Ruhig bleiben: Imker Uwe Lohe klopft mit der Faust einige Bienen ab. Dafür schützt er sein Gesicht mit einem Netz. Auch Handschuhe liegen parat. Wo genau sich die grünen Kisten befinden, verrät der Warburger nicht. Aus Angst vor Diebstahl. - © Ingo Kalishek
Ruhig bleiben: Imker Uwe Lohe klopft mit der Faust einige Bienen ab. Dafür schützt er sein Gesicht mit einem Netz. Auch Handschuhe liegen parat. Wo genau sich die grünen Kisten befinden, verrät der Warburger nicht. Aus Angst vor Diebstahl. | © Ingo Kalishek

Warburg Weniger Honig für die Imker

Magere Bilanz: Bienen haben in diesem Jahr rund 30 Prozent weniger Honig produziert. Ein Esslöffel am Tag beugt Erkältungen vor, sagt Experte Uwe Lohe

Ingo Kalischek
16.07.2016 | Stand 19.07.2016, 12:09 Uhr

Warburg. Mit 52 Jahren probiert Uwe Lohe etwas Neues: Er möchte Berufsimker werden und mit seinem Hobby Geld verdienen. Das ist gar nicht so leicht. Aktuell besitzt der Warburger 50 Bienenvölker. Damit er davon leben kann, sollen noch mindestens 80 hinzukommen. Doch dann müssten auch die Bienen mitspielen. In diesem Jahr produzierten sie nur wenig Honig. Das hat Konsequenzen. "Der Honig wird teurer", sagt Uwe Lohe. Wie viel genau? Das mag er nicht vorhersagen. Aktuell koste ein Glas Honig durchschnittlich 5,70 Euro. "Im Jahr 2010 waren es noch 4 Euro", erinnert sich Lohe. Schuld an der Preiserhöhung sei das Wetter. Der Frühling war kalt, besonders der Februar, geregnet hat es viel, und auch die starken Hagelschauer taten den Bienen überhaupt nicht gut. Dann bleiben sie nämlich lieber im Stock, statt in der Natur nach Pollen zu suchen. Rund 60.000 von ihnen bilden ein Bienenvolk. "Diesmal waren sie in der Entwicklung noch etwas zurück", sagt Lohe. Ein Volk wirft pro Jahr rund 20 bis 65 Kilogramm Honig ab. "In diesem Jahr sind es deutschlandweit bislang nur 15 Kilogramm", schätzt Lohe. Dabei gebe es jedoch regionale Unterschiede. "An der See war es ganz schlecht. In Warburg liegen wir leicht über dem Schnitt." Die Saison endet meist Mitte Juli - Zeit für die Imker, eine erste Bilanz zu ziehen. Lohe rechnet mit knapp 20 Kilogramm Honig pro Volk. Das bringt ihm 90 Euro ein. Sonst seien es bis zu 110 Euro. Insgesamt sei die Ernte 30 Prozent geringer als im vergangenen Jahr ausgefallen. Für einen Kilogramm Honig muss eine Biene 100.000 Mal ausfliegen, 150 Millionen Blüten anfliegen und 100.000 Kilometer zurücklegen. Das ist in etwa so viel wie der 2,5 fache Erdumfang. Um solche Kraftakte bewältigen zu können, benötigen die Bienen ein entsprechendes Umfeld: Blumen, Stauden, Sträucher, Wiesen. Zum Beispiel Schneeglöckchen, Brombeeren und Sonnenblumen. "Auch Wasser ist wichtig", sagt Lohe. Die ländliche Umgebung rund um Warburg sei entsprechend gut geeignet. Aber auch Städte könnten für Bienen ein tolles Umfeld darstellen. "Dort bedienen sie sich an den Blumen und den Teichen in den Vorgärten." Für den Winter benötigt ein Bienenvolk mindestens 20 Kilogramm Honig als Reserve, um überleben zu können. Imker helfen oft mit Zuckerwasser nach. "Ich gebe ihnen Futter auf der Basis von Saccharose. Das kommt aus der Zuckerfabrik", sagt Uwe Lohe. Jedes einzelne seiner 50 Bienenvölker besucht der Warburger einmal in der Woche. Dafür nimmt er Strecken bis nach Bad Driburg in Kauf. Auf der Rückbank im Auto liege stets ein weißer Netzschutz. Den zieht er sich über den Kopf, wenn die Bienen mal nicht so gut gelaunt sind. Ein anstehender Wetterumschwung, wenig Futter und hektische Menschen - mit viel Parfüm - könnten die Auslöser für einen Stich sein. "Bienen sind wie Hunde. Sie merken schnell, wenn jemand aufgeregt ist", sagt Lohe. Sein schmerzhaftester Stich sei im Bereich des Augenlieds gewesen. "Erst ist es dick geworden und dann sogar bis zum Hals angeschwollen. Danach musste ich erst mal drei Tage pausieren", erinnert sich Lohe lachend. Mittlerweile würden seine Stiche schneller verheilen. Wo genau sich seine Völker aufhalten, will der 52-Jährige nicht verraten. Aus gutem Grund: "Es gibt tatsächlich Menschen, die Bienenvölker klauen", sagt Lohe. Das sei in Warburg zuletzt verstärkt im Jahr 2014 der Fall gewesen. "Ein Volk bringt rund 160 Euro ein", sagt der Imker. Ab 2008 baute er sein Hobby Stück für Stück aus. Noch bezeichnet sich Lohe als Nebenerwerbsimker. Doch schon bald soll aus seiner Leidenschaft ein richtiger "Vollzeitjob" werden.

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