Das Gericht in Paderborn muss nun entscheiden, ob der 50-Jährige dauerhaft in einer geschlossenen Abteilung bleibt. - © Wolfgang Rudolf
Das Gericht in Paderborn muss nun entscheiden, ob der 50-Jährige dauerhaft in einer geschlossenen Abteilung bleibt. | © Wolfgang Rudolf

Steinheim Mit dem Regenschirm auf Passanten in Steinheim eingeschlagen

Psychisch krank: Arno U. sieht um sich herum Mörder, gegen die er kämpfen muss. Das Gericht in Paderborn muss nun entscheiden, ob er dauerhaft in einer geschlossenen Abteilung bleibt

Jutta Steinmetz

Steinheim/Bad Driburg. Arno U. (Name geändert) hört seit Kindertagen immer mal Stimmen, die nur in seinem Inneren existieren, ihm aber Befehle geben. Seine Zeit als zwangsrekrutierter Soldat in seinem Heimatland Eritrea hat das nicht gerade besser gemacht. Seit 2005 lebt er in Steinheim. Die deutsche Sprache hat er ganz gut gelernt, aber seine psychische Erkrankung ist nicht nur geblieben, sie hat sich in letzter Zeit sogar verstärkt. Ob der 50-Jährige möglicherweise dauerhaft in der Psychiatrie bleiben muss, darüber denkt zurzeit die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn nach. Missverständnis wegen Buddelei im Garten Im vergangenen Jahr hatte Arno U. vor allem in Steinheim des Öfteren für Aufregung gesorgt, wenn er auf der Straße Passanten beschimpfte und mit einem Regenschirm auf sie losging. Selbst einen Nachbarn, der sich bemühte, ein freundliches Verhältnis zu dem zurückgezogen lebenden 50-Jährigen aufzubauen, hatte er auf dem Kieker. Arno U. hatte es gründlich missverstanden, als der Steinheimer in seinem Garten eifrig buddelte. Er attackierte den 44-Jährigen zunächst verbal und haute dann mit seinem Regenschirm nach ihm. Er habe gedacht, sein Nachbar schaufele ein Grab für ihn, erklärte Arno U. den Richtern. „Ich wollte nicht ermordet werden." Auch in der Driburger Klinik, in der er im vergangenen Sommer zum wiederholten Mal auf richterlichen Beschluss untergebracht worden war, wurde er weiterhin Opfer seiner Wahnvorstellungen. Er habe in Steinheim gegen Mörder gekämpft, berichtete er den Ärzten. Auch diese gerieten eines Tages in den Fokus seiner Psychose. Im August 2017 schlug er auf zwei Medizinerinnen ein. Stimmen, so erklärte Arno U., hätten ihm sogar befohlen, die beiden zu töten. „Ich wollte das nicht. Ich bin kein Mörder", sagte er vor Gericht. Und so habe er die Frauen nur geschlagen. Im Sommer 2017 aus der Klinik entwischt Folgenreiche Verletzungen brachte der 50-Jährige niemandem bei. Auch nicht den Polizisten, denen er heftig Widerstand leistete, nachdem er im Sommer 2017 aus der Bad Driburger Klinik entwischt war. Für die Kammer um den Vorsitzenden Eric Schülke ist dies kein einfacher Fall. Sie muss entscheiden, ob diese Vorfälle so schwerwiegend sind, dass Arno U. auf (zunächst) unabsehbare Zeit in der geschlossen Abteilung eines forensischen Krankenhauses bleiben muss. Der 50-Jährige verweigert nämlich jede Behandlung. Er vertrage die Medikamente nicht, so seine Empfindung. Eine Zwangsmedikation habe Arno U. zwar ruhiger gemacht, erklärte eine Ärztin, aber sein psychotisches Erleben sei geblieben. Der 50-Jährige, der im Krieg seines Heimatlandes gegen Äthiopien hatte kämpfen müssen, sah weiterhin um sich herum Mörder. Das Gericht will am 10. September weitere Zeugen hören, bevor es eine Entscheidung trifft.

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