Neu formiert: Nach dem Umbruchprozess der vergangenen Jahre erfreut sich der Spielmannzug wieder großer Beliebtheit. Fotos: Privat - © Privat
Neu formiert: Nach dem Umbruchprozess der vergangenen Jahre erfreut sich der Spielmannzug wieder großer Beliebtheit. Fotos: Privat | © Privat

Sommersell Der Spielmannszug Sommersell feiert 85-jähriges Bestehen

Musik: Dank intensiver Werbung wächst die Zahl der aktiven Spieler wieder

David Schellenberg

Sommersell. Natürlich geht es auch um den guten Ton und schöne Melodien. „Im Mittelpunkt steht aber der Spaß an der Musik und der Gemeinschaft", sagt der Vorsitzende des Spielsmannszuges Sommersell, Christian Pamme. Der Gleichklang von Spielfreude und Geselligkeit ist das Erfolgsrezept des Vereins, mit dem er inzwischen auch wieder junge Musiker begeistern kann. Und so feiert der Spielmannszug am Sonntag, 23. September, sein 85-jähriges Bestehen mit einem großen Fest. Dabei ist die Gruppe eigentlich sogar noch ein bisschen älter, wie ein Blick in die Vereinschronik beweist: Im Jahr 1932 fanden sich zunächst acht musikliebende Mitglieder des Heimatschutzvereins Sommersell zusammen, um gemeinsam zu musizieren. „Als erste Musikstücke wurden die Märsche ,Preußens Gloria’ und der ,Liebenmarsch’ eingeübt", heißt es in der Historie. Gespielt wurde – damals wie heute – natürlich beim heimischen Schützenfest und Festen benachbarter Orte. Zu den Auftritten in den Nachbardörfern fuhr man damals übrigens mit dem Fahrrad. »Keiner wird wegen Talentfreiheit ausgeschlossen« Mit dem Zweiten Weltkrieg erstarb das Vereinsleben – die meisten Mitglieder wurden zur Wehrmacht eingezogen. Entsprechend mühsam war der Neubeginn 1948 – mit nur fünf Spielleuten. Doch mit großer Spielfreude konnte der Spielmannszug 1950 beim Tambourwettstreit in Fürstenau den 1. Preis erringen. Hiervon zeugt bis heute eine handgemalte Ehrenurkunde. Auftritte, Feste und Vereinsfahrten sogar ins Ausland zeugen von einem regen Vereinsleben in den folgenden Jahrzehnten. Anfang 1980 hatte der Verein rund 45 aktive Spielleute. Seit den 1990er Jahren sank das Interesse am gemeinsamen Musizieren, was auch der Sommerseller Spielmannszug zu spüren bekam. Ältere Musiker schieden aus, Jugendliche zeigten wenig Interesse. Das Vereinsleben ändere sich überall, resümiert der Vorsitzende. Wer früher Kontakte und Geselligkeit suchte, musste sich einem Verein anschließen. Heute gibt es soziale Netzwerke und Online-Spiele, mit denen die Vereine konkurrieren. „Es gab Zeiten, da sind wir mit zwölf Leuten angetreten. Die Musik klingt dann nicht mehr schön und Spaß macht es auch nicht", findet Christian Pamme ehrliche Worte. Gemeinsam stellten die Spielleute die Existenz des Vereins in Frage – entschieden sich aber für einen Neuanfang. Pamme übernahm in dieser schwierigen Phase den Vorsitz. Freude über den niedrigen Altersdurchschnitt Mit Erfolg. Gezielt wurden Jugendliche angesprochen, das Repertoire ergänzt und erweitert. Sogar das Fanfarenspiel wurde wieder begonnen – um die Auftritte abwechslungsreicher gestalten zu können. „Der Vorteil gegenüber Musikvereinen ist, dass sich bei uns die Instrumente einfacher erlernen lassen", sagt Pamme. Die Hürde zum Mitmachen sei so niedrig, dass keiner wegen Talentfreiheit ausgeschlossen sei. Ohne ein bisschen Übung gehe es allerdings nicht, ergänzt er. Und so hat er Spielmannzug heute nicht nur wieder 30 Spielleute, sondern auch einen niedrigen Altersdurchschnitt. Für die nächsten 85 Jahre wünscht sich der Vorsitzende, dass die Musiker viele Zuhörer mit ihrer Spielfreude anstecken können und immer wieder junge Leute zum Mitmachen begeistern können. Bleibt die Frage, warum der Verein nicht schon im vergangenen Jahr seinen Geburtstag gefeiert hat? Das liegt an seinem „großen Bruder", dem Musikverein Sommersell, verrät Christian Pamme. Der ist nämlich genau 20 Jahre älter und würde stets im gleichen Jahr groß feiern. Und so lassen die Spielleute den Musikern in diesem Fall den Vortritt. Bei den gemeinsamen Auftritten aber marschiert der Spielmannszug voran.

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