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Schüler informieren sich: Johannes Krumpipe (vorne), Schulsprecher am Gymnasium Marianum, moderierte zusammen mit Politiklehrer Eckhard Frenzel (v. l.) die Podiumsdiskussion mit Robin Wagener (Bündnis 90/Die Grünen), den Schulleitern Susanne Krekeler und Frank Scholle, Petra Rode-Bosse (SPD), Lothar Kowelek (Die Linke), Christian Haase (CDU), Hermann Graf von Schulenburg (FDP) und Norbert Senges (AFD). Alle freuten sich über die rege Beteiligung der Schüler. - © Jemima Wittig
Schüler informieren sich: Johannes Krumpipe (vorne), Schulsprecher am Gymnasium Marianum, moderierte zusammen mit Politiklehrer Eckhard Frenzel (v. l.) die Podiumsdiskussion mit Robin Wagener (Bündnis 90/Die Grünen), den Schulleitern Susanne Krekeler und Frank Scholle, Petra Rode-Bosse (SPD), Lothar Kowelek (Die Linke), Christian Haase (CDU), Hermann Graf von Schulenburg (FDP) und Norbert Senges (AFD). Alle freuten sich über die rege Beteiligung der Schüler. | © Jemima Wittig

Warburg "Wer nicht wählen geht, darf auch nicht schimpfen"

Jemima Wittig
06.09.2017 | Stand 06.09.2017, 21:31 Uhr

Warburg. "Ich hoffe, dass die Parteien sich und kurz und allgemein verständlich auch ihr Programm vorstellen", sagte Marie Kemper vom Gymnasium Marianum. "Besonders sollten dabei Themen, die die Schulen betreffen, thematisiert werden", hoffte auch Hanna Sievers vom Hüffertgymnasium. 620 Schülerinnen und Schüler der beiden Warburger Gymnasien diskutierten am Mittwochvormittag in der Aula des Pädagogischen Zentrums (PZ) mit den sechs Direktkandidaten der kommenden Bundestagswahl aus dem Wahlkreis Höxter-Lippe II, Christian Haase (CDU), Petra Rode-Bosse (SPD), Robin Wagener (Bündnis 90/Die Grünen), Lothar Kowelek (Die Linke), Hermann Graf von Schulenburg (FDP) und Norbert Senges (AFD).

"Dieses Podium vor Landtags- und Bundestagswahlen hat in Warburg inzwischen Tradition", sagte Eckhard Frenzel, der die Veranstaltung als Politiklehrer am Marianum mitorganisiert hatte. Mit Unterbrechungen werde die Diskussionsrund seit 20 Jahren veranstaltet. In der Organisation wechseln sich die Schulen jeweils ab.

"Schüler müssen wissen, welche Parteien sie wählen können und welche Ansichten diese vertreten", sagte der Schulleiter des Marianum, Frank Scholle. "Es hilft bei der Entscheidung, wenn man die Menschen von den Plakaten persönlich kennt. Hier darf nicht nur der Wahlomat im Internet die Entscheidung beeinflussen." Die Podiumsdiskussion solle den Schülern vermitteln, "dass es wichtig ist, wählen zu gehen, dass es um etwas geht, nicht zuletzt um wichtige Zukunftsthemen", bestätigte Hüffert-Direktorin Susanne Krekeler.

Bei der Diskussion bewiesen die Schüler, dass ihnen durchaus bewusst ist, dass die Politik einen Einfluss auf ihre Zukunft hat. Da viele von ihnen noch nicht volljährig sind, wurde zum Auftakt gefragt, wie die einzelnen Parteien denn zur Herabsetzung des Wahlalters stehen. Die Vertreter von CDU, FDP und AFD sprachen sich gegen eine Herabsetzung aus. Der Christdemokrat und der Liberale standen aber einer zukünftigen Diskussion des Themas offen gegenüber, da nach Graf von Schulenburg ein "Gleichgewicht zwischen Verantwortung und Rechten" geschaffen werden müsse. Grünenkandidat Wagener sprach sich sogar dafür aus, das Alter noch weiter herunter zu setzten: "Jugendliche sind ab 13 Jahren religionsmündig. Wenn sie sich für eine Religion entscheiden können, sollten sie auch politisch ein Mitspracherecht haben".

Schon in Richtung Rente blickten die Schüler mit der Frage, ob man die Familienpolitik nicht so anpassen könne, dass es sich lohnen würde, Kinder zu bekommen, wodurch dann auch ihre Rente gesichert sei. Die CDU wolle dafür bis 2025 die Vollbeschäftigung schaffen und das Kindergeld erhöhen, antwortete Haase. Auch die SPD und die Linke wollen das Kindergeld anheben. "Auf 328 Euro", so Kowelek. Während sich Graf von Schulenburg für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie aussprach, vertrat Senges die Ansicht, dass Kinder nicht den ganzen Tag in einer Kita betreut werden dürften, die Erziehung müsse "in erster Linie Elternarbeit" sein.

Bildungspolitik sei, so die Meinung aller Parteivertreter, ein Weg, um der in der Gesellschaft auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken. "Wenn wir nichts im Boden haben, müssen wir was in der Birne haben", fand Haase ein Bild. Er sah bereits einen Rück-gang des großen Unterschieds in Deutschland, da immer weniger Menschen arbeitslos seien. Wagener bezweifelte, dass mit zunehmender Digitalisierung eine langfristige Vollbeschäftigung möglich sei und sprach sich daher für ein Grundeinkommen aus. Kowelek forderte einen Mindestlohn von zwölf Euro.

Bei der Frage, ob nach den vielen Terroranschlägen in Europa eine flächendeckende Kameraüberwachung eingeführt werden solle, waren sich alle Parteivertreter einig: "Die Kameraüberwachung in London konnte die Anschläge nicht verhindern", sagte Kowelek. Dennoch räumten CDU und SPD ein, dass eine Überwachung an öffentlichen Plätzen bei der Strafverfolgung helfen könne. Zur Prävention von Straftaten forderte Rode-Bosse mehr Sicherheitskräfte, Senges appellierte an die Zivilcourage aller Bürger. Abschließend riefen alle sechs Kandidaten die Erstwähler dazu auf, ihr Recht, wählen zu gehen, in Anspruch zu nehmen.

Dass viele von ihnen am 24. September zwei Kreuzchen setzen werden, dessen war sich Johannes Krumpipe, Schulsprecher des Marianum, sicher. Er moderierte die Diskussion vom Podium aus und freute sich über die vielen Fragen seiner Mitschüler und den geregelten Ablauf. "Politik ist wichtig", sagte der 18-Jährige. "Wer nicht wählen geht, darf später auch nicht schimpfen."