NIEHEIM Hauptschule hat ausgespielt

Nieheim will neues pädagogisches Konzept mit nur einer weiterführenden Schule

VON KAROLINE DÜWEL
Bürgermeister Rainer Vidal sieht für die Hauptschule keine Zukunft. - © FOTO: DÜWEL
Bürgermeister Rainer Vidal sieht für die Hauptschule keine Zukunft. | © FOTO: DÜWEL

Nieheim. Gerade erst wurde die kreisweite Schulentwicklungsplanung von Dr. Ernst Rösner vorgestellt, in den Städten des Kreises Höxter wird eifrig über die Zukunft der Schullandschaft diskutiert. In Nieheim hingegen werden Fakten geschaffen - die Hauptschule soll kurzfristig schließen.

Bereits in der Schulausschusssitzung am 13. Oktober wird über eine Verwaltungsvorlage beraten werden, die die sukzessive Auflösung der Schule am Holsterberg zum Thema hat. Wahrscheinlich am 18. Oktober wird die Beschlussfassung in der Ratssitzung folgen. Dies berichtete Bürgermeister Rainer Vidal in einem Pressegespräch.

Er begründet die Eile damit, dass den Eltern Planungssicherheit gegeben werden soll. Sein Ziel ist es, den Bildungsstandort der Sekundarstufe eins in Nieheim zu sichern. Die prognostizierten Anmeldezahlen der Hauptschule deuten darauf hin, dass diese in den nächsten Jahren ohnehin auslaufen werde. Der Schließung durch die Bezirksregierung will Vidal zuvorkommen und stattdessen die Realschule stärken.

In einer interfraktionellen Arbeitsgruppe, der neben den politischen Vertretern auch Vertreter der Schulpflegschaften, der Schulleitungen und der Bezirksregierung angehören, wurde ein Vorschlag erarbeitet, der nun als Verwaltungsvorlage in den Fraktionen und politischen Gremien beraten wird. Zum Schuljahr 2012/13 wird es, die Zustimmung der Gremien vorausgesetzt, an der Gemeinschaftshauptschule Nieheim keine Einschulungen mehr geben.

Die Schüler, die dort aktuell in den Klassen fünf bis zehn unterrichtet werden, erhalten die feste Zusage, ihre Schullaufbahn wie geplant in Nieheim zu Ende bringen zu können. Auch zukünftig sollen Kinder mit Hauptschulempfehlung in der Weberstadt unterrichtet werden.

Dazu soll in den nächsten zehn Monaten von Haupt- und Realschule gemeinsam ein pädagogisches Konzept erarbeitet werden, dass der bedarfsgerechten Förderung der Schülerinnen und Schüler an der Realschule Rechnung trägt. Somit soll leistungsstarken und leistungsschwachen Kindern und Jugendlichen Bildungserfolg zugesichert werden. Als fester Bestandteil des Konzeptes soll die Schulsozialarbeit verankert werden. Bereits jetzt sind unter den 515 Realschülern 90, die eine Hauptschulempfehlung haben. "Es würden ohnehin in den nächsten Jahren mehr", berichtet Realschulleiter Thomas Novian.

Für Bürgermeister Rainer Vidal ist dieses Vorgehen alternativlos. Eine Sekundarschule schließt er für Nieheim aus, denn dazu bräuchte es mindestens 75 Anmeldungen. Derzeit gäbe es aber nur rund 70 Kinder in der entsprechenden Altersklasse in Nieheim. "Und wir werden nicht in die Belange anderer Schulträger eingreifen", erteilt Vidal auch der Möglichkeit einer Elternbefragung in Nieheim und den umliegenden Städten eine Absage. "Eine Auswirkung auf die Schulentwicklungsplanung anderer Städte ist nicht zu erwarten", betont er.

Dennoch will er den Bildungsstandort Nieheim auch im Wettbewerb mit anderen Kommunen stärken. Ein Abwerben von Nieheimer Schülern mit Hauptschulempfehlung, beispielsweise nach Marienmünster, befürchtet er nicht. "Wir haben ein sehr gutes Angebot an der Realschule", so seine Aussage. Dort können derzeit fünf Abschlüsse gemacht werden: der Hauptschulabschluss nach neun oder zehn Jahren, der mittlere Abschluss, sowie die Abschlüsse mit dem sogenannten Q-Vermerk und "Super-Q-Vermerk".

Der Schulausschussvorsitzende Ulrich Kros fasste das Vorhaben zusammen: "Es kommt nicht darauf an, was drauf steht, sondern was im Kern passiert." Die Rolle der Realschule in der neuen konzeptionellen Ausrichtung der Schullandschaft in Nieheim betrachtet Kros als eine "Stadtschule", in der alle Möglichkeiten außer der Sekundarstufe zwei gegeben sind. Für die Konzepterarbeitung stehen 10.000 Euro zusätzlich zur Verfügung.

Die gleichzeitige Beschulung von Kindern mit Haupt- und Realschulempfehlung soll unter anderem durch die stundenweise Unterrichtung in kleineren Gruppen mit unterschiedlichem Förderbedarf und durch ein Fach soziales Lernen erfolgen. Die Realschule Nieheim ist eine von drei Schulen im Kreis Höxter, die bereits jetzt das Gütesiegel für individuelle Förderung tragen.

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