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BAD DRIBURG "Wettlauf zwischen den Städten gibt es nicht"

INTERVIEW: Bürgermeister Burkhard Deppe zur Schulpolitik in Bad Driburg

19.04.2012
Bürgermeister Burkhard Deppe. - © FOTOS: BERND PAULUS
Bürgermeister Burkhard Deppe. | © FOTOS: BERND PAULUS

Bad Driburg. Bad Driburg soll eine Gesamtschule bekommen. Doch nicht alle Bürger der Stadt sind begeistert von dieser Schulform. NW-Mitarbeiter Bernd Paulus befragte dazu den Bad Driburger Bürgermeister Burkhard Deppe.

Die CDU war lange gegen Gesamtschulen. Viele Eltern sind verwirrt, dass ein CDU-Bürgermeister sich nun für die Gesamtschule einsetzt. Warum denken Sie, dass die Gesamtschule das beste Konzept für Bad Driburg ist?
BURKHARD DEPPE: Alle Beteiligten haben den Prozess der Schulentwicklungsplanung von Anfang an völlig ideologiefrei und eben nicht durch die Parteienbrille gesehen. Es geht uns als Schulträger darum, den Bad Driburger Kindern ein umfangreiches Schulangebot anbieten zu können und dies auch über das nächste Jahrzehnt hinaus. Bei der Prüfung aller Möglichkeiten im traditionellen und auch in schulrechtlich neuen Systemen hat sich in einem monatelangen Findungsprozess die Gesamtschule für Bad Driburg als das mit Abstand attraktivste Modell herauskristallisiert. Wir sind davon überzeugt, dass im Interesse unserer Kinder das schulische Angebot damit so weiter entwickelt wird, dass ein nachhaltiges Konzept auch über das Jahr 2020 die Möglichkeit eines gesicherten Schulbestandes bietet. Auf dem Weg dahin sind wir ohnehin. Die Grenzen der Dreigliedrigkeit verwischen mehr und mehr, weil die Zahl der Kinder am Gymnasium mit reiner Realschulempfehlung und an der Realschule mit reiner Hauptschulempfehlung in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen hat.

Was sind die Vorteile einer Gesamtschule gegenüber einer Sekundarschule?
DEPPE: Die Gesamtschule bietet eine gymnasiale Oberstufe an und bietet im Gegensatz zur Sekundarschule damit auch die Möglichkeit, das Abitur an einer städtischen Schule zu erlangen. Damit könnten in Bad Driburg auch langfristig weiterhin alle Schulabschlüsse in städtischer Regie vorgehalten werden. Die Eltern und deren Kinder müssten bei einer Wahl der Gesamtschule zum Beginn des fünften Schuljahres keine frühzeitige Entscheidung mehr treffen, welchen Schulabschluss ihre Kinder erzielen sollen.

Es gibt Stimmen, die mit der Einführung einer Gesamtschule beklagen, dass die Wahlmöglichkeit der Eltern eingeschränkt werde. Was ist ihr Argument gegen diese These?
DEPPE: Derzeit reichen die Schülerzahlen noch aus, um in den nächsten Jahren ein städtisches Angebot mit drei weiterführenden öffentlichen Schulen vorhalten zu können, aber schon mittelfristig wird dies nicht mehr möglich sein. Hauptschule und Gymnasium sind dem Gutachten des Schulentwicklungsplaners zufolge spätestens zum Ende des Jahrzehnts in ihrem Bestand stark gefährdet. Wenn Hauptschule und Gymnasium ihren Betrieb einstellen müssten, wäre mit der rechtzeitigen Einrichtung einer erstklassig geführten Gesamtschule das Angebot dann sogar größer. Diese Option würde auch weiterhin die Möglichkeit bieten, alle Schulabschlüsse in städtischer Trägerschaft anbieten zu können.