Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn ordnete die Unterbringung des Mannes in einer Klinik an. Symbolbild: Wolfgang Rudolf - © BIELEFELD
Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn ordnete die Unterbringung des Mannes in einer Klinik an. Symbolbild: Wolfgang Rudolf | © BIELEFELD

Steinheim Urteil: 50-Jähriger muss in die Psychiatrie

Arno U. hört Stimmen, die ihm große Angst vor Mördern machen

Jutta Steinmetz

Steinheim/Bad Driburg. In den vergangenen Monaten hat Arno U. (Name geändert) endlich mal etwas Ruhe gehabt. Im geschützten Umfeld der forensischen Psychiatrie hört er längst nicht mehr so oft quälende Stimmen, die ihm sagen, dass rund um ihn herum Mörder sind. Seitdem ist er auch nicht mehr auf Menschen losgegangen aus Angst, von ihnen getötet zu werden. Trotzdem ordnete jetzt die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn seine Unterbringung der Psychiatrie an. Die Allgemeinheit müsse vor dem 50-Jährigen geschützt werden, erklärten die Richter. Zu große Gefahren gingen von diesem aus. Zwei Tage lang hatten sich die Richter um den Vorsitzenden Eric Schülke Zeit genommen, um über Arno U.s Zukunft zu entscheiden. Er war mehrfach in Steinheim mit seinem Regenschirm auf Menschen losgegangen oder hatte ihnen unvermittelt einen Schlag versetzt, weil er sich von ihnen bedroht fühlte. Zu schweren Verletzungen kam es in keinem einzigen Fall, auch nicht als Arno U. in einer Bad Driburger Psychiatrie auf zwei Ärztinnen losging. All diese Vorfälle seien typisch für das Krankheitsbild einer „Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis", erklärte der psychiatrische Gutachter Michael Hintersdorf vor Gericht. Bleibe U.s Erkrankung weiterhin unbehandelt, so müsse mit weiteren ähnlichen Taten gerechnet werden, so die Diagnose. »Dieses ist das schärfste Schwert des Strafrechts« Rechtfertigen diese aber eine Unterbringung nach Paragraf 63 im Strafgesetzbuch, formulierte Verteidiger Benedikt Klein die Kernfrage und gab zu bedenken: „Dieses ist das schärfste Schwert des Strafrechts." Zwar müsse sich niemand Angriffen aussetzen, die völlig unvermittelt erfolgen, aber die angeklagten Taten rechtfertigten keine Unterbringung, die sich möglicherweise über sehr viele Jahre hinziehen könne, befand Klein. „Die angewandte Gewalt lag im unteren Bereich." Der Verteidiger kündigte direkt nach Urteilsverkündung an, Revision einzulegen. Dann müsse sich der Bundesgerichtshof in Karlsruhe darüber Gedanken machen, was unter „erheblichen rechtswidrigen Taten" zu verstehen ist, für die der Gesetzgeber in Paragraf 63 eine Unterbringung in der forensischen Psychiatrie vorsieht.

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