Aufzucht: Laut Wildparkleiter Robert Willeke lecken die Welpen das Maul der ausgewachsenen Wölfe, um Futter zu ergattern. Besonders lecker sei es für sie, wenn die Altwölfe für den Nachwuchs halb verdaute Fleischstücke erbrechen. - © Mareike Gröneweg
Aufzucht: Laut Wildparkleiter Robert Willeke lecken die Welpen das Maul der ausgewachsenen Wölfe, um Futter zu ergattern. Besonders lecker sei es für sie, wenn die Altwölfe für den Nachwuchs halb verdaute Fleischstücke erbrechen. | © Mareike Gröneweg

Holzminden Wolfsnachwuchs im Wildpark Neuhaus

Tierkinder: Fünf Welpen sind zu dem 13-köpfigen Rudel hinzugekommen. Sie sind acht Wochen alt und laufen bereits zwischen den Altwölfen im Gehege herum. Der Wurf wird komplett im Wildpark bleiben

Mareike Gröneweg

Neuhaus. Wenn Wildparkleiter Robert Willeke mit seinem weißen Eimer voller Schlachtabfälle zum Wolfsgehege geht, versammelt sich das Rudel im Pulk. Mit weit aufgerissenen Augen beobachten sie die Hand Willekes. Zwischen den 13 ausgewachsenen Wölfen tollen fünf Welpen herum. Wenn das Fleischstück in ihre Richtung fliegt, büxen die Kleinen noch aus. „Aber die werden in den nächsten Wochen immer mutiger", prophezeit Willeke. Seit acht Wochen leben die Wolfswelpen in der Walderlebniseinrichtung der Niedersächsischen Landforsten. Laut Willeke sind es drei Rüden und zwei Wölfinnen. Das Wolfsgehege erstreckt sich auf 11.000 Quadratmeter und wurde bis auf den Badeteich von den Tieren selbst gestaltet und eingerichtet. „Sie haben ein weit verzweigtes Bausystem aufgebaut. Auch der Bau für die Jungen wurde von ihnen in zwei Meter Tiefe gegraben", berichtet Willeke. „Die Altersstruktur der Wölfe ist so, dass wir das Rudel verjüngen wollten." Der 63-Jährige freut sich über den Nachwuchs: „Ich freue mich besonders, weil der Wurf zeigt, dass die Wölfe hier unter optimalen Bedingungen leben." Würden Nahrung oder Lebensraum nicht ausreichen, hätten die Wölfe sich laut Willeke nicht fortgepflanzt. Dass es überhaupt Wolfswelpen gibt, war von dem Wildpark geplant: „Die Altersstruktur der Wölfe ist so, dass wir das Rudel verjüngen wollten." Die biologische Uhr der Wölfe ticke schließlich und daher sei Nachwuchs aus den eigenen Reihen wünschenswert. Der Alphawölfin wurde ihr sonst mit dem Futter verabreichtes Verhütungsmittel nicht gegeben, so dass sie trächtig werden konnte. Dass die Welpen bald kommen, hat das Team des Wildparks bereits am Verhalten der Wölfe gemerkt. „Die Mutter hat sich viel zurückgezogen und ihre Wurfhöhle eingerichtet", berichtet Willeke. Und als die Welpen auf der Welt waren, habe er dem Rudel mehr Lebensfreude angemerkt und sie hätten deutlich häufiger geheult. „Die Welpen erfahren auf jeden Fall Geborgenheit in Anwesenheit der anderen Wölfe." Besonders die jungen Wölfinnen reißen sich laut Willeke um den begehrten Job des Kindermädchens und tigern um die Alphawölfin herum. „Die Welpen erfahren auf jeden Fall Geborgenheit in Anwesenheit der anderen Wölfe." Die Entwicklung der kleinen Vierbeiner werde in den nächsten Wochen rasant weiterlaufen: „Wölfe entwickeln sich schneller als Hunde. Die Welpen gehen jetzt durch eine harte Wolfsschule, müssen Regeln akzeptieren und werden durch Raufen und Zergeln auf das Jagen vorbereitet", weiß Willeke. Vor zwei Wochen hätten sich die Kleinen noch nicht zur Fütterung zwischen die Altwölfe gestellt. Heute schon. Jetzt fehlt noch eine Portion Mut, auf den geworfenen Fleischhappen von Robert Willeke auch zuzusteuern. Aber momentan lecken sie lieber am Maul eines Altwolfes und hoffen auf ein bisschen ausgebrochenes und halb verdautes Futter. Das mag für Menschen weniger delikat klingen, für einen Wolfswelpen sei es jedoch ein Gaumenschmaus.

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