Menne Als Bürgermeister prägte er die Stadt

Trauer um Warburgs Ehrenbürger Josef Dierkes

Altbürgermeister Josef Dierkes. - © FOTO: NW
Altbürgermeister Josef Dierkes. | © FOTO: NW

Menne (scho). Warburgs Ehrenbürger, geschätzter Altbürgermeister und Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse, Josef Dierkes, ist 86-jährig am Donnerstag verstorben.

Josef Dierkes hat im Warburger Land Geschichte gestaltet, sie nachhaltig geprägt. 1956 war der gebürtige Menner ins politische Geschehen eingetreten. Er wurde in Menne zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt. Schon bald wird er Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde. Nach der kommunalen Neugliederung im Jahr 1975 wird Dierkes Stadtoberhaupt der neu entstandenen Stadt Warburg. Ein großes Werk beginnt. Für den gelernten Landwirtschaftsmeister bedeutet dies noch mehr Arbeit, noch weniger Zeit daheim.

In der erste Wahlperiode von 1975 bis 1979 reiste der Christdemokrat, der sich gerne selbst und mit Stolz als "leutseligen Menschen" bezeichnete, durch die Börde. Dierkes warb in allen Dörfern für die Neugliederung. Der Erfolg der Arbeit wirkt nach bis heute. Strapaziöse Jahre, hatte der Altbürgermeister einmal gesagt. Rückhalt fand er in der Familie, bei seiner Ehefrau Elisabeth.

Josef Dierkes war ein Mann mit Gemeinschaftssinn, ausgleichend, gesellig und aktiv. Das wird in Erinnerung bleiben. Die Begegnungen mit seinen Mitbürgern bereiteten ihm mehr Freude als all die großen Auszeichnungen. In allen Menner Vereinen wirkte Dierkes munter mit. Allein im Vorstand der Schützen war er mehr als 40 Jahre lang aktiv, zwischen 1962 und 1990 als Vorsitzender. In seiner Amtszeit wurde unter anderem die Schützenhalle im Ort errichtet. 28 Jahre lang führte Dierkes an der Spitze die Geschicke des Sportvereins. Die Mitglieder wählten ihn 1985 zu ihrem Ehrenvorsitzenden. "Er war uns ein großes Vorbild", sagt Burkhard Sarrazin vom Vorstand.

Neben seinen regen Vereinsaktivitäten war Josef Dierkes fest in der Politik verwurzelt. Von 1956 bis 1961 und von 1969 bis 1975 war er Mitglied der christdemokratischen Fraktion im damaligen Warburger Kreistag, zwischen 1989 und 1994 Mitglied des Höxteraner Kreistags.

Als Warburger Bürgermeister war Josef Dierkes zwischen 1975 und 1989 im Amt. Die Zusammenführung der 16 selbstständigen Gemeinden war das wohl größte Projekt seiner Laufbahn. Auch die Stadtkernsanierung und zahlreichen Erneuerungsmaßnahmen in den Dörfern fallen in seine Amtszeit. Wirtschaftsförderung und Grundstückspolitik waren ihm wichtige Anliegen. Bezahlbares Bauland für junge Familien vorzuhalten, war dem Stadtoberhaupt ein Herzensanliegen gewesen.

Als Bürgermeister a.D. verlieh ihm der Stadtrat am 28. November 1989 einstimmig den Titel des Ehrenbürgers von Warburg. Im August 1997 reiste Josef Dierkes mit seiner Ehefrau Elisabeth und den fünf Kindern nach Detmold. Bei der Bezirksregierung erhielt er von der damaligen grünen Regierungspräsidentin Christa Vennegerts das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen.

Erholung und Muße fand Josef Dierkes oft im Wald auf dem Hochsitz und beim Kegeln. Die Leidenschaft des Menner Landwirts gehörte seit jeher den Pferden.

Wenn bei den Eröffnungen der Warburger Oktoberwochen in den vergangenen Jahren der Name Josef Dierkes fiel, brauste im Festzelt der Applaus auf. Das hatte ihn immer sehr gefreut. "Eine herausragende und beliebte Persönlichkeit", sagt Bürgermeister Michael Stickeln, "der sich in besonderer Weise um die Hansestadt verdient gemacht hat". Stickeln hebt die hohe Integrationskraft des ersten Bürgermeisters bei der Neubildung der Stadt ab 1975 hervor. Er habe es auf seine gradlinige und charakterfeste Art und Weise geschafft, "den Menschen dieser Stadt ein Wir-Gefühl zu geben", lobt Stickeln. In seiner Amtszeit habe Dierkes "das Gemeinwesen geformt". Sein Tod treffe ihn auch persönlich, sagt Stickeln und betont sein inniges Verhältnis zum Altbürgermeister aus Menne. Seiner Ehefrau Elisabeth gelte für das mitgetragene außergewöhnliche Engagement ihres Gatten ein aufrichtiger Dank. Vor dem Behördenhaus tragen die Flaggen bis Dienstag einen Trauerflor.

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