Medizinische Versorgung: Schwester Hatune misst bei ihrem Besuch in Indien einer Frau den Blutdruck. - © privat
Medizinische Versorgung: Schwester Hatune misst bei ihrem Besuch in Indien einer Frau den Blutdruck. | © privat

Rimbeck Schwester Hatune über Projekte ihrer Stiftung in Indien

Hilfe für die Ärmsten der Armen: Zurück aus Indien, auf dem Weg nach Äthiopien – für Schwester Hatune Dogan aus Rimbeck bleibt wenig Zeit, sich von den Reisestrapazen zu erholen

Seit vielen Jahren reist die syrisch-orthodoxe Schwester Hatune Dogan in Krisenländer, um dort verfolgten Christen zu helfen. In ihrem Blickfeld sind besonders Kinder und Frauen, denen sie neue Lebensperspektiven bietet. Jetzt kehrte die Ordensfrau aus Indien zurück in ihr offenes Haus an der Elisabethstraße in Rimbeck. Im Alter von 18 Jahren begann Hatune Dogan mit Hilfsprojekten. Seitdem hat sie einige Ausbildungen absolviert, in Theologie, Psychologie und Pädagogik, die ihr in ihrer täglichen Arbeit sehr hilfreich sind. „Gerade die Psychologie hilft mir, mit den Belastungen fertig zu werden", sagt Schwester Hatune. Ihre Stiftung setzt Hilfsprojekte vor Ort mit lokalen, selbstständigen Untergruppen und Partnervereinen um. Ehrenamtliche Mitarbeiter bringen die Güter zu den Notleidenden, über den korrekten Einsatz der Mittel informiert sich Schwester Hatune stets selbst. Jetzt besuchte sie die von ihr angestoßenen Projekte in Indien. „Bei uns ist gewährleistet, dass der allergrößte Teil der Spenden die Bedürftigen auch erreicht, die Verwaltungskosten der Stiftung sind sehr niedrig", betont Schwester Hatune. Sie hat das Projekt in Südindien „Tur Abdin Village" genannt, nach ihrer Heimat Zaz in der Region Tur-Abdin im Südosten der Türkei. Von dort musste sie als junges Kind mit ihrer Familie fliehen. Die Arbeit für Notleidende in Indien hat sie seit ihrem ersten Besuch im Jahr 1992 immer weiter entwickelt – seither ist viel passiert. Die Aktivitäten in Tur Abdin Village, dem Zentrum der Stiftung in Südwestindien, nehmen an Fahrt auf: Derzeit gibt es eine Nähschule für junge Frauen, eine Tagesschule für Kinder mit Down-Syndrom sowie ein Auditorium für Vorträge und Versammlungen. Alles in einem Gebäude. Ein Umzug steht bevor, weil dieses Gebäude seinem eigentlichen Zweck zugeführt wird. Dort soll in Kürze eine Klinik ihren Betrieb aufnehmen, derzeit läuft die medizinische Versorgung über medizinische Camps. »Wir mussten die Bauarbeiter nach Hause schicken« Auf dem Gelände sind weitere neue Bauvorhaben bereits sichtbar: ein Waisenhaus für 200 Kinder. Noch stehen nur die Steinstützen. „Wir mussten die Bauarbeiter nach Hause schicken, weil Geld fehlte, aber mit der Unterstützung unserer Spender geht es bald weiter", ist Hatune Dogan voller Vertrauen. Vor einigen Wochen wurde zudem der Grundstein für zwei Altersheime für Menschen mit mentalen Störungen gelegt, für 150 Männer und 100 Frauen. „Diese Menschen werden in Indien förmlich ausgegrenzt, viele alte Menschen mit Behinderungen fristen ein Leben auf Müllhalden", weiß die Ordensfrau. Und noch mehr steht in Planung: ein Gymnasium, das etwa 400 Kindern eine Schulbildung bis zur zwölften Klasse gewährt. „Das ist bislang nur den Kindern der Reichen möglich, die sich das Schulgeld leisten können. Wir wollen den jungen Menschen über die Bildung neue Wege aufzeigen", so die Sprecherin der Stiftung, die auf weitere Gelder, Medikamente und Nahrungsmittel angewiesen ist. Die Stiftung betreibt Projekte an 52 Stellen im Bundesstaat Kerala, mit Hilfe von Ortsverbänden und lokalen Vereinen. Tur Abdin Village befindet sich als einziges Projekt im Eigentum der Stiftung, auf einer Gesamtfläche von rund 65.000 Quadratmetern sollen zukünftig