0
Sanierungsbedürftig: Rund 400 Kubikmeter Inventar (mehr als 1.000 Teile) muss während der Bauphase von der Peter-Hille-Realschule in die alte Grundschule ausgelagert werden. - © Josef Köhne
Sanierungsbedürftig: Rund 400 Kubikmeter Inventar (mehr als 1.000 Teile) muss während der Bauphase von der Peter-Hille-Realschule in die alte Grundschule ausgelagert werden. | © Josef Köhne

Nieheim Qualitätssprung in der Realschule Nieheim

Am 15. Juli beginnt die Grundsanierung und Modernisierung der Peter-Hille-Realschule. Wie moderne Technik und Schallschutzmaßnahmen Lehrern und Schülern zugutekommen sollen

Josef Köhne
19.05.2019 | Stand 19.05.2019, 14:49 Uhr

Nieheim. Die Pläne sind fertig. Die Ausschreibungen sind erfolgt. Die Aufträge sind vergeben. Die Bagger können anrücken. Fragen zum geplanten Umbau und zur Sanierung der Peter-Hille-Realschule beantworten Kämmerer Dietmar Becker und Schulleiter Thomas Novian spontan, knapp und präzise. Die beiden stecken voll im Thema, ihnen sind alle Details der mit 5,2 Millionen Euro veranschlagten Baumaßnahme jederzeit präsent. Sie wirken wie ein eingespieltes Team, das das ganze Szenario immer wieder durchgespielt hat. ZEITPLAN Begonnen wird mit der grundlegenden Sanierung des aus den 1960er Jahren stammenden Gebäudes am ersten Tag der Sommerferien 2019. Der letzte Baustaub soll mit dem Ende der Weihnachtsferien 2020/21 beseitigt sein. Dazwischen liegen insgesamt zehneinhalb Wochen Ferien, in denen die Bauarbeiter nach Herzenslust arbeiten und lärmen können. „In der übrigen Zeit werden Teile der Realschule in die ehemalige Grundschule ausgelagert", sind Rektor Novian und Kämmerer Becker froh, dass man nicht auf Container ausweichen muss. „Containerlösungen sind teuer", weiß Becker. „Container sind unbequem und haben kein angenehmes Raumklima", hat Novian festgestellt. Und in der alten Grundschule lässt sich während der Bauzeit alles unterbringen. Sogar der Informatikraum. RÄUME Bezüglich der Fachräume wird das Lehrerkollegium den Unterrichtsplan so gestalten, dass gezielt in Blöcken (Epochalunterricht) unterrichtet werden kann. Zum Beispiel im ersten Halbjahr mehr Physik und Chemie und im zweiten Halbjahr mehr Deutsch und Englisch. Zwischen den Gebäuden wechseln die Schüler in der großen Pause oder während der Mittagspause. Da das gesamte Lehrerkollegium in die Planungen einbezogen wurde, können Dietmar Becker und Thomas Novian auch mit dessen voller Unterstützung rechnen. MASSNAHMEN Auf die Frage, was denn nun alles anders, was besser werden wird, geben Becker und Novian die Antworten im Sekundentakt: Die hässlichen Klinkerwände werden verputzt und bekommen einen hellen Anstrich. Die Decken bekommen eine Schalldämmung. An den Wänden werden Akustikstreifen angebracht, die den Lärmpegel weiter absenken. In allen Räumen und Fluren werden elektronisch gesteuerte LED-Leuchten installiert, die das Licht kontinuierlich dem Bedarf anpassen. Fenster bekommen eine Dreifachverglasung und motorisch gesteuerte Öffnungseinrichtungen. Alle diese Maßnahmen würden dazu beitragen, dass sich Schüler und Lehrer wohler fühlen, sind sich Schulleiter und Kämmerer einig. „Der Lärmpegel spielt bei der Lehrergesundheit eine ganz große Rolle", ist eine Erfahrung, die nicht nur Thomas Novian gemacht hat. Und Schulen, in denen Schüler Amen sagen, wenn in der Nachbarklasse das Vaterunser gebetet wird, sollten ohnehin der Vergangenheit angehören. ORIENTIERUNG Zur besseren Orientierung bekommen