Der Blick über die Dächer der Neustadt bis zum Desenber: Neue Forschungen zeigen, dass Städte das Potenzial besitzen, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 unterhalb derzeitiger nationaler Zielsetzungen zu senken. - © Dieter Scholz
Der Blick über die Dächer der Neustadt bis zum Desenber: Neue Forschungen zeigen, dass Städte das Potenzial besitzen, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 unterhalb derzeitiger nationaler Zielsetzungen zu senken. | © Dieter Scholz

Warburg Stadt will Energieverbräuche senken

Dieter Scholz
14.06.2017 | Stand 16.06.2017, 11:15 Uhr

Warburg. Vom Grundsatz her ist allen Fraktionen des Warburger Stadtrates der Klimaschutz ein wichtiges Anliegen. Der Klimawandel ist eine der großen Herausforderungen, der sich auch die Kommunen nicht entziehen können. Die Bundesregierung hat 2010, die Landesregierung in Düsseldorf 2015 entsprechende Ziele vorgegeben. Treibhausgas-Emissionen sollen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 reduziert werden, bis zur Jahrhundertmitte gar um bis zu 95 Prozent. Die Klimaschutzziele des Kreises Höxter orientieren sich an diesen Zahlen. Im Warburger Stadtrat wurde am Dienstagabend das Klimaschutzkonzept des Kreises und der Städte Warburg, Marienmünster und Nieheim vorgestellt. Das Büro Target aus Hameln macht in dem 141 Seiten starken Papier unter anderem Vorschläge für strategische Maßnahmen in den Bereichen private Haushalte, Wirtschaft und Mobilität. Die Eckdaten für Warburg: „Der Energiebedarf der Stadt lag im Jahr 2015 bei knapp 770 Gigawattstunden", hielt Target-Geschäftsführer Andreas Steege fest. Warburg sei mit diesem Wert die „energieintensivste" Stadt im Kreis. Dabei falle der größte Anteil mit 52 Prozent auf die Wärmeversorgung, 30 Prozent auf den Verkehr und 18 Prozent auf den Stromverbrauch. „Die Treibhausgasemissionen betrugen etwa 181.300 Tonnen CO2-Äquivalent", so Steege. Der Wert gibt an, wie viel eine bestimmte Menge eines Treibhausgases zum Treibhauseffekt, der Erwärmung der Erde, beiträgt. „Pro Einwohner entstand ein Wert von rund 7,7 Tonnen", rechnete Steege den Ratsmitgliedern vor, und liege damit über dem Wert des Kreises (7 Tonnen pro Einwohner). Anteilig fielen in der Stadt 54 Prozent auf die Wärmeversorgung, 42 Prozent auf Kraftstoffe und vier Prozent auf den Strom. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch habe 2015 bei 17 Prozent gelegen. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sei absolut betrachtet die höchste im Kreis und decke knapp 70 Prozent des Gesamtstromverbrauchs. So weit die Energie- und CO2-Bilanz, die nach dem Konzept fortgeschrieben werden soll. Im Konzept werden die Potenziale zur Minderung der Energieverbräuche und Treib-hausgasemissionen analysiert und 46 konkrete Handlungsansätze vorgeschlagen. Ein Bereich ist beispielsweise die Verkehrspolitik. Zum Thema klimafreundliche Verkehrsentwicklung hatten im Januar im Pädagogischen Zentrum rund 50 Vertreter der drei Städte sowie des Kreises in einem Workshop diskutiert. Der Stadtrat stimmte dem vorgelegten integrierten Klimaschutzkonzept für den Kreis Höxter und die Städte Marienmünster, Nieheim und Warburg zu. Nur die Sozialdemokraten enthielten sich „schweren Herzens", so Fraktionssprecher Christoph Dolle, der Stimme. Zwar sei das Konzept ein guter Leitfaden, den man als solchen auch zur Kenntnis nehme, aber es fehlten Bestimmungen zu „klaren Zuständigkeiten", bemängelte Dolle. Die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmenvorschläge und Handlungsansätze unterliege dem Vorbehalt zukünftiger konkreter Einzelbeschlüsse, so Bürgermeister Michael Stickeln. Die Verabschiedung eines kommunalen Klimaschutzkonzepts ermögliche es auch, entsprechende Fördergelder zu beantragen. „Wir sind in Warburg auf einem guten Weg", hielt Willi Vonde, Fraktionschef der CDU fest. Bei zukünftigen Entscheidungen werde man im Sinne des Klimaschutzes weiterdenken, „über den Tellerrand hinausschauen und die im Konzept aufgezeigten Richtlinien im Auge behalten". „Klimaschutz passiert bei uns vor der Haustür", betonte Hilla Zavelberg-Simon. Die Grünen-Vorsitzende wünschte sich bei der Umsetzung des Konzeptes eine aktivere Beteiligung der Bürger. Es sei ein offener Prozess, so Stickeln.

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