bis zu 2.000 Menschen leben. Vom indischen Zentrum der Stiftung in Kerala gehen viele Impulse aus, wichtig ist es Schwester Hatune, den vielen jungen Menschen Zugang zu Schulen und eine Ausbildung zu ermöglichen. Die Stiftung bezahlt für diese Kinder alle Schulgebühren Deshalb fördert ihr Programm auch die Ausbildung von Kindern, die sich eine Schulbildung nicht leisten können. Die Stiftung bezahlt für diese Kinder alle Schulgebühren sowie das Gehalt der Lehrer, die Schulkleidung, das Unterrichtsmaterial und die Lebensmittel, wenn es nötig ist. Die Zielgruppen sind obdachlose und verstoßene Kinder, Waisenkinder und auch Kinder aus der Kaste der Unberührbaren. Zurzeit werden gut 800 Kinder darin unterstützt, regelmäßig eine Schule besuchen zu können. Auch die berufliche Ausbildung ist der Schwester wichtig: An 23 Instituten werden mit Hilfe der indischen Regierung und den Hochschulen der Regionen junge Menschen in den Bereichen Nähen, Stickerei, Elektrotechnik und Computer ausgebildet. In jeder der 23 Berufsschulen machen jeweils rund 100 junge Frauen und Männer ihren Berufsabschluss, jedes Jahr. Die Ausbildung dauert sechs Monate und wird von der indischen Regierung anerkannt. „Dieses Programm ist sehr erfolgreich. In einigen Regionen sind die Berufsschulen bereits umgezogen, weil es nicht mehr genug Bedürftige gab", zeigt sich Schwester Hatune von der Resonanz begeistert. Stolz nahmen junge Näherinnen ihr Zertifikat entgegen Die Absolventen haben gute Berufsperspektiven. „Die jungen Menschen bekommen auch eine Lebensbildung, zum Beispiel in Sachen Hygiene", sagt Hatune. „Bei meiner letzten Reise habe ich eine ausgebildete Näherin getroffen, die jetzt an einer Tankstelle arbeitet und sich einen Zuverdienst als Näherin sichert", freut sich die Schwester über die kleinen Erfolge der Bildungsinitiative. Stolz nahmen bei Schwester Hatunes Besuch auch die jungen Näherinnen ihr Zertifikat entgegen und freuten sich über die motivierenden Worte der Ordensfrau aus Deutschland. Auch die Gesundheitsvorsorge wird von der Hatune-Stiftung in Indien unterstützt. Derzeit versorgt die Hatune Foundation in Indien 18.000 Patienten. „Wir betreiben zwei Dutzend Gesundheitszentren, wo arme Menschen medizinische Untersuchungen, Behandlungen und Medikamente umsonst bekommen. Dauerhafte Behandlungen sind ebenfalls kostenfrei. Viele Ärzte aus den umliegenden Kliniken bieten ihre Hilfe kostenlos an, auch Ärzte aus Europa arbeiten für uns", sagt Schwester Hatune, die bei ihrem Besuch selbst Zuckertests vornahm und bei annähernd 300 Patienten den Blutdruck maß. Den Armen ein Zuhause zu geben, das ist weiteres Ziel der Stiftung. In Indien werden von der Stiftung jährlich etwa 500 einfache Häuser errichtet. Der Bau eines Hauses kostet die Stiftung etwa 500 Euro, der restliche Betrag von etwa 1.350 Euro wird durch den Staat, regionale Institutionen und private Gönner aufgestockt. „An jedem Haus ist ein Schild mit dem jeweiligen Sponsor angebracht", erklärt Schwester Hatune. Bei ihrem Besuch suchte sie einige der neuen Hausbesitzer persönlich auf. „Die Menschen sind so glücklich, dass sie jetzt ein solides Haus ausgestattet mit Elektrizität, einer Küche mit Gasherd und Trinkwasserversorgung durch einen nahe gelegenen Brunnen haben", sagt Hatune Dogan. Ziel der Stiftung sei es, Wohnsiedlungen zu errichten. Solche Kolonien bestehen aus 50 bis 100 Häusern und werden durch Schulbauten und medizinische Einrichtungen vervollständigt. Die Hatune Foundation hat seit 2005 bereits 4.700 Häuser gebaut. „Noch immer gibt es 80 Millionen Obdachlose in Indien", informiert die Stiftung auf ihrer Homepage im Internet.

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