die einzelnen Trakte unterschiedliche Farben. Diese jedoch nicht an den Wänden, sondern an den mit Bullaugen ausgestatteten Klassentüren und an den Spinden. Viele positive Veränderungen wird es auch in der Technik geben. „Zurzeit weiß außer mir niemand mehr, wo überall die Netzwerkkabel verlegt sind", macht Thomas Novian auf einen unhaltbaren Zustand aufmerksam. „Es wurde immer wieder nachgebessert, geflickt und improvisiert. Deshalb ist es gut, dass jetzt alles von Grund auf erneuert und nach festen Plänen installiert wird." MEDIEN Wichtig ist das vor allem deshalb, weil alle Klassen mit den modernsten Medien, wie zum Beispiel Whiteboard, ausgestattet werden. Dietmar Becker zufolge sind die Tafeln 2,50 Meter breit, so dass auch die Schüler in den hinteren Reihen noch alles gut lesen können. Außerdem werden zwei verschiebbare Tafeln hintereinander angebracht, damit Fragestellungen, Zwischenergebnisse und Endresultate immer wieder abgerufen und miteinander verglichen werden können. DATENAUTOBAHN Die Lehrer verwenden Tablets und können damit sofort in jedem Raum über den fest installierten Beamer unterrichten. Schüler haben die Möglichkeit, über ihre Tablets direkt auf die Tafeln zu schreiben, zu korrigieren und zu ergänzen. Dabei ist alles so konzipiert, dass sofort nach dem Verlegen der Glasfaserkabel auf der schnellen Datenautobahn gesurft werden kann. Hochmodern ist das Arbeiten mit iPads. Diese können vom Lehrer an die Schüler ausgegeben und nach dem Unterricht wieder eingesammelt werden. „Anschließend kann der Lehrer sie in einer Spezialtasche alle zusammen wieder aufladen und mit einem Klick sämtliche Daten auf einmal löschen." ORDNUNG Bequem sind außerdem die leichten höhenverstellbaren Schwingstühle in den Fachräumen, auf denen die Mädchen und Jungen auch einmal mit der Brust zur Lehne sitzen und den Rücken entlasten können. Entlastung bringen außerdem neue abschließbare Spinde, in denen die Schüler ihre Schulranzen, Sportkleidung und anderes aufbewahren. „Sie müssen nicht mehr alles von der einen in die andere Klasse tragen und darüber stolpern", haben die in Nieheim planenden Leute aus der Erfahrung Konsequenzen gezogen. Mehr Ordnung und damit mehr Übersichtlichkeit und Ruhe soll es auch im Lehrerzimmer geben. Erreicht wird das unter anderem mit dem Austausch der antiquierten offenen Regale durch abschließbare Schränke. Außerdem soll ein kleiner Teil für ein ruhigeres Arbeiten abgetrennt werden. MÄNGEL Dass es sich bei der Renovierung und Modernisierung um eine nicht nur dem Namen nach sinnvolle Grundsanierung handelt, wird auch daran deutlich, dass die Stadtverwaltung alle Kellerräume und Drainagen im Vorfeld gründlich untersuchen ließ. „Wir haben dabei gravierende Mängel festgestellt", berichtet Dietmar Becker. Deshalb werden die Bagger schon einige Wochen vor den Sommerferien anrücken und das Kellergeschoss freilegen, damit die defekten Abwasserrohre und Drainagen erneuert werden können. FINANZIERUNG Alles in allem hat es den Anschein, dass die Protagonisten und Planer mit dem Architekturbüro Just an alles gedacht und alles bedacht haben, damit diese Sanierung nicht wieder Flickwerk, sondern eine Maßnahme ist, von der Schüler und Lehrer in den nächsten 20 Jahren profitieren können. Finanziert wird die Modernisierung über das Förderprogramm Schule 2020, aus der jährlichen Schulpauschale und über einen zinslosen Kredit, der in zehn Jahren abgelöst sein soll.

realisiert durch evolver group