Man denkt am Marmor, aber der Altar ist aus Alabaster gefertigt: Erzbischof Franz-Josef Becker hält seine Festpredigt. Jugendhausleiter Stephan Schröder (l.), Diözesanjugendpfarrer, hört genau zu. Hinten rechts ist die Sakramentskapelle mit dem Tabernakel. - © Burkhard Battran
Man denkt am Marmor, aber der Altar ist aus Alabaster gefertigt: Erzbischof Franz-Josef Becker hält seine Festpredigt. Jugendhausleiter Stephan Schröder (l.), Diözesanjugendpfarrer, hört genau zu. Hinten rechts ist die Sakramentskapelle mit dem Tabernakel. | © Burkhard Battran

Hardehausen Erzbischof weiht neue Jugendkirche in Hardehausen

Landvolkshochschule und Jugendhaus: In einer Zeit, in der es vor allem um die Schließung von Kirchen geht, ist ein Neubau ein seltenes Phänomen, von dem bistumsweit Impulse ausgehen sollen

Burkhard Battran
06.02.2017 | Stand 06.02.2017, 16:17 Uhr

Mit einem feierlichen Festgottesdienst hat Erzbischof Hans-Josef Becker die neue Jugendkirche eröffnet. Rund 500 geladene Gäste und Gläubige haben an der Zeremonie teilgenommen. „Die Feier der Kirchweihe ist nur noch ein höchst seltener Anlass, umso größer ist meine Freude, heute hier in Hardehausen sein zu können", sagte Erzbischof Becker. Als Konzelebrant wirkte unter anderem auch der langjährige ehemalige Landvolkshochschuldirektor Monsignore Konrad Schmidt (74) mit. Am Wochenende fand im Jugendhaus auch ein „Young Mission Weekend" mit rund 200 Jugendlichen aus dem gesamten Erzbistum statt. Sie waren in die Vorbereitungen des Festgottesdienstes eingebunden worden und durften ihn musikalisch und mit einigen Aktionen mitgestalten. Von der neuen Kirche zeigten sich am Sonntag die Jugendlichen begeistert. „Das ist alles so schlicht und trotzdem wahnsinnig erhaben", sagte Teilnehmer Lukas Zielinski (19). „Kirchen sind sonst immer Prunkbauten, hier ist das anders, hier fühlt man sich sofort geborgen", sagte Teilnehmerin Lea Klein (18). »Hier ist das anders, hier fühlt man sich sofort geborgen« An der neuen Jugendkirche ist tatsächlich vieles anders. Der Grundriss entspricht zwar noch immer der 1966 von den Architekten Bernhard Kösters und Herbert Balke konzipierten Zeltkirche. So ist auch das „Zeltdach" geblieben, aber es wurden mehrere Anbauten geschaffen. Weiter gibt es einen sogenannten Umgang. Man geht einmal um das mittige Kirchenschiff herum und wird dabei zu weiteren Räumen geführt. So gibt es einen Meditationsraum mit Sitzkissen. Der Raum ist höher, als er breit ist, denn er befindet sich in einem zehn Meter hohen Turmbau. Als nächstes gelangt man zu einer Sakramentskapelle, in der sich nichts befindet außer einer umlaufenden Sitzbank und dem in eine kreisförmige Ansammlung aus goldenen Stäben eingesetzten Tabernakel. Die Prinzipalien, also die sakrale Möblierung, hat das Sakralkunst-Ehepaar Susanna und Bernhard Lutzenberger aus Bad Wörishofen gestaltet. Neben dem Tabernakel sind das vor allem der Altar und der Ambo, an dem die Heilige Schrift verlesen wird. Man denkt direkt an Marmor, aber es fühlt sich anders an. „Sie sind aus Alabaster, ein warmes Material, das durch seine Oberfläche zum Berühren einlädt", haben die Künstler dazu erklärt. Das Material stammt aus einem Steinbruch bei Volterra in der italienischen Toskana. Die Ost- und Westseiten der Kirche haben große bodentiefe Glasfassaden erhalten. Im Osten sieht man auf den Vorplatz mit der kleinen Michaelskapelle. Im Westen blickt man auf eine hohe weiße Mauer, die sich wenige Meter hinter der Fensterfront erhebt. Dieser Teil ist noch nicht fertig. Zwischen Mauer und Kirche soll ein umschlossener „Schöpfungsgarten" entstehen, in dem die Jahreszeiten komprimiert spürbar werden sollen. »Ein Ort, an dem junge Christen sich stärken können« „Wir haben mit dieser Kirche einen mystagogischen Ansatz verwirklicht, bei dem es darum geht, sich mit verschiedenen Erzählorten eine Kirche der schrittweisen Annäherung zu schaffen", erläuterte der Hardehausener Jugendhausdirektor und Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder. Entwickelt wurde das Konzept im Dezember 2010 bei einem Symposium in Hardehausen. Der Münsteraner Architekturprofessor Johannes Schilling und der Paderborner Theologieprofessor Hans Hobelsberger haben dann die konkreten Planungen für Hardehausen entwickelt. Im November waren die Bauarbeiten gestartet worden. Die Bauphase hat knapp zwei Monate länger gedauert als zunächst geplant. Ursprünglich sollte die neue Kirche am dritten Advent konsekriert, also offiziell geweiht werden. Die Kosten für den Um- und Neubau haben drei Millionen Euro betragen. Das Jugendhaus Hardehausen und die Landvolkshochschule Anton Heinen teilen sich als Bildungshäuser des Erzbistums Paderborn nicht nur die ehemalige Klosteranlage in Hardehausen als gemeinsames Zuhause. Auch die Kirche wird von beiden Häusern genutzt. Entsprechend groß ist auch die Zahl der Kirchenbesucher. Rein rechnerisch hat die Kirchengemeinde von Hardehausen einen riesigen Einzugsbereich. 17.000 Besucher kommen von überall her jedes Jahr ins erzbischöfliche Jugendhaus und 10.000 erwachsene Kursteilnehmer besuchen die Angebote der Landvolkshochschule. Hinzu kommen viele Besucher aus der Region, die den besonderen Geist der ehemaligen Klosteranlage lieben und gern am dortigen Sonntagsgottesdienst teilnehmen. Erzbischof Hans-Josef Becker: „Ich wünsche mir von Herzen, dass diese Kirche für unser ganzes Erzbistum ein Ort wird, an dem besonders die jungen Christen sich stärken können, damit das Licht der frohen Botschaft auch in unserer Heimat immer lebendig und kraftvoll leuchtet".

realisiert durch evolver group