Ort der Ruhe: Auf den Friedhöfen der Stadt Nieheim sollen zukünftig neue Bestattungsformen möglich sein. - © David Schellenberg
Ort der Ruhe: Auf den Friedhöfen der Stadt Nieheim sollen zukünftig neue Bestattungsformen möglich sein. | © David Schellenberg

Nieheim Nieheim will neue Wege in der Bestattung gehen

Baumgrabstätten für Urnen werden immer beliebter. Deshalb will die Stadt Nieheim diese in Zukunft anbieten

Katharina Thiel
01.06.2019 | Stand 31.05.2019, 18:03 Uhr

Nieheim. Nicht nur das Leben ändert sich fortlaufend, auch der Tod und damit verbunden die letzte Ruhestätte haben sich in den vergangenen 15 Jahren gewandelt. Anstatt einer Sargbestattung auf einem Friedhof wünschen sich immer mehr Menschen eine Feuerbestattung mit anschließender Beisetzung einer Urne. Fast 55 Prozent in Deutschland – so der Bundesverband Deutscher Bestatter. Die Stadt Nieheim reagiert darauf und berät am Montag, 3. Juni, um 17.30 Uhr im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen (Betriebsausschuss) über neue Bestattungsformen. „Wir haben Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten", sagt Bürgermeister Rainer Vidal. Deshalb sei bereits im Dezember 2017 beschlossen worden, dass sich eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Elisabeth Ridder mit dem Thema beschäftigt. Künftig soll es demnach möglich sein, anonyme Sargbestattungen durchzuführen sowie Urnenwahlgrabstätten und Baumgrabstätten für Urnen anzubieten. Zusätzlich soll es einen Sternenhain für Föten auf dem Friedhof in Nieheim geben. Ortschaften entscheiden selbst „Dieser Beschluss bildet nur den Rahmen", so Vidal. Anschließend sollen die Ortschaften entscheiden, was realisiert werden kann. Der Bürgermeister glaubt jedoch, dass diese überall möglich sein sollten. Nur über Urnenwahlgrabstätten in Urnenwänden oder -stehlen konnte in der Arbeitsgruppe keine Einigkeit erzielt werden. In einem Beschluss müsste dies ergänzt werden – ebenso, ob es dafür einen zentralen Ort in Nieheim geben soll, ähnlich wie für den Sternenhain. Auf dem privaten Ave-Natura-Friedhof Am Holsterberg in Holzhausen sind Baumbestattungen bereits möglich. Vidal sieht darin einen Trend. Auch Peter Voss, Vorsitzender des Kreisverbandes Paderborn/Höxter im Bestatterverband NRW bestätigt die Entwicklung. Seit zehn Jahren gebe es Baumgräber in Paderborn, die viel genutzt werden. „Viele Familien sind nicht mehr an dem Ort, wo die Bestattung stattgefunden hat", sagt er. Das sei ein „ausschlaggebender Punkt" bei der Wahl der Bestattungsform. „Die Zeiten haben sich geändert, die Gemeinden können sich davor nicht verschließen." Urnenbestattung als der "goldene Mittelweg" Das Kolumbarium in der Nachbarstadt Steinheim, ein Bauwerk, das der Aufbewahrung von Urnen dient, habe 54 Plätze und sei fast voll belegt, sagt Rebecca Mertens-Tölle von Schröder Bestattungen. Sie begrüßt die Entwicklung in Nieheim: „Da muss was passieren." Neben der Distanz, die Angehörige zu den Gräbern zurücklegen müssen, seien auch körperliche Einschränkungen ein Thema: „Viele sind vielleicht auch nicht mehr in der Lage", sagt sie. Deshalb bevorzugen sie eine Urnenbestattung. „Bevor es ungepflegt oder anonym ist, ist das der goldene Mittelweg." Geld, was in die Pflege einer Grabstätte investiert werden muss, spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle, sagt Voss. „Es gibt hier genug Familien, die das gut bezahlen können. Es geht nicht immer nur ums Geld." Auch anonyme Bestattungen, bei denen der Verstorbene bei Lebzeiten festgelegt haben muss, dass er auf diese Art und Weise bestattet werden möchte, gebe es kaum. Auch, weil Angehörige einen Ort zum Trauern brauchen. „Das ist ein ganz wichtiger Punkt", sagt Voss. Jedoch gebe es auch hier Ausnahmen, so Mertens-Tölle: „Das ist total individuell." Manche trauern lieber zuhause, sagt sie. Eine Urne, wie in den USA oder den Niederlanden üblich, mit in die eigenen Wände zu nehmen, ist in Deutschland nicht möglich. „Wir haben in Deutschland die Bestattungspflicht", sagt Voss. Und das sei auch gut so, denn wenn sich beispielsweise drei Kinder eines Verstorbenen zerstreiten und eines den zwei anderen den Zutritt verwehrt, sei ihnen der Ort zum Trauern genommen worden. Am Donnerstag, 6. Juni, um 18.30 Uhr wird im Rat in der Aula der katholischen Grundschule ebenfalls über das Thema beraten.

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