Ausgrabungen: Seit 2010 sind die Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe mit den Ausgrabungen an der Holsterburg beschäftigt. Auch bei Temperaturen um die 30 Grad und viel Sonnenschein gehen die Arbeiten voran. - © Detlef Welp
Ausgrabungen: Seit 2010 sind die Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe mit den Ausgrabungen an der Holsterburg beschäftigt. Auch bei Temperaturen um die 30 Grad und viel Sonnenschein gehen die Arbeiten voran. | © Detlef Welp

Warburg Grabung legt Reste des Bergfrieds frei

Holsterburg: Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe machen beeindruckenden Fund

Warburg. Bei den Grabungen an der Holsterburg sind Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auf Reste des Bergfrieds gestoßen. "Das ist schon ein beeindruckender Fund", sagt Grabungstechniker Detlef Welp. Seit 2010 laufen bereits die Grabungsarbeiten an der alten Burg. Damals war die Stelle noch komplett zugewuchert. Lange Zeit konnten die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe nur vermuten, wo sich genau der Bergfried der Holsterburg bei Warburg befand. Die aktuellen Ausgrabungen brachten jetzt die Überreste des ehemaligen Hauptturmes zum Vorschein. Damit sind die Forscher einen wichtigen Schritt weiter bei der Frage, wie die Struktur der einzigartigen achteckigen Burg genau aussah. Das Grabungsteam an der Burg besteht im Kern aus sechs Mitarbeitern. "Plus zwei Volontäre", sagt Welp. "Die wechseln allerdings in den kommenden Wochen die Grabungsstelle". Auch bei Temperaturen um die 30 Grad ist das Team am Arbeiten. "Das ist schon anstrengend. Aber wir achten darauf viel zu trinken und machen auch viele Pausen", so Welp. In der Regel wird immer von Montag bis Donnerstag an der Holsterburg ausgegraben. Die achteckige Burganlage bei Warburg ist seit der Entdeckung ihrer äußeren Gestalt eine Besonderheit nicht nur in der Burgenforschung: Die kleine Burganlage ist die nördlichste oktogonale Burg im deutschsprachigen Raum und mit ihren architektonischen Besonderheiten einzigartig. Seit 2010 erforschen Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen ihren Aufbau. "Damals haben wir die ersten Schnitte in den Hügel gemacht und sind direkt auf Mauern gestoßen", blickt Welp zurück. Bislang wurden Schritt für Schritt Fundamente und Räume untersucht, naturwissenschaftliche Untersuchungen und Prospektionen zur mittelalterlichen Landschaft während Blütezeit der Burg vorgenommen. Das Ziel: ein möglichst genaues Bild von der Anlage, die im 13. Jahrhundert die Region geprägt hat. Immer wieder kommen bei den Arbeiten neue Funde zum Vorschein. "Neulich haben wir eine Mauer entdeckt, mit der wir gar nicht gerechnet haben", sagt Detlef Welp. "Da beginnt die Spurensuche jedes Mal aufs Neue." Seit knapp 30 Jahren ist er in diesen Bereich tätig, angefangen hat er damals aus Grabungshelfer. An vielen Einsatzorten hat er schon mit angepackt. "Es gibt immer wieder Grabungen, da weiß man ungefähr, wo was liegt", sagt der 49-Jährige. Bei der Holsterburg sei das jedoch anders: "Man weiß nie genau, was kommt." Deswegen ist die Holsterburg für ihn auch ein besonderer Einsatzort.Die vehemente Zerstörung erkennt man an den Resten des einstigen Bergfrieds Bereits 1294 wurde die Burg im Zuge heftiger regionaler Auseinandersetzung in Schutt und Asche gelegt. Wie vehement die mittelalterlichen Eroberer zu Werke gingen, lässt sich an den Resten des einstigen Bergfrieds ablesen. Von dem Hauptturm, der sich einst stolz als repräsentatives Symbol der Macht in die Höhe streckte und gleichzeitig wohl zur Verteidigung der Anlage diente, ist nur ein imposanter Steinhaufen übriggeblieben. Das ursprüngliche Material wurde verschleppt oder von den Stadtbewohnern in andere Bauten integriert. Es sei schon ein beeindruckender Fund, so Welp. "Aber es wäre natürlich schon schön, wenn wir noch Reste der Grundmauern finden würden." Diese müssten in der näheren Umgebung des Bergfrieds gestanden haben, vermutet Welp. Aber auch die Überreste des Bergfrieds enthalten für die Archäologen wertvolle Informationen. So wissen die Mitarbeiter jetzt, dass dieser einst einen Durchmesser von circa 6,80 Metern hatte. Die fast genau kreisrunde Ausbruchgrube konnte in vollem Umfang freigelegt und dokumentiert werden. Auch das Fundament dieses auffälligen Bauelements der Burg liefert wichtige Erkenntnisse. Auf der restlichen, gerade einmal 568 Quadratmeter großen Fläche der Burg sind die Fachleute der Anlage weiter auf den Grund gegangen. In verschiedenen Räumen entdeckten die Experten dabei Hinweise auf Umbauten, die die einstigen Bewohner vorgenommen haben. Unterschiedliche Fußbodenniveaus oder der überraschende Verlauf von Mauern stellt die Forscher dabei vor immer neue Fragen. So scheinen Eingänge zu einzelnen Räumen verändert worden zu sein, ebenso die Nutzung, etwa wenn die Raumhöhe verändert wurde. Die ohnehin für die Zeit bemerkenswert ausgetüftelte Heizungsanlage konnte jetzt durch den weiteren Verlauf des Heizungskanals weiter untersucht werden - bis zu der Stelle, wo das Feuer für die Wärmeversorgung gespeist wurde. Darüber hinaus tauchten auch Mauern auf, die zu bislang völlig unbekannten Bauphasen gehören.Im Jahr 1294 wurde die Anlage durch einen Brand völlig zerstört Auch Dramen spiegeln sich in den Spuren wider, die im Boden erhalten blieben. So haben die LWL-Archäologen in einem Gebäude eine knapp einen Meter mächtige Brandschicht entdeckt. Ursache dafür war vermutlich das Feuer, dass die Anlage 1294 endgültig zerstörte. Überraschend sind Funde, die für den Laien weniger spektakulär wirken: Es sind besondere Kacheln entdeckt worden, die sonst erst in der Mitte des 14. Jahrhunderts verbreitet sind. Ob diese Halbzylinderkacheln, die vermutlich zu einem Ofen gehörten, die frühesten Vertreter ihrer Art sind, werden weitere Forschungen zeigen. "Die Binnenstruktur der Burg und vor allem die Erdschichten sind sehr komplex", schildert Dr. Hans-Werner Peine, Experte für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der LWL-Archäologie für Westfalen. "Zudem überrascht uns die Burg mit immer neuen Erkenntnissen." Die historischen Quellen verraten bislang nur wenig über die Vergangenheit der Holsterburg. Erstmals erwähnt wurde sie, die über eine wichtige Wegeführung zwischen der Warburger Altstadt und Kassel wachte, im Jahr 1170. Bereits 1294 wurde Bauwerk im Zuge der immerwährenden Konflikte zwischen der Eigentümerfamilie Berkule und der Stadt Warburg komplett niedergerissen. Hierdurch geriet die Holsterburg in Vergessenheit.

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