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Warburger Nahrungsmittelwerke - © Kesting
Warburger Nahrungsmittelwerke | © Kesting

Warburg Nahrungsmittelwerke im Fokus

Rudolf Wegener erinnert an erfolgreiche Zeiten der Warburger Gemüsekonserven. NW-Redakteur Hartmut Kleimann stellt im Museum im Stern seine fotografischen Impressionen aus

Hermann Ludwig
19.08.2016 | Stand 18.08.2016, 18:46 Uhr

Warburg. "Konserviert" - Fotografische Impressionen von Hartmut Kleimann, diese Ausstellung wird vom 28. August bis 16. Oktober im Museum im Stern gezeigt. Hartmut Kleimann, Redakteur der Neuen Westfälischen, ist mit seiner Kamera auf dem Gelände der ehemaligen Nahrungsmittelwerke unterwegs gewesen. Das Museum stellt eine Auswahl seiner Impressionen aus. Danach folgt vom 11. September bis 23. Oktober eine Ausstellung mit Fotos aus der Landwirtschaftsgeschichte im Warburger Land. Die Ausstellung Hartmut Kleimanns, in der auch Schautafeln zur Geschichte der Nahrungsmittelwerke präsentiert werden, läuft parallel weiter. Die Warburger Nahrungsmittelwerke Kurt Hollbach KG haben eine bewegte Geschichte zu verzeichnen, wie der langjährige Prokurist Rudolf Wegener zu berichten weiß. Wegener hatte maßgeblichen Anteil an der positiven Entwicklung des Unternehmens, das zu Spitzenzeiten in der Saison ein Personal von bis zu 100 Stammkräften und zahlreiche Hilfskräfte beschäftigte. Darunter waren auch viele Gastarbeiter aus Spanien, von denen einige in Warburg heimisch wurden. 1962 wurden erstmals Arbeitskräfte für die Hauptsaison in Spanien angeworben. Sie kamen dann alljährlich zur Erntezeit nach Warburg, 1966 waren es bereits 170, die zumeist aus der Region Murcia kamen. Die Geschichte der Nahrungsmittelwerke begann 1947, zunächst war in der Nachkriegszeit an die Herstellung von Fertigsuppen und Soßen gedacht worden. Zwei Jahre später wurden in den Betriebsgebäuden am Oberen Hilgenstock Obst und Gemüsekonserven produziert, die Rohwaren wurden zunächst aus Süddeutschland angeliefert. Später wurden in der Warburger Börde und im angrenzenden Hessen Erbsen, grüne Bohnen, Dicke Bohnen und Kolhlrabe angebaut. 1985 lag der Jahresumsatz bei ca. 30 Millionen DM, die Nahrungsmittelwerke waren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, nicht nur als Abnehmer für die landwirtschaftlichen Produkte aus der Region. "45 Prozent des Umsatzes wurden für Einkäufe, Dienstleistungen und Abgaben im engeren Raum ausgegeben und trugen nicht unwesentlich zur Stärkung der Wirtschaftskraft der Region bei", resümiert Rudolf Wegener, der dann miterleben musste, wie der Trend zur Tiefkühlkost, den das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nicht mitgehen konnte, zum schleichenden Aus für die Firma führte. 1990 wurde das Warburger Werk von der Conserve Italia (Valfrutta), einem der größten europäischen Landwirtschafts- und Lebensmittelunternehmen übernommen, drei Jahre später endete die Produktion. Das Werk in Warburg entwickelte sich zum Lagerbetrieb, die Firmenzentrale für Deutschland zog nach Frankfurt um. Das italienische Unternehmen steuert heute acht Vertriebsgesellschaften. Auf dem Warburger Werksgelände werden Lagerhallen vermietet. Rudolf Wegener hat viel erlebt in seiner beruflichen Laufbahn, auch politisch hat er sich für seine Heimatstadt Warburg engagiert. Stolz ist er auf seinen Beitrag, dass der ursprünglich am Postgelände in der Kasseler Straße oder an der ehemaligen Landwirtschaftsschule geplante Funkturm später im Bereich Oberer Hilgenstock gebaut wurde. "Dort konnten enorme Kosten gespart werden, weil der Turm wegen der Höhenlage weit weniger hoch gebaut werden musste", erinnert sich Wegener. Zudem hatte sich Wegener für den Bau der Verbindungsgasse zwischen dem Parkplatz Bornebrede und der Innenstadt starkgemacht. 48 Jahre lang hatte der 82-Jährige für die Warburger Nahrungsmittelwerke gearbeitet, dabei machte er eine Karriere vom kaufmännischen Lehrling zum Prokuristen. Am 2. Mai 1949 wurde Wegener im Alter von 14 Jahren im ersten Produktionsjahr als erster kaufmännischer Lehrling der Warburger Nahrungsmittelwerke eingestellt. Durch stetige Weiterbildungen und den Einsatz für das Unternehmen berief ihn die Geschäftsführung 1969 zum Prokuristen und Mitglied der Geschäftsführung. Die schwierigsten und belastendsten Jahre waren die Jahre von 1989 bis 1995, in denen nach dem Niedergang der coop AG, dem vorletzten Hauptgesellschafter das Aus drohte. Nach intensiven Bemühungen wurde mit Valfrutta ein neuer Gesellschafter gefunden. "Da herrschte eine große Euphorie unter den Mitarbeitern, zumal die Geschäfte anfangs durch die Wiedervereinigung gut liefen, aber dann folgte schnell die Ernüchterung", erklärt Rudolf Wegener, der italienisch lernte, um mit dem neuen Partner besser zusammen arbeiten zu können. "Es folgte eine Änderung der Verzehrgewohnheiten zu Lasten der deutschen Gemüsekonserve", erinnert sich Wegener mit Bedauern. "Der Absatz war plötzlich wie abgeschnitten", so Wegener, der auch die starke Konkurrenz der Betriebe aus Frankreich und Belgien für den Absatzrückgang anführte.

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