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Nutzer der Rennstrecke sollen nach Wunsch der Betreiber zukünftig auch vermehrt in den Mittagsstunden sowie an Sonn- und Feiertagen ihre Autos auf der Bahn testen können. - © ARCHIVFOTO: ANDREAS ZOBE
Nutzer der Rennstrecke sollen nach Wunsch der Betreiber zukünftig auch vermehrt in den Mittagsstunden sowie an Sonn- und Feiertagen ihre Autos auf der Bahn testen können. | © ARCHIVFOTO: ANDREAS ZOBE
Nieheim

"Immissionsgrenzwerte einhalten"

Nieheimer Rat verfasst Stellungnahme zu Änderungsplänen am Bilster Berg

von Wolfgang Tilly
22.08.2014 | Stand 20.08.2014, 21:06 Uhr

Nieheim. Ein nicht unerheblicher Änderungsantrag für die zukünftige Nutzung der Test- und Präsentationsstrecke am Bilster Berg durch den Betreiber ist nun erneut der Auslöser, dass sich in der Stadt Nieheim die Rennstrecken-Gegner wieder formieren, um das geplante Mehr auf der Teststrecke zu verhindern. Auch die Nieheimer SPD-Fraktion sieht eine höhere Lärmbelastung der Anwohner und zwingt den Rat mit einem Antrag zu einer Stellungnahme.

Die Bilster Berg Drive Resort hatte im Juni beim Kreis Höxter einen Antrag eingereicht, den Lärmpegel um bis zu drei Dezibel an der Strecke erhöhen und den Fahrbetrieb ausweiten zu dürfen. Der Antragsteller geht davon aus, dass auf Grundlage der in den vergangenen Monaten erhobenen Echtdaten die vom Verwaltungsgericht in dem damaligen Genehmigungsverfahren festgelegten Lärmschutz-Höchstwerte auch mit der geplanten Änderung nicht überschritten werden. Das dadurch ermöglichte Mehr an Verkehr auf der Strecke bedeutet nach Ansicht der Betreiberfirma eine wesentlich bessere Wirtschaftlichkeit des Betriebs.

Im Moment schreibt der Bilster Berg tiefrote Zahlen. Die Rede ist von 2,8 Millionen Euro Verlust im Jahr 2013. Auch für 2014 ist ein millionengroßer Verlust prognostiziert.

Der SPD-Ratsherr und Mitbegründer der Bürgerinitiative "Ruhe am Bilster Berg", Ulrich Kros, setzte die Auswirkungen des Änderungsantrages gleich mit der vom Verwaltungsgericht Minden damals außer Kraft gesetzten ersten Genehmigung des Kreises Höxter. "Das Verwaltungsgericht hatte in seiner Entscheidung den Verkehr auf der Rennstrecke auf 25 Prozent reduziert", sagte er und glaubt nun an eine künftige Vervierfachung im täglichen Betrieb. Nieheims Bürgermeister Rainer Vidal, der die im Rat vorgestellte und zur Abstimmung beratende Stellungnahme eigens vorbereitet und mit den Spitzen der Ratsfraktionen im Vorfeld abgestimmt hatte, sieht das Ganze aus Sicht eines Verwaltungsbeamten. "Auch wenn ich kein Freund vom Motorsport bin, muss ich mich an das vom Verwaltungsgericht festgelegte Recht halten", meinte er in Richtung der ihm gegenüber sichtlich erbosten Mehrheit der etwa 70 Besucher der Ratssitzung.

Diese hatten ihm mangelnde Unterstützung der lärmgeschädigten Anwohner und ein Pro für die Teststreckenbetreiber unterstellt. Auch wollte er unter den Besuchern einige ausgemacht haben, die als Nieheimer der Test- und Präsentationsstrecke positiv gegenüberständen. Von denen hatte sich aber niemand während der unterbrochenen Ratssitzung zu Wort gemeldet.

In der Stellungnahme heißt es unter anderem: "Für die Stadt Nieheim hat der Schutz der von dem Betrieb der Strecke betroffenen Einwohner eine hohe Priorität". Deswegen müsse im Falle der Genehmigung des Änderungsantrages gewährleistet werden, "dass die Immissionsgrenzwerte an den Immissionspunkten unbedingt einzuhalten sind." Ein besonderes Anliegen der Stadt sei die Beibehaltung der Mittagsruhe an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 15 Uhr.

Das diskutierte Papier wurde von den Rennstrecken-Gegnern vom Inhalt her als viel zu schwach angesehen. Nach ihren Bekundungen reicht es nicht aus, dass nur auf die Beibehaltung der Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr eingegangen wurde.

Im Gegensatz zu CDU und UWG, denen der Inhalt der Stellungnahme so ausreichend war, befand sich die SPD auf der gemeinsamen Linie mit den Widersachern im Besucherraum. Sie stimmten aber der Erklärung mit der Begründung zu, dass dies die einzige Möglichkeit sei, mit einer gemeinsamen Stimme im Rat, wenn auch etwas schwach, zu signalisieren, dass die Bürger vor weiteren Belästigungen durch die Test- und Präsentationsstrecke geschützt werden sollen.

Bei einer Gegenstimme wurde die Stellungnahme mehrheitlich in Richtung Kreis Höxter auf den Weg gebracht.

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