0

Kreis Höxter Endstation Kraftwerk

Der Eisenbahnlinie von Holzminden nach Scherfede schlägt die letzte Stunde

VON SEBASTIAN BEUG
18.02.2013 | Stand 17.02.2013, 19:40 Uhr

Dort, wo einst Lüchtringer Fahrgäste zustiegen, verlädt ein Baggerfahrer das Altmetall zum Abtransport. - © FOTOS: SEBASTIAN BEUG
Dort, wo einst Lüchtringer Fahrgäste zustiegen, verlädt ein Baggerfahrer das Altmetall zum Abtransport. | © FOTOS: SEBASTIAN BEUG

Kreis Höxter. Züge fahren hier schon lange nicht mehr. Brücken sind demontiert. Bahnanlagen überwachsen. Bahnhöfe sind Wohnhäuser oder abgerissen. Nun wird die Strecke von Holzminden nach Scherfede vollends Vergangenheit: Die Gleise werden bis auf einige Abschnitte demontiert.

Die nordrhein-westfälischen Streckenteile sind veräußert worden. Hans-Jörg Koch, Eigentümer des Koch Betonwerkes aus Borgentreich, nutzt die Bahntrasse als Energiewald und legt einen Wirtschaftsweg an. "Wir wollen ein Hackschnitzelkraftwerk bauen", sagt Koch. "Wir sind in der Planung", sagt der Unternehmer, "die Unterlagen liegen vor."

Das Kraftwerk soll im Borgentreicher Industriegebiet bei Natzungen errichtet werden. Eine Leistung von zwei Megawatt pro Stunde erwartet der Unternehmer. Zudem werde die Überschusswärme genutzt. "Wir wollen Holz zukaufen", sagt Koch, "allerdings ist dies von Tages- oder Jahrespreisen abhängig." Der Grüngürtel entlang der Bahnstrecke dient dem Unternehmer als Absicherung.

Den Holzmindener Bahnhof verlässt nach wie vor ein Gleis Richtung Scherfede. Doch am Ende des Glashüttengeländes endet es abrupt – Landesgrenze. Die niedersächsischen Streckenabschnitte, also die zwischen Holzminden und Lüchtringen und zwischen Lüchtringen und der Fürstenberger Weserbrücke, gehören Koch nicht. Arbeiter entfernten bereits in Lüchtringen – die Trasse verläuft schnurgerade durch das Dorf – die Schienen. Sie befreiten diese von Gestrüpp und hinderlichem Baumwuchs, schwere Radlader und Bagger transportierten das Altmetall an Sammelstellen.

1876 eröffnete die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft (BME) mit ihrem Partner – der Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahngesellschaft (BPME) – die zweigleisige Strecke von Holzminden nach Scherfede. Die preußischen Staatsunternehmen schlossen mit dem Bau der Strecke die Lücke zwischen den BME-Bahnen im Ruhrgebiet und dem der BPME gehörenden Bahnnetz des Herzogtums Braunschweig.

Somit verfügten die Preußen über die erste allein in ihrem Besitz befindliche Bahnverbindung zwischen Berlin, den Mitteldeutschen Industriegebieten und dem Ruhrgebiet. Zuvor musste für die Nutzung fremder Teilstrecken eine Gebühr entrichtet werden.

Bis 1880 verkehrten ein Tagesschnellzug von Berlin bis Aachen und je ein Nachtkurier- und ein Expresszug auf der Strecke. Letztere hatten sogar Kurswagen nach Paris und Calais. Gehalten wurde in den Bahnhöfen Eissen, Beverungen und Höxter-Fürstenberg, der allerdings bei Boffzen lag. Im selben Jahr verstaatlichte Preußen alle Eisenbahngesellschaften seiner Gebiete. Folglich nahmen die Schnellzüge den längeren, aber dichter besiedelten Weg über Hannover und Minden.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group