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Das bekannte Lied der Kölner Band BAP "Alles em Lot" passt zu der momentanen Situation von Frontmann Wolfgang Niedecken. Nach seinem Schlaganfall fühlt er sich prächtig, wie hier bei seinem Auftritt bei der ECHO-Verleihung. - © FOTO: DPA
Das bekannte Lied der Kölner Band BAP "Alles em Lot" passt zu der momentanen Situation von Frontmann Wolfgang Niedecken. Nach seinem Schlaganfall fühlt er sich prächtig, wie hier bei seinem Auftritt bei der ECHO-Verleihung. | © FOTO: DPA

BEVERUNGEN "Werde mich nie nach Trends richten"

INTERVIEW: Wolfgang Niedecken kommt mit BAP am 10. Mai nach Beverungen

30.03.2012 | Stand 29.03.2012, 20:48 Uhr

Beverungen (mep). Heute feiert der Frontmann der Kölsch-Rockband BAP, Wolfgang Niedecken, seinen 61. Geburtstag. Seit der Gründung von BAP 1976 hat die Band viele Erfolge gefeiert, in immer wechselnden Besetzungen, aber immer mit Frontmann Niedecken. NW-Mitarbeiterin Melanie Peter sprach mit dem Rock’n’Roller über seinen bevorstehenden Auftritt in Beverungen am 10. Mai, über seinen Schicksalsschlag und den ECHO fürs Lebenswerk. Und darüber, was die Familie ihm bedeutet.

Herr Niedecken, Sie kommen ja am 10. Mai mit BAP nach Beverungen.
WOLFGANG NIEDECKEN: Genau, an der schönen Weser.

Haben Sie besondere Erinnerungen an ihre Auftritte in Beverungen?
NIEDECKEN: Das ist ganz einfach. In Beverungen haben wir zum ersten Mal auf der Salzjebäck un Bier-Tour gespielt, die war 84/85. Wir haben ja schon einige Male dort gespielt - das letzte Mal war auf jeden Fall bei sehr, sehr schönem Wetter. Es war Samstag, und wir haben nachmittags an der Weser gesessen und mit einem Kofferradio Fußball gehört.

Wie ist denn das Beverunger Publikum so drauf, wenn Sie hier spielen?
NIEDECKEN: Das ist wunderbar. Das kann man generell sagen, wenn man irgendwo in der Provinz spielt, was für mich auch kein beleidigender Begriff ist, dann ist das Publikum deutlich herzlicher, als in den Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München. Aber das ist ja auch klar, da spielen jeden Abend 20 Bands. Wir haben irgendwann mal gesagt, BAP spielt an jeder Steckdose - das machen wir natürlich gerne, in erster Linie sind wir eine fahrende Band, eine Liveband, das muss man aber auch pflegen.

Wenn Sie sagen, sie sind eine Band, die Wert darauf legt, auf Tour zu gehen - wie ist das vom Stressfaktor her für Sie?
NIEDECKEN: Das ist überhaupt kein Stress. Auf Tour bin ich eigentlich jemand, dem alles andere abgenommen wird - für Leib und Seele ist gesorgt. Ich muss mich nur darauf konzentrieren, abends fit zu sein, diese zirka drei Stunden ein guter Gastgeber zu sein. Wo ist das Problem?

Wie bereiten Sie sich darauf vor? Haben Sie bestimmte Rituale vor einem Auftritt?
NIEDECKEN: Das Ritual, das wir auf jeden Fall immer haben, ist die Huldigung. Das ist eine Mindestdosis Grappa, aber eher in homöopathischer Dosis, den trinken wir auf die Heiligen Drei Könige, und dann gehen wir auf die Bühne. Wobei ich persönlich momentan keinen Grappa trinke, da ist es dann eher eine Apfelschorle.

Sie hatten ja einen recht heftigen Einschnitt in ihrem Leben durch einen Schlaganfall. Geht es Ihnen denn jetzt wieder gut?
NIEDECKEN: Mir geht’s fantastisch. Ich bin so was von entspannt, wie lange nicht mehr. Ich freue mich total, endlich wieder los zu dürfen. Ich muss halt danach leben, dann ist es auch gut.

Was haben Sie denn verändert in ihrem Leben?
NIEDECKEN: Ich habe so einige Sachen, die ich immer schon mal loswerden wollte, gecancelt. Ich bin durch diesen kleinen Hinweis, weiß der Geier, von wem der kam, jetzt auch tatsächlich mal da angekommen, wo ich mein Leben als sechsmal Zehnjähriger neu sortiere. Ganz einfach: Warum soll ich mir Sachen versagen, die mir Spaß machen? Da fange ich doch bei den Sachen an, die mir auf den Wecker gehen.

Welche Rolle spielt eigentlich Ihre Frau in Ihrem Leben?
NIEDECKEN: Meine Frau ist eindeutig die, die mir in allen möglichen Belangen den Rücken frei hält. Ich sage ja immer, mein kleiner Rock’n ’Roll-Familienbetrieb. Das ginge auch gar nicht anders. Es würde nicht funktionieren wenn nicht Vattern erst mal der Rücken freigehalten wird - Vatter mit zwei T übrigens, so nennen mich meine Söhne.

Was liegt Ihnen neben Ihrer Arbeit mit BAP noch besonders am Herzen?
NIEDECKEN: Meine Familie auf jeden Fall. Die ist ganz, ganz oben. Ich würde auch nichts machen, was mit BAP zusammenhängt, wo ich der Familie schaden würde. Ich habe die Verantwortung für eine recht umfangreiche Familie, und die nehme ich sehr gerne wahr.

Ist das nicht auch manchmal schwierig, alles unter einen Hut zu bringen?
NIEDECKEN: Normalerweise ist das ja kein Beruf, wo man überhaupt eine Familie mit betreiben kann. Eigentlich geht das gar nicht - aber wir kriegen es irgendwie hin, und das ist wunderbar.

Was ist Ihnen sonst noch wichtig?
NIEDECKEN: Das ist mein Engagement in Ost-Kongo und in Nord-Uganda.

Sie engagieren sich dort für die Kindersoldaten.
NIEDECKEN: Ja, das ist mir sehr wichtig, ich habe das jetzt einmal angefangen und ich glaube ich könnte nicht in den Spiegel gucken, ohne das vernünftig zu betreiben. Ich will da ja nicht gewählt werden, aber die Kinder, um die es da geht, da kriege ich schon einiges bewegt. Das mache ich sehr, sehr gerne, und da ziehe ich auch immer mehr Leute mit rein.

Sie haben kürzlich den Echo für Ihr Lebenswerk erhalten - was für ein Gefühl war das für Sie?
NIEDECKEN: Das ist schon was ganz Besonderes - gerade, wenn man das an so einer Stelle des Lebens kriegt. Das war ja praktisch meine Rückmeldung, ich habe mich ja jetzt vier Monate lang komplett geschlossen gehalten. Speziell an dem Abend hat Campinos Laudatio bei mir Gott weiß wie viele Filme in Bewegung gesetzt. Als ich auf der Bühne stand und die zwei Songs gespielt habe, einen mit Clueso und den anderen mit Thomas D., das war sehr schön, das an diesem Abend auch so abzuschließen.

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