0
Während über die Drehleiter noch die Flammen gelöscht werden, versuchen Feuerwehrleute unter Atemschutz, das Stroh vom Dachboden zu holen und in einen Abrollcontainer zu werfen. - © FOTOS: JOSEF KÖHNE/THOMAS KUBE
Während über die Drehleiter noch die Flammen gelöscht werden, versuchen Feuerwehrleute unter Atemschutz, das Stroh vom Dachboden zu holen und in einen Abrollcontainer zu werfen. | © FOTOS: JOSEF KÖHNE/THOMAS KUBE

LÖWENDORF Großfeuer zerstört Gnadenhof

22 Katzen und ein Hund kamen vermutlich in den Flammen um

VON JOSEF KÖHNE UND DAVID SCHELLENBERG
02.10.2012 | Stand 01.10.2012, 20:27 Uhr

Löwendorf. Obwohl schon am frühen Morgen die Herbstsonne scheint, sieht es am Haus Nr. 27 in Löwendorf aus, wie in einer Winterlandschaft. Alles ist mit weißem Schaum bedeckt und die Einsatzkräfte der Feuerwehr beobachten aufmerksam das verkokelte Fachwerk, des in der Nacht zu Montag abgebrannten Bauernhauses. Die Bewohnerin steht daneben und besitzt nicht einmal die Sachen, die sie am Leib trägt.

"Gegen Mitternacht hörte ich ein Geräusch, als wenn Papier raschelt", berichtet Karin Müller der Neuen Westfälischen. Als sie die Treppe herunterging um nachzusehen, entdeckte die 64-Jährige vor dem Kaminzimmer eine brennende Holzschachtel. Sie rannte sofort zu einer Öffnung im hinteren Teil des Hauses, damit die Tiere ihres Gnadenhofes nach draußen konnten. Dann wollte sie über die Treppe ins Obergeschoss zurück, um ihren Hund zu holen. Doch des Feuer hatte sich bereits bis in die erste Etage ausgebreitet.

Die 13 Stufen schaffte sie schon nicht mehr, weil ihr beißender Rauch entgegen schlug. Nur mit Unterhose und T-Shirt bekleidet rannte sie auf die Straße und rief laut um Hilfe.

Die Feuerwehr traf gegen 0.30 Uhr am Brandort ein und begann unverzüglich mit den Löscharbeiten. Trotz eines Großeinsatzes von fast 100 Einsatzkräften konnte die Feuerwehr in der Nacht zu Montag nicht verhindern, dass das Bauernhaus in Marienmünster-Löwendorf bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Der stellvertretende Wehrführer der Stadt Marienmünster, Josef Welling, war er als einer der ersten am Einsatzort.

Da sich die Situation zu verschärfen drohte, stufte er den zunächst als Kategorie II bewerteten Brand in die Kategorie III ein und forderte alle Kräfte der Stadt Marienmünster an. Außerdem zog er den Schlauchwagen der Stadt Schieder-Schwalenberg und den Löschzug Höxter mit der Drehleiter aus Höxter hinzu. Vor Ort waren weiterhin die Leitstelle und der Abrollcontainer Atemschutz. Vorsorglich wurde auch der Rettungsdienst alarmiert.

Schwierigkeiten bereitete den Einsatzkräften das unter dem Dach gelagerte Stroh, das sich schnell entzündete. Deshalb war nach Angaben der Feuerwehr nur eine Brandbekämpfung von außen möglich. "Da der ganze Dachboden mit Stroh belegt war, mussten wir einen Bagger holen und das Stroh entfernen", sagt Einsatzleiter Josef Welling. Dazu wurde auch der Giebel abgerissen.

Um den Brand nachhaltig unter Kontrolle zu bringen, setzte die Feuerwehr größere Mengen Löschschaum ein. Ein Übergreifen der Flammen auf Nachbarhäuser konnten die Einsatzkräfte verhindern.

Schockiert von dem Feuer in der Nacht waren nicht nur die Anwohner in Löwendorf. Auch bei der Tierhilfe "Kowaneu" aus Bielefeld, die Karin Müller seit vielen Jahren mit Tierfutter und Spenden unterstützt. "Wir sind noch völlig sprachlos über das, was geschehen ist", sagte Vorsitzende Bettina Kowalewski gegenüber der NW. Erst am Sonntag habe der Vorstand zusammengesessen und überlegt, wie der kleine private Gnadenhof besser unterstützt werden könnte. So war angedacht, Karin Müller bei der Renovierung des Hauses zu helfen. "Nun ist alles zerstört", sagt Kowalewski. Die Mitglieder der Tierhilfe wollen die Löwendorferin nun bei der Wohnungssuche und Behördengängen unterstützen. Auf seiner Internetseite www.tierhilfe-kowaneu.com hat der Verein zudem um Unterstützung für Karin Müller gebeten, die Kowalewski als "liebe und sehr engagierte Frau" beschreibt, der die Flammen alles genommen haben.

Dem stellvertretenden Wehrleiter Josef Welling zufolge hatte die Feuerwehr den Brand gegen 5 Uhr unter Kontrolle. Da an einigen Stellen immer wieder leichter Rauch aufstieg, ordnete die Feuerwehr eine Brandwache an.

Aus Kreisen der Feuerwehr wurde die Vermutung geäußert, es könnte sich um einen Kaminbrand gehandelt haben, der sich auf das gesamte Fachwerkgebäude ausdehnte. Brandsachverständige der Kriminalpolizei wurde noch in der Nacht verständigt und nahmen die weiteren Ermittlungen zur Ursache auf. Der Brandort wurde beschlagnahmt. Bis zum Nachmittag gab es allerdings noch keine neuen Erkenntnisse. Die Schadenshöhe beträgt nach Schätzungen der Polizei etwa 150.000 Euro.

Empfohlene Artikel

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group