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Imposanter Anblick: Wo die Windkraftzonen zu dicht beieinander sind, bleibt für den Rotmilan wohl doch nicht genügend Raum. - © Josef Köhne
Imposanter Anblick: Wo die Windkraftzonen zu dicht beieinander sind, bleibt für den Rotmilan wohl doch nicht genügend Raum. | © Josef Köhne

Nieheim/Kreis Höxter Windräder töten Rotmilane im Kreis Höxter

Ornithologen und Biologen sorgen sich um die bedrohten Tiere

Josef Köhne
30.04.2019 | Stand 29.04.2019, 19:54 Uhr

Kreis Höxter. So harmonisch, wie ein Foto von einem Rotmilan im Jahrbuch 2019 des Kreises Höxter vermuten lässt, gehen Natur und Technik in der Region zwischen Egge und Weser dem Anschein nach doch nicht zusammen. Den Beweis dafür könnten Fotos liefern, auf denen die von Windkraftanlagen zerfetzten Vögel zu sehen sind. Der letzte dieser von Rotorblättern getöteten Greifvögel wurde Ende März beim Windpark Holzhausen von einem Landwirt gefunden. Kurze Zeit zuvor lag ein geschredderter Rotmilan in der Nähe der Pömbser Windräder. Gegenüber nw.de berichteten besorgte Vogelschützer von fünf in letzter Zeit durch Rotorschlag ums Leben gekommene Tiere. Damit, so ihre Befürchtung, sind die Bestände erheblich bedroht. Denn wenn die Altvögel umkommen, sei auch die ganze Brut vernichtet. Forderung: Windräder während der Flugzeiten abschalten Für die Natur- und Vogelschützer kann das Gebot der Stunde deshalb nur lauten: „Die vorhandenen Windräder müssen während der Flugzeiten der streng geschützten Rotmilane abgeschaltet werden und es dürfen keine weiteren Windkraftanlagen im Kreis Höxter mehr genehmigt werden." In Holzhausen befindet sich der Horst des Rotmilans etwa 350 Meter vom Windpark entfernt. Laut Lars Lachmann, Artenschutzreferent des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), sollte der Abstand jedoch nicht weniger als etwa 1.500 Meter betragen. Sofern sich die Windkraftlobby mit ihrem Vorhaben, in der Nähe von Steinheim mehrere weitere Windkraftanlagen zu errichten, durchsetzen sollte, befürchten die Ornithologen, dass man den majestätischen Segler zwischen Brakel, Marienmünster, Bad Driburg und Steinheim schon bald nicht mehr zu Gesicht bekommen könnte. Besondere Verantwortung Lachmann zufolge haben Rotmilane bei uns vor allem deshalb eine Überlebenschance, weil sie sehr alt werden. Ausdrücklich weist der Ornithologe darauf hin, dass Deutschland beim Schutz des Rotmilans eine besondere Verantwortung zukomme. „50 Prozent seiner weltweiten Bestände sind bei uns. Wenn er hier keinen Lebensraum mehr findet, ist das schlimm", so Lachmann. Wie hoch die Zahl der bundesweit von Rotorblättern zerteilten Rotmilane ist, lässt sich laut Lachmann nur schätzen. „Wir glauben nicht, dass die Betreiber von Windkraftanlagen oder Landwirte, die von ihnen profitieren, tote Vögel melden", meint der Experte. Ein Landwirt ist sogar der Meinung, dass einige Flächen von den Betreibern systematisch nach erschlagenen Tieren abgesucht werden, so dass diese keinesfalls in der Statistik auftauchen können. Auf ein anderes Problem weist Wilfried Limpinsel von der Ausgewöhnungsstation für Greifvögel in Essentho hin. „Es werden nur ganz wenige verendete Tiere gefunden und gemeldet, weil sie zum Beispiel von Füchsen, Krähen oder Mardern gefressen werden. Uns tut es immer weh, wenn zum Beispiel nur eine Schwinge abgeschlagen wurde und die Milane dann kläglich verenden."

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