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Studentin Daniela Rutica, Ägyptologe Prof. Dr. Rainer Hannig, Eva Zimmermann-Meinardus, Bürgermeister Alexander Fischer, Bischof Anba Damian sowie die Krippensammler Manfred und Rosemarie Lipienski (v. l.) im Innenhof der barocken Klosteranlage. - © FOTO: BURKHARD BATTRAN
Studentin Daniela Rutica, Ägyptologe Prof. Dr. Rainer Hannig, Eva Zimmermann-Meinardus, Bürgermeister Alexander Fischer, Bischof Anba Damian sowie die Krippensammler Manfred und Rosemarie Lipienski (v. l.) im Innenhof der barocken Klosteranlage. | © FOTO: BURKHARD BATTRAN

BRENKHAUSEN "Ein seltener Glücksfall"

Kloster Brenkhausen feiert den 300. Jahrestag seines Baubeginns

VON BURKHARD BATTRAN
09.09.2010 | Stand 08.09.2010, 22:10 Uhr

Brenkhausen. Heute, auf den Tag genau vor 300 Jahren ist mit dem Bau des Klosters in Brenkhausen in seiner bis heute bestehenden Form begonnen worden. "9. September 1710", so steht es verwittert und kaum noch lesbar, aber in Stein gemeißelt neben der Eingangstür. Und die steht immer für Besucher offen.

Auch gestern gaben sich Gäste und Gratulanten dort die Klinke in die Hand. "Besonders gefreut habe ich mich, dass auch die Brenkhäuser Seniorengruppe gekommen ist, um die Verbindung zwischen Dorf und Kloster zu stärken", sagte der Abt des Klosters, Bischof Anba Damian, Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland. Seit 17 Jahren ist das ehemalige Benediktinerinnenkloster in der Hand der koptisch-orthodoxen Kirche. "Damit ist der seltene Glücksfall eingetreten, dass ein verlassenes Kloster seiner Bestimmung zurückgegeben werden konnte. Seither kann sich Brenkhausen sogar rühmen, Bischofssitz zu sein", sagte gestern Bürgermeister Alexander Fischer bei seinem Gratulationsbesuch.

"Große Teile der Klosteranlage sind seit der Säkularisation 1810 nicht mehr genutzt worden und waren dementsprechend verfallen", erinnert sich Architekt Claus Nagel (80) von der Abtei Marienstatt, der zusammen mit seiner Ehefrau Hanne Nagel (89), ebenfalls Architektin, den Wiederaufbau über lange Zeit begleitet hat.

Brenkhausen ist aber nicht erst seit 300 Jahren Klostersitz. Bereits vor 765 Jahren siedelten sich in Brenkhausen Zisterzienserinnen an der bestehenden Pfarrkirche an. Seither ist das Kloster Brenkhausen eine ewige Baustelle. Mal brannte alles ab, mal musste das Kloster aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden. Ein steter Wechsel an Eigentümern und Nutzungsverhältnissen bestimmen die Geschichte des Brenkhäuser Klosters.

Im 17. Jahrhundert bauten Benediktinerinnen von Corvey aus das Kloster wieder auf. Und auch wenn es im Dreißigjährigen Krieg schwere Verwüstungen hinnehmen musste, befand sich das Kloster doch in einer Blütezeit. Das zeigt bis heute der große barocke dreiflügelige Bau, wie er beginnend 1710 angelegt worden ist. Mit der Säkularisation, der staatlichen Einziehung aller kirchlichen Güter, wurde dem blühenden Klosterleben ein jähes Ende bereitet.

Trotz des umfangreichen Engagements, mit der die koptische Gemeinde den Wiederaufbau betreibt, ist das Kloster noch immer eine große Baustelle und wird es auch noch längere Zeit bleiben.

"Wir sind jetzt dabei, den Nordflügel komplett zu sanieren und mit selbst hergestellten Lehmziegeln aufzumauern", erläuterte Bischof Anba Damian. In dem Gebäudetrakt ist ein Museum zur Darstellung der koptischen Bibelgeschichte vorgesehen.

Um an den Feierlichkeiten teilzunehmen, hatte nicht nur das Architektenpaar aus dem Westerwald eine weite Anreise auf sich genommen. Aus Hamburg war Eva Zimmermann-Meinardus (78) angereist. Sie ist die Witwe des Kirchenhistorikers Prof. Dr. Otto Meinardus, der dem koptischen Kloster in Brenkhausen sein privates Archiv zur Koptenforschung hinterlassen hat. Ebenfalls eng verbunden sind dem Kopten-Kloster in Brenkhausen auch der Marburger Ägyptologe Prof. Dr. Rainer Hannig und Krippenbaumeister Manfred Lipienski, der in Bochum ein Krippenmuseum betreibt.

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