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Martina Fahlbusch, Rainer Engel, Bundestagsabgeordnete Ute Koczy, Antonius Aufenanger, Uwe Rottermund, Norbert Kortlüke, Werner Loke und Gisbert Bläsing (v. l.) auf Bahnsteig 2. - © FOTO: RALPH MEYER
Martina Fahlbusch, Rainer Engel, Bundestagsabgeordnete Ute Koczy, Antonius Aufenanger, Uwe Rottermund, Norbert Kortlüke, Werner Loke und Gisbert Bläsing (v. l.) auf Bahnsteig 2. | © FOTO: RALPH MEYER
ALTENBEKEN

"Nichts passiert hier"

Grüne kritisieren Nahverkehrsverbund -Planungen für Tunnel-Sperrung

VON RALPH MEYER
23.08.2012 | Stand 22.08.2012, 18:34 Uhr

Altenbeken. Harsche Kritik am mangelnden Engagement des Nahverkehrsverbundes Paderborn-Höxter (NPH) bei der Ausgestaltung des Schienenersatz-Verkehrs während der halbjährigen Sperrung des Rehberg-Tunnels äußerten die Bündnisgrünen aus den Kreisen Paderborn und Höxter. Während die Reisenden aus Lippe ein gut strukturiertes Angebot vorfinden, schauen vor allem die Bahnnutzer aus dem Kreis Höxter in die Röhre. "NPH steht wohl für nichts passiert hier", wähnt Gisbert Bläsing, Sprecher der grünen Kreistagsfraktion in Höxter.

Vom 2. April bis 28. September muss der Rehbergtunnel im kommenden Jahr wegen dringender Sanierungsarbeiten komplett gesperrt werden (die NW berichtete). Gleise und Unterbau werden ausgetauscht, außerdem kämpft die Bahn bereits seit langem mit eindringendem Wasser. Zuletzt war das 1.632 Meter lange Bauwerk zwischen 11984 und 1987 unter rollendem Verkehr saniert worden.

Information

Drei Betreiber

Drei Gesellschaften organisieren den Bahnverkehr durch den Rehberg-Tunnel:

Die Nordwestbahn betreibt die Eggebahn (RB 84) von Paderborn nach Holzminden und den Leineweber (RB 82) von Bielefeld nach Paderborn.

Die Westfalen-Bahn verkehrt mit der Ostwestfalen-Bahn (RB 72) von Paderborn nach Herford.

Die Deutsche Bahn verkehrt mit der Linie S 5 von Paderborn zum Flughafen nach Hannover. (my)

Gemeinsam mit dem Experten Rainer Engel vom Fahrgastverband Pro Bahn erörterten die Grünen im Altenbekener Bahnhof den Stand der Planungen beim Schienenersatzverkehr. Die fallen sehr unterschiedlich aus. Während der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) seine Schularbeiten bereits gemacht hat und attraktive Bus-Direktverbindungen Richtung Paderborn mit IC-Anschluss anbietet, sieht es beim NPH zwischen Paderborn und der Weser ausgesprochen düster aus.

Lediglich Steinheim ist einigermaßen mit einigen Direktbussen zu Spitzenzeiten an die schnelle Bahn in Paderborn angebunden; in den übrigen Zeiten wird Altenbeken angefahren. Ähnliches ist für andere Kommunen im Kreis Höxter nicht geplant. Sorgen machen sich die Grünen mit der Bundestagsabgeordneten Ute Koczy vor allem um die Touristen. Viele Menschen, die in der Kulturland-Region an der Weser radeln wollen, reisen gern per Bahn an. In den Ersatzbussen sind Fahrräder jedoch tabu. Geplant ist der Einsatz von Fahrrad-Anhängern. Unklar bleibt jedoch, mit welcher Frequenz und an welchen Verkehrstagen.

Engel und Koczy werfen dem NPH vor, wertvolle Zeit verschlafen zu haben. "Im Februar gab es noch gute Gelegenheit, ein System zu entwickeln, jetzt sind viele Züge buchstäblich abgefahren."

Norbert Kortlüke, Mitglied der Regionalrats-Verkehrskommission, fordert neben der Lösung des Radler-Verkehrs vor allem einen Fernbus über die Bundesstraße 64 für Reisende aus dem Raum Höxter mit Ziel Paderborn.

Für Fernreisende aus dem Raum Brakel in Richtung Süden würde sich ein Bus nach Warburg anbieten. Züge der Nordwestbahn könnten die Ostumgehung über Langeland nutzen, um den Inselbetrieb in Richtung Höxter zu vermeiden. Züge könnten dann von Brakel in Richtung Bielefeld fahren und umgekehrt. Die Linie S 5 von Paderborn nach Hannover wird von Altenbeken per Bus nach Steinheim geführt.

Empört zeigten sich die Grünen über "skandalöse Behandlungen von Reisenden durch den NPH", die sich mit Blick auf die schlechten Ersatzverbindungen hilfesuchend an den Verbund gewandt hatten. So wurde eine Krankenschwester im Schichtdienst, deren Arbeitsverhältnis durch die Veränderungen existenziell bedroht ist, kommentarlos mit einem Faltblatt abgespeist, obwohl sie an bestimmten Tagen weder ihren Arbeitsplatz noch ihren Wohnort erreichen kann.

Ute Koczy warf dem NPH "mangelndes Interesse" an einer Kooperation mit dem Fahrgastverband Pro Bahn vor - eine Kooperation, die den Lippern deutlich verbesserte Lösungen beschert habe.

Geplant ist, die Bauarbeiten im Tunnel in einem halben Jahr zu beenden. Rainer Engel wies jedoch darauf hin, dass im Berg immer mit Risiken zu rechnen sei. "Der Berliner Flughafen kann überall sein", sagte er.

Entscheidend für einen problemlosen Schienenersatz-Verkehr hält der Experte auch eine optimale Leitung der Reisenden an den Umsteigebahnhöfen. "Wenn der NPH dort nicht die nötige Vorarbeit betreibt, ist das Chaos programmiert."

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