Erinnerung: Am Ende der Übung gibt’s vor dem „Gott sei Dank ganz gebliebenen Kindergarten“ das Gruppenfoto mit allen Akteuren. - © Josef Köhne
Erinnerung: Am Ende der Übung gibt’s vor dem „Gott sei Dank ganz gebliebenen Kindergarten“ das Gruppenfoto mit allen Akteuren. | © Josef Köhne

Nieheim Mit Blaulicht in den Nieheimer Kindergarten

In Nieheim proben Freiwillige Feuerwehr und Erzieherinnen den Ernstfall.

Nieheim. Es ist 9.17 Uhr. Im städtischen Kindergarten schrillen die Feuermelder. Die Kinder kommen zügig nach draußen, aus den Fenstern quillt grauer Rauch. Draußen müssen sich die Kinder ihren Gruppen entsprechend sammeln, die Erzieherinnen beginnen eilig, jedoch ganz konzentriert zu zählen. Zweimal wird gezählt, ein Kind und eine Erzieherin fehlen. Ins Gebäude kann niemand mehr, stellt Kiga-Leiterin Nicole Gratz fest und fordert die sofortige Alarmierung der Feuerwehr. Den Notruf setzt „Schulkind" Louis ab. Professionell wählt der Junge auf dem Handy die 112 und sagt laut und deutlich: „Hier ist Louis. Der städtische Kindergarten Zur Warte 10 in Nieheim brennt. Ein Kind und eine Erzieherin sind noch im Haus." Den Notruf lernen Gelernt hat der Sechsjährige das Absetzen des Notrufs eine Woche vorher im Feuerwehrgerätehaus. Dort hat er mit den anderen, bald zur Grundschule gehenden Kindern an einer Sicherheitsbelehrung teilgenommen und viel darüber gelernt, was im Brandfall zu tun ist. In der Leitstelle der Feuerwehr hat man Louis gesagt, dass alle Kinder draußen bleiben müssen und alle Türen geschlossen werden sollen. Diese Aufforderung gibt Louis an Nicole Gratz weiter und harrt dann gespannt der Dinge, die da kommen. Da es sich um eine bekanntgemachte Übung handelt, rücken die Einsatzkräfte des Löschzugs Nieheim bereits nach drei Minuten (in Echtzeit länger) mit Blaulicht und Martinshorn an. Geleitet wird die Gruppe von Brandinspektor André Hauswerth. Unmittelbar nach seinem Eintreffen sondiert er die Lage, gibt kurze präzise Anweisungen und fordert Rettungswagen und Verstärkung an. Kinder als Beobachter einer Rettung Während Hauswerth noch telefoniert, öffnen zwei Männer mit Atemschutz die Türen und suchen die vermissten Personen. Die anderen rollen Schläuche aus und beginnen innerhalb weniger Minuten mit dem Löschen. Als Kind und Erzieherin aus dem verrauchten Gebäude geborgen sind, wird der Kindergarten von allen Seiten mit Wasser bespritzt. Währenddessen haben die Erzieherinnen alle Kinder fest im Blick. Wo jemand Angst hat, wird beruhigt, wo jemand voreilig und übermütig ist, wird gebremst. Mit dem Ablauf der Übung sind am Ende sowohl die Kindergartenleitung, als auch der Einsatzleiter sehr zufrieden. „Obwohl die Kinder gut vorbereitet waren, hatten einige Angst vor den in voller Atemschutzausrüstung auflaufenden Feuerwehrleuten. Deshalb ist es gut, dass wir diese Übungen regelmäßig machen", zieht Nicole Gratz ein insgesamt positives Fazit. Wünschen würde sie sich, dass neben der jährlichen Brandschutzerziehung im Feuerwehrgerätehaus eine solche Übung wenigstens alle zwei Jahre stattfindet. Das ist jedoch kaum möglich, weil die ehrenamtlich arbeitenden Rettungskräfte ihrer täglichen Arbeit nachgehen müssen. Nachwuchssorgen bei der Feuerwehr Hier liegt auch ein Problem, das André Hauswerth auf der Seele brennt. „Uns fehlt der Nachwuchs und es ist absehbar, dass wir schon in einigen Jahren nicht genügend Personal haben werden", stellt er nüchtern fest und gibt zu, dass er infolge des sich zuspitzenden Personalmangels bei gleichzeitig steigenden Anforderungen im technischen Bereich - beim Umgang mit Gefahrstoffen und bei Unfällen manchmal gefrustet ist. Beim Umgang mit den Kindern ist davon jedoch nichts zu merken. Der 39-jährige stellvertretende Zugführer des Löschzugs Nieheim beruhigt, erklärt und gibt leicht verständliche Anweisungen. Und warum nimmt er sich soviel Zeit für die Fragen der Kinder? „Weil ich hoffe, das eine oder andere Kind für die Feuerwehr zu interessieren. Am jedem Donnerstag trifft sich um 18 Uhr die Jugendfeuerwehr im Gerätehaus. Teilnehmen können Kinder ab 10 Jahren. Vielleicht treffe ich ja mal eines von denen hier wieder", schaut sich der engagierte Brandinspektor um und fügt mit einem resignierenden Unterton hinzu: „Wir waren bei allen Familientagen mit großem Gerät, starker Mannschaft und kindgerechten Spielen vertreten. Interessiert haben sich viele, angemeldet hat sich keiner." Umso mehr freut ihn, dass die Erzieherinnen des städtischen Kindergartens sich selbst an die Feuerwehr wenden und um solche Übungen bitten. „Sie haben erkannt, dass man den Kindern die Angst nehmen muss. Heute ist das offensichtlich gut gelungen." Von der Provinzial-Versicherung bekamen alle Kinder einen Aufkleber für die Tür des Kinderzimmers. „Beim Brand können die Einsatzkräfte sofort erkennen, wo das Kinderzimmer ist und gezielt nach Kindern suchen", gibt Hauswerth noch einen Tipp für alle Haushalte mit Kindern auf den Weg.

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