Abschied von einer Institution: Johannes Kunstein ist im Alter von 70 Jahren gestorben. - © David Schellenberg
Abschied von einer Institution: Johannes Kunstein ist im Alter von 70 Jahren gestorben. | © David Schellenberg

Trauer um Ehrenkreisbrandmeister Johannes Kunstein: „Er hat die Feuerwehr gelebt“

Nachruf: Ehrenkreisbrandmeister Johannes Kunstein ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Kameradschaft und Geselligkeit standen für ihn stets im Mittelpunkt

David Schellenberg

Nieheim/Kreis Höxter. Den geplanten Empfang zum 70. Geburtstag hat er bereits abgesagt – eine Feier im Kreis seiner Familie war ihm Mitte Juni noch einmal vergönnt: Am Montag starb nach langer und schwerer Krankheit der Ehrenkreisbrandmeister Johannes Kunstein. Sein Leben hat der Nieheimer der Familie und der Feuerwehr gewidmet. „Er hat die Feuerwehr gelebt", würdigte Kreisbrandmeister Rudolf Lüke die Leidenschaft seines Vorgängers für das Feuerwehrwesen. Im Mittelpunkt standen dabei für ihn immer die zu rettenden Menschen und die Kameradschaft der Helfer. Sein Motto: „Was nützen uns die besten Maschinen, wenn die Kameradschaft nicht stimmt." So widmete er die an ihn verliehene Nieheimer Ehrenamtsmedaille im Jahr 2012 allen Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr. „Mit ihm verliert die Feuerwehr im Kreis Höxter eine Institution", erklärte Lüke. Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr mit 18 Jahren Bereits 1967 – im Alter von 18 Jahren – trat er in die Freiwillige Feuerwehr ein. 1983 bis 1991 war er stellvertretender Stadtbrandmeister von Nieheim, bevor er für zehn Jahre das Amt des Stadtbrandmeisters übernahm. 2001 wurde ihm die Aufgabe des stellvertretenden Kreisbrandmeisters angetragen, nur ein Jahr später übernahm er die Führungsverantwortung im Kreis und behielt sie bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2011. Als Ehrenkreisbrandmeister setzte sich er sich gemeinsam mit Josef Föckel bis zum Schluss vor allem für die Ehrenabteilung der Feuerwehren und deren Gemeinschaftspflege ein. Bekannt war der Nieheimer, der vier Kinder und eine Ehefrau hinterlässt, auch als Bezirksschornsteinfegermeister. Dabei wollte er die Familientradition in siebter Generation eigentlich gar nicht fortsetzen, sondern nach dem Volksschulabschluss Schlosser werden. Doch als sein älterer Bruder Ferdi den Beruf des Schornsteinfegers aufgeben musste, stieg er fortan den Nieheimern aufs Dach. 2012 übernahm sein Sohn Stefan das Amt. Mitglied in vielen Vereinen Auch Geselligkeit hat Johannes Kunstein großgeschrieben. Bereits mit 27 Jahren war er Prinz der Nieheimer Karnevalsgesellschaft, gehörte dem NKG-Elferrat an. Mitgliedschaften im Heimatverein, bei den Alten Schützen und in der Kolpingsfamilie waren ihm wichtig. So wie auch der Fußball. Er selbst spielte von der Jugend an in allen Abteilungen des FC Nieheim, war später stellvertretender Vorsitzender und stolzer HSV-Fans. Eine Leidenschaft waren alte Traktoren, von denen er jüngst noch zwei besaß: einen Deutz und einen Fahr. Die langsamen Fahrten durch die Nieheimer Landschaft waren für ihn ein Genuss und Glück. Dass er trotz schwerer Krankheit noch ein paar Jahre leben durfte, empfand der gläubige Katholik als großes Geschenk. Ebenso wie die große Unterstützung durch seine Familie. Jeden Tag hat er dankbar angenommen und diese Freude nach außen ausgestrahlt. Das wird von ihm in Erinnerung bleiben.

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