Gut gelaunt: Braumeister Peter Schießl (v. l.) und die beiden Geschäftsführer Franz-Axel Kohlschein und Michael Kohlschein präsentieren das Editionsbier "Roter Bock", das am kommenden Montag in den Handel kommt. "Ein Bockbier mit geschmacklicher Tiefe und einem warmen, erdigen Aroma", so die Warburger Bierexperten. - © Dieter Scholz
Gut gelaunt: Braumeister Peter Schießl (v. l.) und die beiden Geschäftsführer Franz-Axel Kohlschein und Michael Kohlschein präsentieren das Editionsbier "Roter Bock", das am kommenden Montag in den Handel kommt. "Ein Bockbier mit geschmacklicher Tiefe und einem warmen, erdigen Aroma", so die Warburger Bierexperten. | © Dieter Scholz

Warburg Warburger Brauerei zapft neue Biersorte an

Spaß am Handwerk bei Kohlschein-Brauern führt zum "Roten Bock"

Warburg. Vom Geschmack haben sich die Freunde des Braumeisters bereits beim Fußballspiel der Dortmunder Borussen gegen Liverpool überzeugt. Peter Schießl hatte die neue Spezialität aus der Warburger Brauerei zur TV-Übertragung kredenzt. "Ein Editionsbier", sagen die Brauerei-Chefs Michael und Franz-Axel Kohlschein. Der "Rote Bock" werde ab Montag in den Regalen des Handels stehen. Doch im 500. Jahr des Deutschen Reinheitsgebotes kündigen die Bierbrauer weitere Neuerrungen an. Insgesamt sollen in der Kuhlemühle 500.000 Euro investiert werden. Unter anderem auch, um ein alkoholfreies Weizen auf den Markt zu bringen. Mit einem Alkoholgehalt von 6,8 Prozent und einer Stammwürze von 16,8 Prozent ist der "Rote Bock" weit davon entfernt. "Ein Bockbier, das unsere Handwerkskunst betont", sagt Michael Kohlschein. Modebiere gebe es aktuell viele. Dagegen setzen die Kohlscheins ihre Interpretation eines deutschen Traditionsbieres. Neben hellen und braunen Bieren, sei das rote in Vergessenheit geraten, merkt Kohlschein an. Während heute das Label "Craft Beer" (für handwerklich gebrautes Bier) in aller Munde sei, "sind unsere Biere alle handgemacht", darauf ist Michael Kohlschein stolz. Handwerk, Qualitätsbewusstsein, regionale Rohstoffe und Nachhaltigkeit sind die Stichworte, die beide Geschäftsführer gerne als Firmenphilosophie nennen. Fünf verschiedene Malzsorten werden in den Sudkesseln der Warburger Brauerei verarbeitet. Dunkle Braumalze schaffen die Grundlage für die neue Bierspezialität. "Dazu ein Hauch von Rauch", sagt Braumeister Peter Schießl. Dafür sorge Bamberger Buchenholz Gerstenrauchmalz. "Eine moussierende Feinperligkeit" bescheinigt Franz-Axel Kohlschein den gut 13.000 Litern des kreierten Bockbiers. Der "Rote Bock" zeige, wie kreativ man mit den vorhandenen Rohstoffen innerhalb des Reinheitsgebotes umgehen könne. Über 24 Stunden im Sudhaus gesiedet: "Ein Ausweis unserer handwerklichen Kunst", betont Michael Kohlschein das vorgegebene Ziel. Der Brauprozess ist aufwendig: Weil das Produkt nicht Standard sei, werde es vorerst keine zweite Auflage geben. Bisher nur untergärige Biere "Ein erstes kleines Ausrufezeichen im Handel", bemerkt Cousin Franz-Axel und kündigt ein alkoholfreies Weizen an. Dafür werde die Brauerei einen weiteren Gärkeller schaffen. Bisher produzierte das Unternehmen nur untergärige Biere. Weizen gehört dagegen zu den obergärigen Sorten. In die dafür notwendige Erweiterung investiert die Brauerei rund 400.000 Euro. Das Beton-Fundament der geplanten Stahl-Glas-Konstruktion ist bereits gegossen, Baubeginn wird Mitte Juni sein. Nach Fertigstellung des Anbaus auf dem Werksgelände werden sich die Warburger Braumeister in die Karten schauen lassen. "Große Fensterflächen werden Transparenz schaffen", sagt Michael Kohlschein, und den Blick in den Gärkeller öffnen. Das Geschäft wachse seit Jahren moderat, man spüre, dass die Verwurzlung in der Region von den Kunden angenommen werde. Da der Markt aber äußerst schnelllebig sei, setzen die Geschäftsführer und ihre 17 Mitarbeiter auf das alkoholfreie Weizen, das auf dem deutschen Biermarkt einen Anteil von gut sechs Prozent ausmache. Ein Segment, das stark wachse. "Wer stehen bleibt, verliert", sagt Michael Kohlschein. Die Warburger Brauerei mit einem Jahresausstoß von 20.000 Hektolitern (40 Prozent Pils, jeweils 10 Prozent Urtyp, Helles und Landbier sowie zu je 5 Prozent Export und Radler) sei die letzte noch privat geführte Familienbrauerei im Kreis Höxter. Allerdings soll das Weizen erst in den Handel kommen, "wenn?s auch richtig gut ist", fügt Braumeister Schießl an. Bis dahin werden weitere 100.000 Euro für eine Durchleuchtungsanlage "nach neuster Technik", so die Geschäftsführer, im Flaschenkeller investiert. "Alles in allem schon ein Statement", kommentiert Franz-Axel Kohlschein.

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