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Markus Böhm aus Gelsenkirchen hat seine Liebe an seine Kinder Can und Eva weitergegeben.
Markus Böhm aus Gelsenkirchen hat seine Liebe an seine Kinder Can und Eva weitergegeben.

Oeynhausen Eine Liebe, die nicht rostet

Mahindra-Fahrer treffen sich in Oeynhausen zur Ausfahrt

VON DAVID SCHELLENBERG
07.08.2013

Oeynhausen. Sie sind nicht einfach nur Autoliebhaber, die ihr Herz an einen einzigartigen Geländewagen verschenkt haben. Einen Mahindra zu fahren, ist eine Lebenseinstellung, eine Passion. Um die Freuden und Leiden dieses Hobbys miteinander zu teilen, trafen sich am Wochenende elf Mahindra-Fahrer und ihre Familien in Oeynhausen.

Sie sind die letzten ihrer Art. Denn es gibt kaum noch zwei Dutzend Mahindras auf deutschen Straßen. Verständlich, wenn man den Fachgesprächen der Geländeliebhaber lauscht. "Wenn man einen Mahindra nicht pflegt, rostet er schneller, als er fährt", sagt Markus Böhm aus Gelsenkirchen. Nach 3.000 Kilometer müssen alle Lager abgeschmiert werden, ein Ölwechsel ist nach 5.000 Kilometern dringend zu empfehlen.

Böhm selbst hat im vergangenen Herbst den kompletten hinteren Teil seines Wagens neu aufgebaut. Der war durchgerostet. Weil Blech mit einer entsprechenden Stärke von mindestens 2,5 Millimetern nicht zu bekommen war, hat er einen alten Speicherofen und ein Stahlregal verbaut. Als Mahindra-Fahrer muss man kreativ sein, denn Ersatzteile gibt es so gut wie keine. Da kann es schon mal passieren, dass eine Lampe aus England eingeflogen wird.

Oberförster Klaus Brucker pflegt und hegt seinen Mahindra, damit er auch seine Frau auf eine Ausfahrt einladen kann.
Oberförster Klaus Brucker pflegt und hegt seinen Mahindra, damit er auch seine Frau auf eine Ausfahrt einladen kann.

Dabei ist der Mahindra kein Oldtimer. Auf Basis eines Militärjeeps hat das indische Unternehmen Mahindra kurz nach dem 2. Weltkrieg mit der Fertigung der Geländewagen begonnen. Die Einzelteile wurden zunächst importiert, später fast vollständig in Indien gefertigt. Billig und einfach sollte er sein. Rostschutz hatte er keinen. "Auch auf Genauigkeit wurde kein Wert gelegt. Es kann schon mal passieren, dass die eine Seite anderthalb Zentimeter länger ist, als die andere", erzählt Norbert Bieder aus Brakel.

Der Lkw-Fahrer ist der einzige Mahindra-Vertreter aus dem Kreis beim Treffen in Oeynhausen. Wie alle Liebhaber wurde sein Geländewagen erst Anfang der 1990er Jahre zusammengeschraubt. Damals hatte das indische Automobilunternehmen Lizenzen für den Bau nach Griechenland und ins sächsische Werdau vergeben. Weil die Qualität aber nicht stimmte, wurde die Produktion wieder eingestellt.

Die kleine Gruppe, die sich in wechselnder Besetzung seit 18 Jahren trifft und seit 2006 jedes Jahr nach Oeynhausen kommt, will die Erinnerung an das Auto wachhalten. Eine Ausfahrt durchs Weserbergland inklusive. Dabei sind die Fahrzeuge so verschieden wie ihre Besitzer. Da steht ein rustikaler Militär-Mahindra neben dem Gelände erprobten CJ 540 von Maik Sterz, an dem Axt und Feldspaten an der Außenseite nicht fehlen dürfen. "So kann ich mir unterwegs immer ein Toilettenloch ausheben", sagt der Flörsheimer. Er meint es ernst.

Dagegen darf der Wagen von Klaus Brucker nicht ins Gelände. Der Oberförster aus Bernau bei Berlin hat seinen roten Mahindra auf Hochglanz poliert und ihm den Namen "La brute rouge" gegeben, der grobe Rote. Damit spielt er auf seine Frau an, die rote Haare hatte, als er sie kennenlernte. Selbstredend, dass der Mahindra auch ihr Hochzeitsfahrzeug war. Seine Frau ist auch der Grund, dass er seinen Wagen ganz besonders pflegt. "Ich möchte die Ausfahrten mit ihr gemeinsam machen. Sie soll sich dabei wohlfühlen", sagt der 60-Jährige. Zugleich freut er sich, dass sich in Oeynhausen so unterschiedliche Charaktere an Menschen und Autos treffen.

Und so sitzen sie bis tief in die Nacht vor ihren Zelten auf dem Bauernhof der Familie Reermann, die ebenfalls einen Mahindra besitzt, erzählen sich Anekdoten und Reparaturgeschichten. Nur ein Wort darf niemals in der Runde fallen: "Jeep". Damit, so sagen die Liebhaber, hat ihr Geländewagen nichts zu tun. Der Stinkefinger am Klohäuschen beweist es.