Blick auf das Trockenlager: Die Warburger Zuckerfabrik produziert neben Kristallzucker auch Braunen Zucker und Brillant Decor-Zucker. Warburg produziert außerdem als einziges Südzucker-Werk in Deutschland vor der eigentlichen Kampagne Biozucker. - © Stefan Boes
Blick auf das Trockenlager: Die Warburger Zuckerfabrik produziert neben Kristallzucker auch Braunen Zucker und Brillant Decor-Zucker. Warburg produziert außerdem als einziges Südzucker-Werk in Deutschland vor der eigentlichen Kampagne Biozucker. | © Stefan Boes

Warburg Die Zuckerfabrik geht in die neue Saison

Produktion: Die Süße aus der Börde

Stefan Boes

Warburg. Bereits nach ein paar Tagen wird aus der angelieferten Rübe fertiger Zucker. Werksleiter Stefan Mondel erläutert den Betrieb der Fabrik und berichtet über die aktuelle Kampagne. Die Warburger wissen es längst, seit der Kamin auf dem Betriebsgelände der Zuckerfabrik dampft: Die Kampagne läuft, also der Produktionsstart für die Zuckerproduzenten, der direkt nach der Rübenernte beginnt. Seit dem 5. Oktober kommen die Rüben. Mehr als 800 Landwirte, vorwiegend aus der Warburger Börde, der Soester Börde sowie Teilen Süd-Niedersachsens und Nordhessens liefern die süße Pflanze. "Wir brauchen einen halben Tag, bis nach der ersten Anlieferung die Produktion starten kann", sagt Stefan Mondel, Leiter des Südzucker-Werks in Warburg. Am 6. Oktober hat die Verarbeitung begonnen, Mitte Dezember soll die Kampagne abgeschlossen sein. In dieser Zeit ist die Fabrik rund um die Uhr in Betrieb. Kein Zuckerschlecken für die rund 50 Stammmitarbeiter und 40 Saisonkräfte, die jetzt für einen störungsfreien Produktionsablauf sorgen müssen. Fast im Minutentakt fahren die voll beladenen Lastwagen und Traktoren in der Zuckerfabrik vor. Montags bis samstags kommen mehrere Hundert Fahrzeuge täglich an. Das sind etwa 5.000 bis 6.000 Tonnen Zuckerrüben pro Tag, berichtet Stefan Mondel. Zwei Mitarbeiter wiegen die Fracht zunächst und nehmen Proben, um den Zuckergehalt und weitere wichtige Inhaltsstoffe zu prüfen. Danach werden die Wagen entladen, die Rüben gehen entweder ins Trockenlager oder direkt zur Verarbeitung. Auf dem Weg in die Fabrik schätzt ein fachkundiger Mitarbeiter die Menge an Ackererde und Unkraut, die den Rüben anhaftet. Der Preis, den die Landwirte erhalten, hängt von diesem Schätzwert ab sowie von dem Zuckergehalt der Rüben. In diesem Jahr liege der Zuckergehalt bei 17 bis 18 Prozent, sagt Stefan Mondel. "Es ist ein durchschnittliches Jahr, was Zuckergehalt und Ernte betrifft. Wir sind aber zufrieden, zumal wir letztes Jahr eine Rekordernte hatten", so Mondel. Zufriedenstellend sei die Kampagne auch deshalb, weil andere Anbaugebiete in diesem Jahr unter der Hitze und Trockenheit gelitten hätten, so Mondel, der in Warnweste und Schutzhelm über das Betriebsgelände führt. "Sicherheit wird bei uns ganz groß geschrieben." Nach der Analyse kommen die Rüben in die Wäsche. Dafür werden große Mengen Wasser gebraucht. Doch die liefern die Rüben selbst. Der Wassergehalt sei so hoch, sagt Mondel, dass man alleine mit dem Wasser aus der Pflanze die Wäsche durchführen könne. Der Werksleiter hat den Wasserstrom bestens im Blick, direkt aus seinem Bürofenster sieht er die Rüben auf dem Weg in die Schneidmaschine. Dort werden sie zu Schnitzeln verkleinert, in der Schnitzelmaische vorgewärmt und in den Extraktionsturm befördert. In 70 Grad Celsius heißem Wasser löst sich der Zucker aus den Rübenzellen. Es entsteht der Rohsaft. Die ausgelaugten Rübenschnitzel werden getrocknet und zu Futtermittel verarbeitet. "Wir haben keinen Abfall, sondern können Nebenprodukte verwerten", erläutert Mondel in der unangenehm warmen Fabrikhalle. Der entstandene Dicksaft wird nun gekocht, bis sich Kristalle bilden. Durch das Schleudern in Zentrifugen trennt sich der Sirup von den Kristallen. Die letzten Sirupreste werden weggespült, zurück bleiben die glasklaren Zuckerkristalle. Zwei bis drei Tage dauert es von der Anlieferung bis zum Zucker, sagt Stefan Mondel. Der Zucker wird getrocknet, gekühlt und in Silos gelagert, dann geht es weiter zum Kunden. 83 Prozent der Kunden seien aus der weiterverarbeitenden Industrie, der geringere Teil werde zu den verschiedenen Sorten des Haushaltszuckersortiments abgepackt. "Zucker ist ein Produkt, für das man nicht werben muss", sagt Stefan Mondel. Seit Jahrzehnten bleibt der Zuckerkonsum der Deutschen gleich hoch - etwa 35 Kilogramm verzehrt jeder im Jahr. Deutschland ist nach Frankreich zweitwichtigster Zuckerproduzent Europas. Weltweit größter Produzent ist Brasilien. In Deutschland gibt es rund 20 Zuckerfabriken. In Warburg ist das kleinste von ihnen - in der dafür aber ganz spezielle Sorten hergestellt werden wie etwa Biozucker oder ein besonderer brauner Zucker, der in viele Nachbarländer exportiert wird.

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