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Im Windpark Holzhausen drehen sich bereits 26 Windräder. Nun soll ein weiteres hinzukommen. - © David Schellenberg
Im Windpark Holzhausen drehen sich bereits 26 Windräder. Nun soll ein weiteres hinzukommen. | © David Schellenberg

Nieheim/Marienmünster Kleine Fledermaus gegen großes Windrad bei Nieheim

Der Kreis Höxter stimmt dem Bau einer 239 Meter hohen Anlage zu und schränkt den Betrieb zugleich deutlich ein. Das hat Gründe

David Schellenberg
14.10.2019 | Stand 14.10.2019, 14:36 Uhr

Holzhausen/Bredenborn. Zwischen Holzhausen und Bredenborn soll in Kürze ein weiteres Windrad für rund 3,8 Millionen Euro gebaut werden. Der Kreis Höxter genehmigt den Antrag des Unternehmens Wind Süd 3 GmbH, hinter der Johann-Friedrich von der Borch aus Holzhausen steht. Allerdings gibt es für den Betrieb einige Einschränkungen. Schuld ist unter anderem eine Fledermaus. Die geplante Anlage vom Typ Nordex N-149 hat eine Gesamthöhe von 239 Metern und einen Rotor-Durchmesser von 149 Metern. Die Nabenhöhe von 164 Metern erreicht fast die derzeit von Herstellern angebotene Maximalhöhe. Die Nummer 27 im Windpark Die Anlage ist bereits Nummer 27 in diesem Windpark. Sie hat eine Standardleistung von 4,5 Megawatt. Wie viel Energie der Generator aber tatsächlich produziert, hängt vom Wind, dem konkreten Standort ab sowie behördlich vorgeschriebenen Abschalt- und Reduzierungszeiten ab. Im Kreis Höxter weht der Wind nach Expertenangaben nur mittelmäßig. Windräder erreichen im Schnitt nur rund 15 bis 20 Prozent ihrer maximal möglichen Leistung im Jahr – entsprechend gering ist die Zahl der sogenannten Volllaststunden der Energieerzeuger. In seiner Genehmigung für die Anlage hat der Kreis Höxter aufgrund der zu erwartenden Schallemissionen sowie zum Schutz für Flugtiere wie Fledermäuse und Rotmilane Einschränkungen getroffen. So darf die Anlage nachts zwischen 22 und 6 Uhr nur mit geringerer Leistung betrieben werden. Damit reduziert sich der Schallleistungspegel um rund sechs Dezibel. Später kann die Reduzierung mit Zustimmung des Kreises etwas zurückgenommen werden, wenn die zu erwartenden Schallemissionen nicht erreicht werden. Zwischen Sonnenunter- und -aufgang vollständig abschalten Für den Schutz von Fledermäusen gilt zudem, dass zwischen dem April und Oktober bei Temperaturen über zehn Grad und einer Windgeschwindigkeit von mehr als sechs Metern pro Sekunde die Anlage zwischen Sonnenunter- und -aufgang vollständig abzuschalten ist. Somit soll dem Risikomanagement für Fledermäuse Rechnung getragen werden, wie Markus Blaschek von der Abteilung Umweltschutz und Abfallwirtschaft des Kreises Höxter in seiner Genehmigung erklärt. Es gebe – das habe ein Gondelmonitoring einer benachbarten Anlage ergeben – eine verstärkte Fledermaus-Aktivität im Umfeld der Anlage und ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko. Vor allem die Breitflügelfledermaus, die Zweifarbfledermaus, die Rauhautfledermaus, aber auch andere Arten sind streng geschützt. Das Tötungsverbot ist nach geltender Rechtssprechung sogar individuenbezogen zu verstehen. Es muss also jedes einzelne Tier geschützt werden. Drei neue Nester des bedrohten Rotmilan Ein weiteres Problem für die Anlage ist der bedrohte Rotmilan. Wie der Kreis erklärt, sind allein im Jahr 2019 zu dem bereits bekannten Horst des Rotmilans in Erwitzen drei neue Nester in unmittelbarer Umgebung hinzugekommen. Sie sind nur zwischen 1.050 und 3.200 Meter vom geplanten Standort entfernt. „Mindestens vier Brutpaare nutzen den Windpark als Nahrungshabitat", schreibt Blaschek. Deshalb hat das Unternehmen Wind Süd 3 erst kürzlich ein ergänzendes Schutzkonzept vorgelegt. Es sieht größere Ablenkungsflächen von insgesamt 20.000 Quadratmetern Größe vor. Diese Flächen müssen bewirtschaftet, dürfen aber nicht gedüngt werden. „Diese Maßnahme ist in Verbindung mit der Abschaltung der Windenergieanlage zur Ernte aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde geeignet, artenschutzrechtliche Konflikte zu vermeiden", so Blaschek in der Genehmigung, in die übrigens eine Rückbauverpflichtung nach Beendigung des Betriebes inbegriffen ist, für die eine Bankbürgschaft in Höhe von 248.800 Euro hinterlegt werden muss.

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