Verendet: Der Fischereiverein hat viele tote Fische aus der Emmer gesammelt – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein, schätzt der Vorsitzende des Oeynhauser Fischereivereins, Rainer Heinemann. Foto: Privat - © Privat
Verendet: Der Fischereiverein hat viele tote Fische aus der Emmer gesammelt – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein, schätzt der Vorsitzende des Oeynhauser Fischereivereins, Rainer Heinemann. Foto: Privat | © Privat

Oeynhausen Emmer verseucht – alle Fische tot

Verdacht gegen 47-jährigen Landwirt. Polizei ermittelt

David Schellenberg

Oeynhausen. Beim Blick in die Emmer ist der Vorsitzende des Fischereivereins Oeynhausen, Rainer Heinemann, schier entsetzt: Milchig zieht das wenige Wasser vorbei. Überall tote Fische. „Auf zwei Kilometern ist die Emmer tot", sagt er fassungslos. Es ist nicht der erste Fall dieser Art in Oeynhausen. Am Samstagmorgen entdeckte ein Anwohner den erneuten Umweltskandal. Schnell waren Feuerwehr, Polizei und die Untere Wasserbehörde vor Ort. Auch wenn die Löschgruppe Oeynhausen sofort an drei Stellen frisches Wasser in die Emmer leitete – die Fische konnten nicht mehr gerettet werden. „Ich schätze, dass etwa 1.000 Fische verendet sind", sagt Heinemann im Gespräch mit nw.de. Tote Forellen, Koppen, Elritzen hat der Verein herausgesammelt. Und auch Äschen. Der Süßwasserfisch kommt in der Emmer nur sehr selten vor und gilt als gefährdet. Rund zwei Kilometer lang ist der verseuchte Abschnitt, schätzt Heinemann. Er zieht sich von Höhe Sportplatz bis zur Einmündung des Mühlenbachs. Ab dort wird die Lage besser, denn der Mühlenbach, der derzeit gut Wasser führt, verdünnt die verseuchte Brühe ausreichend. Die Polizei hat bereits am Samstag die Ermittlungen aufgenommen, bestätigt Polizeisprecher Georg Arendes. Nach bisherigem Ermittlungsstand steht ein 47-jähriger Landwirt aus Oeynhausen in Verdacht, den Schaden verursacht zu haben, in dem er „fauliges Wasser" von seinem Hof über einen Regenwasserkanal in die Emmer leitete. Die Untere Wasserbehörde hat eine Wasserprobe gezogen, deren Ergebnis allerdings noch aussteht, wie Kreissprecherin Silja Polzin erklärt. Der niedrige Wasserstand und die hohen Wassertemperaturen können laut Rainer Heinemann nicht für den Tod der Fische verantwortlich sein. „Wir schauen derzeit fast täglich in unseren Gewässern nach und messen auch die Wassertemperatur." Vor der Einleitung des Brackwassers habe es keine toten Fische gegeben. Etwa 500 tote Tiere hat der Fischereiverein gemeinsam mit Helfern aus der Emmer geborgen – alle, die sie finden konnten. „Etwa die Hälfte", schätzt der Fischereivereinsvorsitzende. Den Rest werden in den kommenden Tagen wohl die Waschbären holen. Wie lange es dauern wird, bis sich die Emmer von diesem Schaden erholt, ist völlig offen. 5.000 selbstgezüchtete Setzlinge (heimische Bachforellen) hat der Fischereiverein in den vergangenen Jahren jeweils eingesetzt, um einen neuen Bestand aufzubauen und auch den Schaden der Umweltvergehen vor zwei Jahren zu beheben. „Nun müssen wir wieder von vorn anfangen. Das ist besonders ärgerlich", sagt Heinemann, der zugibt, dass es angesichts solcher Taten schwer ist, sich zu motivieren. Denn allein die Entwicklung der Setzlinge sei mit einem enormen Aufwand verbunden. Drei bis vier Jahre dauert es in der Regel, bis ein neuer Fischstamm aufgebaut ist. In wie weit sich der Landwirt vor Gericht verantworten muss, werden die weiteren Ermittlungen zeigen. Bei den Verunreinigungen vor zwei Jahren sind die Landwirte vergleichsweise glimpflich davon gekommen.

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