweht, bei Kyrill waren es 21.000 Festmeter. Der Dauerregen zuvor hatte den Boden aufgeweicht, so dass durch Sturmtief Friederike zumeist flach wurzelnde Fichten zu Boden gingen. Die Aufarbeitung wird sich noch Monate hinziehen, in jedem Fall gilt im Warburger Stadtwald über den 31. Januar ein Betretungsverbot, auch auf den Wegen, wie Bürgermeister Michael Stickeln betont. Andreas Becker, Leiter des zuständigen Gemeindeforstamtes, hat mit den beiden Förstern Jürgen Engemann und Uwe Müller in den letzten Tagen Bilanz gezogen, auch für die Nachbarkommunen Willebadessen und Borgentreich, wo Friederike ebenfalls besonders stark wütete. Überhaupt war der Kreis Höxter Schadensschwerpunkt in NRW. Im Bereich des Regionalforstamtes Hochstift sind nach einer ersten Schadensbilanz 500.000 Festmeter zu Boden gegangen, in ganz NRW waren es 1,2 Millionen Festmeter. "Der wirtschaftliche Schaden ist noch nicht abzuschätzen", erklärt Kämmerer Klaus Weber. Jetzt muss eine Holzmenge aufgearbeitet werden, die dem zweifachen jährlichen Holzeinschlag entspricht. "Die Arbeiten sind aufwendig, da sind Kosten noch nicht zu berechnen, zudem muss man abwarten, wie sich der Holzpreis entwickelt", meint Forstamtsleiter Andreas Becker. Die rund 950 Hektar Wald der Stadt Willebadessen und die 2.350 Hektar im Warburger Stadtwald mit den Revieren Jägerpfad, Scherfeder Wald, Asseler Wald, Leuchte und die Waldungen der Kernstadt sowie der Borgentreicher Wald sind vom Sturm betroffen. Der Schwerpunkt des Schadens liegt im Revier Scherfede/Rimbeck, in Willebadessen sind vorwiegend im Bereich des Fernsehturms 7.000 Festmeter umgestürzt, in Borgentreich sind auf den 400 Hektar Kommunalwald 20.000 Festmeter betroffen. "Borgentreich hat es am schlimmsten getroffen", bilanziert Uwe Müller, der jetzt erwartet, dass bei einem weiteren Sturm noch weitere Bäume fallen werden. "Die Bestände sind enorm angegriffen, da gibt es viele offene Flanken", so Müller. Trügerisch sind noch etliche stehen gebliebene Bäume am Waldrand, hier stecken noch viele Gefahren, daher ist das Waldbetretungsverbot absolut einzuhalten. "Auch am Warburger Trimm-Dich-Pfad müssen wir die Schäden Zug um Zug abarbeiten, da haben Spaziergänger derzeit nichts zu suchen", sagt Förster Jürgen Engemann unmissverständlich. Gefährlich sind die Holzarbeiten für die Fachleute, denn durch den Windwurf stehen viele Bäume noch unter enormer Spannung. "Alle Mitarbeiter werden ausgiebig belehrt", erklärt Andreas Becker, der darauf hofft, dass keine Menschen zu Schaden kommen. Die Vermarktung des Holzes dürfte nach Beckers Einschätzung nicht so schwierig sein, weil andere Waldregionen nicht so stark unter dem Sturm gelitten hätten. Insbesondere das Sauerland, das seinerzeit durch den Orkan Kyrill besonders betroffen war, wurde nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen. Zudem sei die Konjunktur derzeit sehr stabil und Holz stark nachgefragt. Vor elf Jahren kamen flächendeckend große Holzmengen auf den Markt, so dass Holz bis nach Österreich verkauft wurde. "Wir haben unsere Stammkunden schon angesprochen, genauso wie unsere Firmen, die das Holz aus dem Wald holen", zeigte sich Becker zuversichtlich, dass man die Holzmengen zu vernünftigen Konditionen vermarkten könne. "Die Wertschöpfung durch den Warburger Stadtwald ist wichtig", betont Bürgermeister Stickeln. "Im Plan für das Jahr 2018 waren 1,15 Millionen Euro als Erlös durch den Holzverkauf eingeplant", unterstreicht Kämmerer Klaus Weber diese Einschätzung. Abzüglich der Kosten sollten 400.000 Euro übrig bleiben, ein Ansatz, der bei dem höheren Arbeitsaufwand schwer zu realisieren sei. Besonders stark waren die Schäden auf den für Fichten ungeeigneten nassen Standorten. Hier wie auch auf anderen Schadensflächen wird versucht, die Mischung mit Laubholz zu optimieren. Erst einmal müssen aber die Reste des Sturms Friederike beseitigt sein, ehe es an die gezielte Aufforstung geht. "Da müssen wir auch das Wild im Blick haben", ergänzt Uwe Müller.

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