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Eine Infektion über Lebensmittel ist unwahrscheinlich, aber nicht vollkommen unmöglich. Direkt nach dem Einkauf sollte man sich also gründlich die Hände waschen. - © dpa
Eine Infektion über Lebensmittel ist unwahrscheinlich, aber nicht vollkommen unmöglich. Direkt nach dem Einkauf sollte man sich also gründlich die Hände waschen. | © dpa

So überträgt sich das neue Corona-Virus

Viele sind verunsichert: Wie schütze ich mich am besten vor einer Infektion? Und kann das Virus auch über Oberflächen übertragen werden? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Julia Fahl
08.04.2020 | Stand 07.04.2020, 16:51 Uhr

Zuerst etwas Allgemeines über das Virus, das SARS-CoV-2 heißt – „SARS" steht für „Schweres Akutes Atemwegssyndrom" – und das die Erkrankung Covid-19 auslöst: Auch wenn noch nicht zu 100 Prozent geklärt ist, auf welchen Wegen es genau übertragen wird, können Forscher und Wissenschaftler angesichts eng verwandter anderer Corona-Viren schon einige Rückschlüsse auf Übertragungswege ziehen.

Entscheidend ist die Tröpfcheninfektion. Heißt: Wenn jemand, der infiziert ist, einem anderen Menschen sehr nahekommt und dabei hustet, niest oder feucht ausatmet, können Viren übertragen werden, in dem der andere Mensch sie einatmet. Nicht umsonst empfiehlt die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung, dass wir uns regelmäßig und gründlich die Hände waschen, uns nicht ins Gesicht fassen und am besten zwei Meter Abstand zu anderen Menschen halten sollen.

Helfen Seifen, Spül- und Waschmittel, eine Übertragung zu verhindern – und wie?
Das neuartige Corona-Virus SARS-CoV-2 ist ähnlich wie einige andere Viren auch von einer schützenden Lipid-Membran ummantelt. Das ist eine Fettschicht, auf der Eiweiße sitzen.

Durch fettlösende Substanzen, die in Seifen, Spül- oder Waschmittel enthalten sind, kann diese schützende Membran beschädigt und potenzielle Viren auf unseren Händen, auf Geschirr und Besteck oder auf unserer Wäsche – sofern sie überhaupt lange genug überleben – inaktiviert werden. Aber auch die richtige Temperatur hilft dabei: „Das gilt auch dann, wenn im Geschirrspüler das Geschirr mit 60 Grad Celsius oder höherer Temperatur gereinigt und getrocknet wird", heißt es vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Kann ich mich auch über Oberflächen anstecken?
Ausgeschlossen ist das nicht. Von Coronaviren weiß man, dass sie auf unbelebten Oberflächen wie Metall, Glas oder Plastik eine gewisse Zeit überleben können. "Die Stabilität in der Umwelt hängt dabei von vielen Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beschaffenheit der Oberfläche ab", so das Bundesministerium für Gesundheit.

So könnte eine Infektion über eine Oberfläche ablaufen: Angenommen, eine infizierte Person niest und dabei landen Speicheltröpfchen auf einer Türklinke oder der Küchenarbeitsplatte. Berührt jemand anderes diese Oberfläche kurz darauf und fasst sich anschließend mit den Händen ins Gesicht, könnten Viren auf die Schleimhäute von Nase, Mund oder Augen übertragen werden – und die Person könnte sich anstecken. Schmierinfektion heißt das.

Es gibt aber gleich mehrere Aber: Zum einen kommt es dabei auf die Menge der Viren auf der jeweiligen Oberfläche an. Corona-Viren überleben laut Bundesinstitut für Risikobewertung nicht allzu lange in der Umwelt, weshalb eine Schmierinfektion "nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich” ist. Zum anderen gibt es laut BfR "derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist”, dass sich Menschen auf diese Weise angesteckt haben.

Was ist mit importierten Waren wie Spielzeug, Werkzeug oder Kleidung – sind diese ansteckend?
Da findet das Bundesinstitut für Risikobewertung eine kurze Antwort: Nach dem, was man bisher über das neue Virus weiß, ist es "unwahrscheinlich”, dass importierte Waren Quelle einer Infektion sein könnten. Es schadet aber nicht, auf Nummer sicher zu gehen – und sich regelmäßig gründlich die Hände zu waschen.

Und Lebensmittel?
Auch hier stuft das BfR eine Übertragung des Virus über kontaminierte Lebensmittel als „unwahrscheinlich" ein. Grundsätzlich aber können Coronaviren durch direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person auf zum Beispiel Backwaren, Obst oder Gemüse gelangen.

„Eine Schmierinfektion einer weiteren Person erscheint dann möglich, wenn das Virus kurz danach über die Hände oder die Lebensmittel selbst auf die Schleimhäute des Mund- und Rachenraumes oder die Augen übertragen wird.” Es hilft, die allgemeinen Regeln der alltäglichen Hygiene zu beachten. Die übrigens immer gelten, nicht nur in Corona-Zeiten. Dazu gehört eben das regelmäßige Händewaschen, aber auch die Hygiene in der Küche während der Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln. Also: Frisches Gemüse und Salat am besten unter heißem Wasser waschen, bevor es verzehrt wird. Und Gegenstände wie Messer und Schneidebrettchen sauberhalten. "Da die Viren hitzeempfindlich sind, kann das Infektionsrisiko durch das Erhitzen von Lebensmitteln zusätzlich weiter verringert werden”, so das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Was ist, wenn ich Bargeld entgegennehme, einen Kartenterminal oder mein Smartphone bediene?
Hier gilt genau dasselbe, wie bei den vorigen Antworten: Dem BfR sind bisher keine Infektionen mit SARS-CoV-2 über diesen Übertragungsweg bekannt. Eine Schmierinfektion wäre aber, kurz nachdem Viren durch eine infizierte Person auf die Gegenstände gelangt sind, möglich. Schützen kann man sich nur durch regelmäßiges, mindestens 20-sekündiges Händewaschen. Und: Die Hände aus dem Gesicht lassen!

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