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Elmar Brok: „Gegen Antidemokraten kämpfe ich bis aufs Messer. Aber nur mit Worten und messerscharfen Argumenten." - © Josef Köhne
Elmar Brok: „Gegen Antidemokraten kämpfe ich bis aufs Messer. Aber nur mit Worten und messerscharfen Argumenten." | © Josef Köhne

Nieheim Elmar Brok macht sich in Nieheim für Europa stark

Politik und Gesellschaft: 40 Jahre vertrat Elmar Brok im Europaparlament deutsche Interessen, in Himmighausen referierte er zum Thema Brexit. Den Antidemokraten erteilte er eine klare Absage

Josef Köhne
21.10.2019 | Stand 21.10.2019, 13:39 Uhr

Nieheim. „Liebe dein Vaterland, aber achte jeden Mannes andere." Mit Sätzen wie diesen machte Elmar Brok während einer Veranstaltung des Fördervereins Gesamtdeutsche Bildungsstätte Himmighausen im voll besetzten Schulcafé deutlich, wie sehr er sich auch nach seinem Ausscheiden aus dem Europaparlament als Europäer versteht. Während seines in freier Rede gehaltenen Vortrags legte er im Detail und in Zahlen dar, welche Vorteile die Europäische Union und Wertegemeinschaft vor allem für das deutsche Volk hat. Nicht verschweigend, wie schwierig sich der Zusammenhalt der Völkergemeinschaft gestaltet, und wie sehr sie immer wieder auf Kompromisse angewiesen ist. "Nichts zu Beißen und keine Glaubensfreiheit" Keinen Zweifel ließ Brok daran, dass die demokratischen Spielregeln der EU den einzelnen Regierungen zwar Fesseln anlegen, dass aber das zähe Ringen um eine für alle Mitgliedsstaaten annehmbare Lösung dazu beigetragen hat, dass wir in einem noch zu keiner Zeit erreichten Wohlstand und in einem bald 75-jährigen Frieden leben. Mit Hinweis auf die Rüffel an der Flüchtlingspolitik fand Brok deutliche Worte: „Erinnern wir uns daran, dass im 19. Jahrhundert Millionen Deutsche nach Amerika auswanderten, weil sie nichts zu Beißen und keine Glaubensfreiheit hatten. Heute passiert das in anderen Ländern." Bezüglich der „Deutschlandhilfe" für Griechenland sagte er, Deutschland habe nicht gezahlt, sondern Kredite gegeben, die Griechenland heute mit 4,6 Prozent Zinsen zurückzahle. „Wo bekommen Sie heute noch so hohe Zinsen?", fragte er in Richtung des Kritikers. Entwicklungshilfen der EU Die Sozialleistungen betreffend erklärte Brok, 50 Prozent aller staatlichen Leistungen würden in der EU verteilt. Zudem würden 60 Prozent aller Entwicklungshilfen von den Mitgliedsstaaten der EU getragen. In diesem Kontext erinnerte er an den von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ins Leben gerufenen Hilfsfonds für Afrika. Zugleich übte er Kritik an ungebührlichen Forderungen einiger afrikanischer Staaten. „Wenn der Staatspräsident von Simbabwe zum Beispiel 16.000 Hektar Land besitzt und uns vorwirft, wir würden nicht genug Entwicklungshilfe leisten, finde ich das nicht so ganz in Ordnung." Erfolge eines geeinten Europa Als Beispiel für den Erfolg eines geeinten Europas nannte Brok den Airbus. „Ohne die Zusammenarbeit mehrerer europäischer Staaten hätten wir nur die US-amerikanischen Boeings, denn weder Frankreich noch Spanien oder Deutschland wären alleine in der Lage, solche Flugzeuge zu bauen." Dass die Konkurrenz aus Europa dem US-Präsidenten ein Dorn im Auge sei, bekomme man derzeit zu spüren. Ebenso wie China und Russland Präsident Putin sei Trump bestrebt, die EU zu zerschlagen und als Mitbewerber aus dem internationalen Markt zu werfen. Dabei ziele Trump mit seinen Sanktionen gezielt gegen den starken deutschen Mittelstand. Europa müsse es endlich gelingen, die großen Konzerne wie Google und Amazon dort zu besteuern, wo deren Wertschöpfung erfolge. „Wir können, aber wir müssen nicht bei ihnen kaufen", war bei Brok zwischen den Zeilen zu lesen. Das unter dem Thema „Europa am Scheideweg? Brexit – Chaos ohne Ende?" stehende Gesprächsforum führte zwangsläufig zu der Frage nach Boris Johnson und seinem „Deal ohne Grenzen". Er könne diejenigen Briten nicht verstehen, die ins letzte Jahrhundert zurückkehren wollten, erklärte Brok, und Premier Johnson könne in Zukunft immer noch als schlechtes Beispiel dienen. "Ich will die friedliche Lösung" Unmissverständlich äußerte sich Brok zu der Frage, ob UN-Truppen in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Kurden, Türken und Syrern eingreifen sollen. „Wer das als Deutscher fordert, der muss wissen, dass dann auch deutsche Soldaten dort kämpfen müssen. Ich will nicht, dass meine Enkel das müssen und Sie wollen es vermutlich auch nicht, dass ihre Kinder und Enkel dort ihr Leben aufs Spiel setzen. Ich will die friedliche Lösung, und die ist nur durch das Verhandeln gleichstarker Partner zu erzielen." Dass Brok in der von Heinz Vathauer geleiteten Veranstaltung die große Mehrheit der Zuhörer erreichen und überzeugen konnte, zeigte der anhaltende Beifall.

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