Neue Erkenntnisse: Die Paläontologen Tanja Wintrich und Martin Sander von der Universität Bonn untersuchen das Skelett des Plesiosaurier aus Bonenburg. Bei ihren Untersuchungen haben sie festgestellt, dass das Skelett viel älter ist, als die, die bisher gefunden wurden. Foto: Yasuhisa Nakajima/dpa - © Yasuhisa Nakajima/dpa
Neue Erkenntnisse: Die Paläontologen Tanja Wintrich und Martin Sander von der Universität Bonn untersuchen das Skelett des Plesiosaurier aus Bonenburg. Bei ihren Untersuchungen haben sie festgestellt, dass das Skelett viel älter ist, als die, die bisher gefunden wurden. Foto: Yasuhisa Nakajima/dpa | © Yasuhisa Nakajima/dpa

Warburg "Jahrhundert-Fund": Ältester Plesiosaurier in Warburg gefunden

Gefunden wurde es in einer Warburger Tongrube

Angelina Kuhlmann

Bonenburg. Für Paläontologe Martin Sander ist es ein „Jahrhundert-Fund". Was vorher nur Vermutung war, konnte jetzt mit dem Abschluss der Untersuchung bestätigt werden: Das Skelett eines Plesiosaurier, das 2013 in Bonenburg gefunden wurde, ist das älteste seiner Art. Es ist 201,3 Millionen Jahre alt und auf der Welt einzigartig. Im Block geborgen Vor fünf Jahren stieß ein Hobby-Archäologe in einer Boneburger Tongrube, die vom Warburger Ziegel- und Betonwerks Lücking betrieben wird, auf die fossilen Knochen. Er meldeten den Fund umgehend. Mitarbeiter der paläontologische Bodendenkmalpflege des LWL-Museum für Naturkunde in Münster bestätigten daraufhin nach eingehender Prüfung vor Ort, dass es sich bei dem Fund um Knochen eines fossilen Wirbeltieres handelt. Nachdem die gesamte Fläche ermittelt werden konnte, in der das fossile Fundstück verortet wurde, wurde diese in einer sogenannten „Blockbergung" gesichert. Detlef Grzegorczyk, Referent der Bodendenkmalpflege, beschreibt den Vorgang detailliert in der Publikation „Archäologie in Westfalen-Lippe 2014". Nachdem der Block zunächst von einem Bagger freigelegt wurde, wurde er mit „Kunstharz getränkt". Das stabilisierte das bröckelige Material. In Münster präpariert Der Fossilblock wurde danach nach Münster transportiert. Dort wurde damit begonnen die Fundstücke freizulegen und zu säubern. Danach war klar: Bei dem Fund handelte es sich um das Skelett eines Plesiosauriers, ein Meeresreptil, das darüber hinaus vollständig erhalten war. Zu Lebzeiten war der Bonenburger Plesiosaurier 2,40 Meter lang, hatte einen langen Hals und einen kleinen Kopf. Um sich im Meer gut fortbewegen zu können, besaßen die Reptilien vier paddelförmige Flossen. Die Saurier waren Fleischfresser. Im Wasser haben sie sich von Fischen ernährt. "Das ist erste Sahne" Nach der mehrere Monate dauernden Bergung und Freilegung durch das LWL, übernahmen Martin Sander und Tanja Wintrich vom Steinmann-Institut der Universität Bonn die wissenschaftliche Untersuchung des Urtieres. Jetzt konnten sie die abschließenden Ergebnisse mitteilen, die für die Wissenschaftler mehr als nur eine einfacher Fund sind. „Das ist erste Sahne", sagt Martin Sander im Gespräch mit der NW. Bei dem Skelett handle es sich nämlich um das bislang einzige aus der Trias-Zeit. Das bedeutet, dass es der älteste je gefundene Plesiosaurier sei. „Seit 300 Jahren werden diese Fossilien gefunden", berichtet Sander. Aber noch kein so altes. Die in Bonenburg entdeckte Art erhielt dann auch gleich einen eigenen Namen: Rhaeticosaurus mertensi. Fund bestätigt Theorien Mit dem Bonenburger Fund könne man einige Theorien, die schon länger existieren, endlich bestätigen, so Sander. Plesiosaurier haben demnach nicht nur in der Jura- und Kreidezeit existiert, sondern schon vorher. Diese Erkenntnis sei sehr wichtig für das allgemeine Verständnis der Erdgeschichte, erklärt der Paläontologe. Die verschiedene Perioden dieser Geschichte seien immer wieder vom Aussterben bestimmter Gruppen von Lebewesen gekennzeichnet gewesen. Mit dem Fund könne man nun eine Menge neuer Erkenntnisse gewinnen. Am Ende der Trias-Zeit kam es zu einem weltweiten Aussterben. Ein sehr großer Teil von Arten und Gattungen von Lebewesen starb durch dieses Ereignis aus. „Es ist nicht genau klar, wie das war", sagt Martin Sander. Durch die Untersuchung des Bonenburger Plesiosaurier sei aber nun klar, dass diese Art erstens schon viel früher existierte als angenommen und zweitens nicht vom großen Aussterben betroffen war. Sie überlebte. Wo und ab wann das Fossil für die Öffentlichkeit zu sehen sein wird, steht noch nicht fest.

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