Nieheim Kaminkehrer tauscht Job gegen Rennrad

Glückstour: Auf einer 1.000 Kilometer langen Radtour quer durch Deutschland sammeln Schornsteinfeger Geld für krebskranke Kinder. Mit dabei ist auch Stephan Kunstein aus Nieheim

Corina Trummer
23.07.2016 | Stand 22.07.2016, 20:39 Uhr

Nieheim. Stephan Kunstein nickt zufrieden. Auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz steht er im Radtrikot neben seinen Kollegen und klatscht in die Hände. Gerade wurde eine Spende an eine Elterninitiative übergeben, die krebskranken Kindern hilft. Normalerweise arbeitet Stephan Kunstein als Bezirksschornsteinfeger in Nieheim - und das bereits in achter Generation. Doch vor ein paar Wochen bekam er einen Anruf, er könne bei der Glückstour der Schornsteinfeger mit dem Rad mitfahren. "Zuerst fiel ich aus allen Wolken", so Kunstein, denn gerechnet hatte er damit nicht mehr. Die Glückstour der Schornsteinfeger gibt es seit elf Jahren. Immer eine Woche vor dem Bundesverbandstag der Zunft wechseln engagierte Kaminkehrer ihre Arbeitskleidung gegen Radtrikot und Rennrad. Dann fahren sie knapp 1.000 Kilometer quer durch Deutschland, um Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln. Kunstein erfuhr eine Woche vor dem Tourstart davon. "Das war sehr knapp, doch dann sagte ich mir, das ziehe ich jetzt durch." Auf der Tour gab es Tage, die waren körperlich sehr anstrebend, erinnert sich der junge sportliche Schornsteinfeger zurück. "Doch das 30-köpfige Team trägt dich einfach mit", so Kunstein. Wenn dann Stephan Kunstein von seinen Erlebnissen während der Toure erzählt, steckt er voller Emotionen. Jede Einfahrt zu einer Spendenübergabe auf den Etappen habe ihn total bewegt. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich jedes Mal so von Herzen darüber freue, wenn wieder Gelder den Besitzer wechseln". Vereine, Hospize, Institutionen oder Elterninitiativen die krebskranken Kindern helfen wurden dabei mit Spenden bedacht. Und diese erzählten dann, wofür das Geld genutzt werden soll. Manchmal für eine Arztstelle, dass die Kinder nicht ständig mit wechselnden Ärzten zu tun haben oder für ein Fruchtalarm-Projekt. Dabei können Kinder direkt am Krankenhausbett aus frischem Obst selbst ihren Fruchtcocktail mixen. Für krebskranke Kinder eine tolle Sache. Denn oftmals leide der Geschmackssinn bei den Patienten nach bestimmten Behandlungen. Dann wieder frisches Obst schmecken zu können sei eine super Erfahrung, erzählten die Verantwortlichen des Projektes. "Man kann so viel mobilisieren, wenn man es nur tut", erzählt Kunstein voller Begeisterung. "Und dabei ging es immer nur um die Sache, für krebskranke Kinder Geld zu sammeln und um diesen zu helfen." Oft wurde der 44-Jährige von Freunden gefragt, wie es denn gewesen sei, die vielen Kilometer und den ganzen Tag im Sattel. Doch Kunstein schüttelte nur den Kopf. "Das war so unbedeutend, wenn man bedenkt, welche Schicksale die Kinder und deren Familien haben und was diese manchmal an Last tragen müssen." Und sofort sei er wieder im Glückstourfieber. "Ich möchte so gern ganz viele Leute hier Zuhause auf diese Reise mitnehmen", meint Kunstein und schmunzelt. Dabei sah er seine Rolle in der Glückstour als ein Teil des Ganzen. Doch was er dabei tat, per Rennrad durch Deutschland fahren, sei nichts im Vergleich zu dem, was die Kinder manchmal über lange Zeiträume ertragen müssen. "Es war für mich manchmal schockierend, als ich von den Qualen mancher Kinder hörte und mich dann wieder auf den Sattel setzte, um im Sonnenschein weiter zu fahren. Das war eine sehr einprägsame Erfahrung für mich", meint Kunstein nachdenklich. Der verheiratete Mann aus Nieheim sei froh, dass er zwei gesunde Kinder habe. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer der Schmerz sein muss, für die Eltern ebenso wie für die Kinder." Kunstein war sehr begeistert von den Organisatoren wie zum Beispiel Ralf Helbrok. "Er ist der gute Geist auf der Tour. Seine einfühlsame und sehr herzliche Art hat uns alle in den Bann gezogen." Stephan Kunstein möchte auch im nächsten Jahr wieder auf Glückstour gehen. Doch im Vorfeld werde er intensiv Spenden sammeln. Wer Interesse hat oder mehr dazu erfahren möchte findet im Internet unter www.glückstour.de weitere Informationen.

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